Ein Held des Dativs

Es gibt genau einen guten Grund dafür, diese Werbung für gut zu erachten: Sprachsensible Dumpfbacken wie ich werden auf das Stück Untat im sogenannten öffentlichen Raum aufmerksam, knipsen es und stellen es auf ihre Tagebuch-Seite – um sich daran zu vergehen. Und schwups, liebe Marketender und Propadandisten des ω viralen Marketings (so heißt das dann), habt ihr habe ich den euren Zweck erfüllt. Dank dafür? Die Nummern meiner Konten hat The Donald an Herr Lawrow ausgeplaudert, der Angeber … fragt den russischen Außenminister!

Wir sehen einen Herbert Heldmann (schon der Name klingt wie ein Passpartout ins Schwiegermutterherz, größte Stärke: Ich bin nett, größte Schwäche: Ich kann das mit Sprache nicht so ganz), Kundenberater bei der Siemens-Betriebskrankenkasse. Herr Heldmann, der Held des Dativs (ja, auch der Dativ klemmt sich ein Genitiv-S an), sagt …

Voll nervig, jedes Mal mit wem anders zu sprechen.

Ich habe mir Daumen(!)schrauben an meine Fuß(!)nägel getackert; sie strebten nach oben. Aber ich bleibe gelassen, innerlich, wie Sie es kennen von mir, und analysiere mit des Kugelfischmessers Schärfe, was da passiert ist, ihr Siemensianer!

Ihr habt ganz einfach übersehen, dass es feiner, netter, beruhigender, ja, sogar überaus richtig* gewesen wäre …

Voll nervig, jedes Mal mit jemand anderem zu sprechen …

zu texten. Und das Einzige, das ihr wirklich begriffen habt von Grammatik, ist dies: Ja, nach dem Verb sprechen mit schreit die Sprache nach einem Dativ. Mit wem spreche ich? Mit einem Dativ. Gut, Jungs.

Dass ihr auf dieser Kenntnis stehen bleibt, ist offensichtlich. Ihr setzt einfach das Erkennungsmerkmal des Dativs ein. Wem. Bravo. Und klingt auch so jugendlich, so jugendlich wie Voll nervig. Gerade die jungen Simensianer … und so.

Nun muss ich aber einen Schritt zurückgehen. Oben veraskteriske* ich das Wort richtig. Ich muss zugestehen, dass meine Korrektur zu Voll nervig, jedes Mal mit jemand anderem zu sprechen … von der Grammatik nicht ganz gedeckt wird. Diese Beugung entspricht nur meinem Sprachempfinden.

Die Dudens in ihrem Werk Gutes und richtiges Deutsch, der blaue Band, sagen: (1) Vor anders und vor einem flektierten Adjektiv ist die endungslose Form jemand heute üŸblicher als die deklinierte: Sie sprach von jemand anders (andere), mit jemand Fremdem(2) In den FŸügungen jemand anders und jemand + substantiviertes neutrales Adjektiv kšönnen anders und das Adjektiv in allen Kasus unveräŠndert bleiben: von / an jemand anders, von / an jemand Fremdes. Das kommt daher, dass diese Formen ursprŸünglich Genitive des Neutrums waren. Beim substantivierten Adjektiv ist jedoch die Verwendung der normalen Flexionsendungen verbreiteter: mit jemand Fremdem, an jemand Fremden. Nicht standardsprachlich ist der Gebrauch des Maskulinums im Nominativ: Das ist jemand Fremder.

Ist mir fremd. Aber einerlei. Mit wem anders … gehört in eine SPD-Kneipe im Ruhrgebiet, wo die Genossin Agnes Abgewählt immer noch auf den Schulz-Zug wartet und nach fünf Kurzen jammert: Nun ist da wer anders mit wem anders am Koalieren.

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