Beugen, bitte!

Glaube ich nicht, glaube ich alles nicht. Wenn das Knie knackt, sollte man zum Orthopäden, Treppen meiden, abnehmen oder seinen finalen Sitz auf der Couch nehmen. Oder zum Orthopäden, der einem empfiehlt, Treppen zu meiden, abzunehmen, der einen dann operiert und dem Patienten den finalen Sitz auf der Couch zuweist, links die Nüsschen und die Fernbedienung, rechts das Handy mit der Nummer des Pizza-Schnelldienstes.

Auf keinen Fall sollten man Leuten vertrauen, die in einem komischen Anzeigetext auf wenigen Zeilen vier Fehler machen. Ich vertraue Klaus H., der mir – meinen Dank – dieses Bildchen geschickt hat.

  1. Leute, bitte, das Nomen Knie ist insofern ein merkwürdiges, als es bei der Flexion (krachender Wortwitz hier, also bei der Beugung!) Probleme macht. Wir nehmen dann so ein blaues Teil für 99,99 Euro … nein, wir greifen zur wunderbaren Seite canoo.net und schlagen einfach Knie nach. Und finden das, was Sie nebenan stehen sehen. Der Plural im Akkusativ (ja ja, der Trick repariert wen oder was?) heißt so wie der Singular im Nominativ, Knie.
  2. Das Verb verjüngern gibt es nicht mehr. Es ist ein altes Verb, das älteste der deutschen Sprache – und damals auch das einzige. Es wurde erstmals (und danach nie wieder) rund siebzig Jahre nach Christus genannt. Damals schrieb Dudenius von Korinth der Jüngere an seinem älteren Freund Grammatios der Knieende nach dessen Taufe im Jordan: Damit hast auch du dich verjüngert, bist ein Teil der Jünger des Herrn geworden. Die anderen waren Zeitgenossen des Herrn. Du bist der erste, der seine Knie (er schaute kurz in canoo.net nach) siebzig Jahre später beugt. Wenn es wehtut, es gibt da so einen genialen Trick ... Übrigens, Konrad Duden, eine Nachfahre von Dudenius von Korinth, hat Anfang des 19. Jahrhunderts aus diesem verjüngern ein verjüngt gemacht und in das Werk eingebracht, das nach seinem Vorfahren benannt wurde, dem Erfinder der deutschen Sprache direkt an Ostern des Jahres null.
  3. Wie man mit 26 Jahren Knorpel verjüngert(!) oder was der Satz überhaupt meint, erschließt sich wohl erst, wenn man den Gang nach Canossa hinter sich hat. Sie verstehen den Witz nicht ganz? Ging der Herr Herrscher damals aufrecht – oder bewegte sich Heinrich IV. im elften Jahrhundert als erster Tester des hier angepriesenen Tricks anders vorwärts?
  4. Und die Steifigkeit, meine Herren Texter (auf die Knies!, auf die Knien zum Knicks!) ist der Messgrad einer Stoffs. Dieses Aluminium hat eine Steifigkeit von 34,5 Prozent bei Sonneneinstrahlung – oder so. Was Sie hier meinen, ist Steifheit. Das ist etwas vollkommen anderes. Aber davon verstehen Sie nichts, Sie Knie-Kerls!

Achso, richtig, ist alles etwas steif formuliert, ja, das darf man sagen.

Kommentar hinterlassen zu "Beugen, bitte!"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*