Wenn einstartend geschaufelt wird

Am Wochenende hat der FC Bayern die Dortmunder mit 0:3 vom Platz geschickt. Kein Thema für dieses feine Tagebuch, denken Sie? Pustekuchen. Ich habe mir zum Spiel die Kommentare des Kicker einmal angesehen, zu den drei Toren, genauer gesagt. Und siehe da, drei Mal finden wir etwas, das uns eine Fachsprache näher bringt, verehrte Damen, die Sie die Nase rümpfen über Männer, die jeden Samstag um 15:30 Uhr (hier: 18:30 Uhr) in ihre eigene Welt abtauchen.

Das 0:1 beschreibt der Kicker so: Ein Herr Thiago schaufelt eine Flanke. Ein Niederländer zieht einen Schritt. Ja, das kann der, der Arjen. Wohin? Nach innen. Unvergleichbar, der Niederländer, der dann den Ball nagelt. Ja, ein Ball wird auch mal genagelt. So ist das. Punkt. Versteht niemand, außer zwanzig Millionen echter Kerle, die mit ihren Kumpels ebenso reden. Der hat dem ne Banane aber so dermaßen in den Sechzehner gezirkelt …

Wir kommen zum 0:2. Die Dortmunder fangen nicht den Ball, sie fangen sich das 0:2. Zwei, wieder dieser Herr Robben, die Robbe, und ein Herr Kimmich, marschieren. Mit dem Ziel, einem – wir kommen zum Höhepunkt dieses Beitrags(!) – einstartenden Herrn Lewandowski den Ball in die Füße zu spielen. Dieser Herr, ein netter Pole, nimmt die rechte Hacke (Fuß hinten) und verwandelt unhaltbar. Ein solcher Einsatz des Verbs verwandeln ist der einzige mir bekannte, in dem das Verb keiner Ergänzung bedarf. Ich verwandele …. hey, wen oder was oder in was? Nicht im Fußball. Ein Pole verwandelt unhaltbar. Klartext: Er verwandelt den Ball in Zählbares, sprich: ein Tor.

Hören Sie mal, der katholische Priester verwandelt in der sogenannten Wandlung Wasser in Wein und eine Hostie in den Leib Christi. Das ist mythisch und nur Strenggläubigen wie mir irgendwie zugänglich. Wie irdisch ist dagegen die Wandlung des Balles, also etwas Rundem, in etwas Eckiges. Und das jeden Samstag!

Und das letzte Tor, das 0:3. Natürlich reden wir von Großchancen, nein, nicht im Lotto. Hier: Großchance – und dann Deckel drauf. Ließe sich ergänzen durch das leider hier nicht aufgeführte Adjektiv vorentscheidend. Passte aber. Der Herr Alaba, Vorname: David, Physiognomie: Schwarzafrika, Mutter Philippinin, Vater Nigerianer, ist aber – Achtung! – Österreicher, flankt nicht nur, er flankt gefährlich. Und der Herr Pole wieder ist aus kürzester Distanz – aber nicht dran. Hier ließe sich ergänzen: am Leder – am Spielgerät – an der Kugel, die die Welt bedeutet.

Wunderbar, oder?

Verehrte Dame, Sie sind entsetzt? Ich verstehe Sie. Sie haben sich auf den kulturell wertvollen Beitrag um Walter Scheel, am Freitag angekündigt, gefreut. Es tut mir leid. Ich musste den Fußball aus aktuellen Gründen vorziehen. Walter Scheel singt morgen. Versprochen!
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In eigener Sache
* Mein Brotberuf, der des Lektors
weltumspannend wichtiger Werke, erfährt eine unerwartete, wenngleich freudige Ehrung: Die Seite Planet Awards 2017 hat mein Lektorat www.worttaten.de als eines der besten des Landes angesehen. Ich stehe auf einer Shortlist mit sechs anderen. Oh, Freude …

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