Mach mich nicht voll!

Ich gebe es zu, ja, ich gestehe: Wenige Sprachphänomene beschäftigen mich mehr als diese vermaledeite Schreibung von zusammengesetzten Verben. Oft schaue ich nach, oft wundere ich mich über Dudens Entscheidungen, auch wenn ich die Grundregel aufbeten kann, falls Sie mich voll!, nach fünf Glas Wein, aus dem Tiefschlaf holten: Ergeben beide Bestandteile einen Sinn im engen Sinne der beiden Bestandteile, schreibt man getrennt. Ergeben sie einen neuen Sinn, zusammen bitte!

Ich habe mich in den vergangenen Monaten beschäftigt mit diesem Phänomen anhand des Verbs krankschreiben – einfach mal suchen in diesem Tagebuch und gleich ω hier klicken.

Und heute … heute bin ich der Firma Shell sehr dankbar, dass sie mir dieses Schildchen geschenkt hat. Ja, volltanken ist auch so ein Verb – zusammen, bitte. Schreiben Sie es auseinander …

Voll getankt …

läse ich auch: Ich war so voll von Alkohol, da habe ich mal getankt.

Nun gut, Sie können natürlich sagen, dass ich mich – dem Plakat vollgend(!) – auch in überaus alkoholisiertem Zustand gefreut haben könnte. Aber gibt es das Verb vollfreuen, irgendwie, mit Sinn?

Liebe Leser dieses wunderbaren Tagebuchs. Ich will Sie heute, aus Anlass der Shell-Initiative für eine voll saubere Sprache, mit zweierlei voll vertraut machen:

  1. Wir, Sie und ich, können nur etwas zusammen reißen (im Sinn von: wir gemeinsam – Sie nehmen meine Worte wie Manna auf; ich habe meinen Spaß dabei), wenn wir uns zusammenreißen. Verstanden? Wenn Sie fleißig lernen – und ich fleißig schreibe.
  2. Und da kommen wir zu Punkt zwei, der Asche auf meinem Haupt: Ich bin derzeit so überlastet in meinem Brotberuf als Lektor, dass ich mal bis in die kommende Woche aussetze. Selbst wenn ich mich zusammenrisse(!), risse ich irgendwann nichts mehr.

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