Viele Bougain-Dingens

Hopp, hopp, hopp, nun aber schnell nachdenken! Wie heißt diese mediterrane Pflanzen, die sich im Süden über Mauern rankt, Gasse, Stein und Haus verschönert und beim gemeinen Mitteleuropäer weiblichen Geschlechts Verzückungen (Boaaaaah, Kalle, is dat schön hier!) hervorruft?

Richtig. Sie haben das Wort gerade gesprochen. Und nun schreiben Sie es bitte mal, buchstabieren Sie es. Sehen Sie? Gar nicht mal so blumig einfach. Ich biete mal die richtige Lösung an und setze gleich noch ein Bild dazu, damit wir alle sprichwörtlich im Bilde sind.

Bougainvillea

Das ist der Singular, eine Bougainvillea. Zum Plural kommen wir gleich. Das Bild rechts ist augenscheinlich auf Hawaii aufgenommen worden, Quelle: Wikipedia, Rechteinhaber: Forest & Kim Starr. Ja, ich bin bei Bildnachweisen knochentrocken.  Die schreiben dazu, dass es sich um eine ω bougainvillea spectabilis handelt, respektabel, nicht wahr? Und da Sie sich gerade so herzig am Bildchen erfreuen, sei Ihnen noch gesagt, dass ein französischer Seefahrer ω fast gleichen Namens – streichen Sie das A am Ende! – das Pflänzlein nicht nur entdeckte, seine Camembert-Nase hineinstach und dann rief: Die soll so heißen wie ich, comme moi. Er packte überdies ein paar Samen in seinen Seesack, verstreute die Mitbringsel über den Süden Frankreichs – und schon war es um die Touristin, siehe oben, geschehen.

Aber zum Wort zurück. In einem Werk, das mir zum Lektorat vorlag, prangten dieses Sträucher. Spielt am Lago Maggiore. Sie prangten massenhaft. Also im Plural. Ich war völlig unsicher, wie der Plural dieses Worts lautete. Der Duden lässt sich da nicht beirren. Der Duden sagt …

Bou|gain|vil|lea [bug’vilea], die; -, leen [len]

Eindeutig, oder? Als ich dann das Werk final korrigierte mit dem Schreibprogramm Word, zuckte das Programm. Den Duden-Plural Bougainvilleen wollte es nicht akzeptieren. Und dann steht der arme Lektor vor einem Problem. Denn hinter dem Korrekturprogramm von Word liegt der Duden, der Duden Korrektor. Merkwürdig, oder? Der dort vorgschlagene Plural …

Bougainvilleas

… ist aber nach Duden nicht korrekt. Und nun?

Ach, schieben wir es auf einen Programmierfehler. Im Buch steht jetzt Dudens Plural.

2 Kommentare zu "Viele Bougain-Dingens"

  1. Leif-Ove Murayama | 20. November 2017 um 9:41 | Antworten

    Im Deutschen kann bei Fremdwörtern, soweit ich mich erinnere, auch der Plural der Herkunftssprache verwendet werden. Weil der Pflanzenname „Bougainvillea spectabilis“ offenbar lateinisch ist, kann für die Pluralfindung im Deutschen auch der lateinische Plural herangezogen werden: Bougainvilleae.
    Ein anderes Beispiel ist etwa der Karateka. Plural laut Duden: Karateka[s]. Woher die Form ohne deutschem Pluralmorphem s kommt? Ganz recht: aus der Herkunftssprache. Karateka bezeichnet im Japanischen sowohl den Singular als auch den Plural. Korrekt wäre übrigens auch Karatekatachi. Dieser Plural wird verwendet, um sicherzustellen, dass Plural und nicht Singular gemeint ist. Da das japanische Pluralsuffix -tachi im deutschen Sprachraum aber praktisch niemand kennt und es im Deutschen bereits zwei etablierte Plurale von Karateka gibt, ist von diesem Plural im Deutschen abzuraten. Was die Qual der Wahl zwischen Karatekas und Karateka betrifft: Damit unzureichend programmierte Textverarbeitungsprogramme nicht auf die Idee kommen, das Wort eventuell Karate-kas abzuteilen (silbentechnisch völlig in Ordnung, es stört aber den Wortsinn und somit den Lesefluss erheblich – vgl. etwa bein-halten, Urin-stinkt, Anal-phabet usw.), was ja doch nicht wenige an Käse erinnert, ist der Plural ohne s dem mit vorzuziehen. Und wie funktioniert es im Judo, Iaido, Kyudo, Kendo oder Aikido, die ja allesamt eingedeutschte Wörter sind? Genauso.
    Zurück zur Bougainvillea: Der lateinische Plural der a-Deklination ist auch im Deutschen weder Mirakel noch Enigma und somit problemlos verwendbar.

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