Well(s) done!

Heute etwas aus der beliebten Serie: Dieses Wort kenne ich – es sollte viel öfter benutzt werden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, liebe Leser, das ist natürlich Dumpfsinn. Dieses Wort habe ich noch nie gehört. Nicht mal das Lesen der Passage, in der dieses Wort auftaucht, brachte mich an die Lösung, und ich will Sie an dieser kleinen Expedition in unbekannte Welten teilhaben lassen.

Das Wort heißt …

Rikoschettieren

Geschickt hat es mir, wie immer mit großem Dank für die Aufmerksamkeit, Klaus H.. Der Auszug stammt aus der Anthologie ω Das Kristallei von H. G. Wells, dortselbst aus der Erzählung Mein erstes Flugzeug. So weit die Quellenlage. Und noch ein Wort zu ω Herbert George Wells. Der hat unter anderem den Krieg der Welten geschrieben. Der sagenhafte Orson Welles hat daraus 1938 ein Hörspiel gemacht, bei dessen Ausstrahlung viele Amerikaner tatsächlich an eine Invasion aus dem All dachten. Schluss nun mit den Weisheiten drumherum.

Ich denke, Rikoschettieren beschreibt mein Durchqueren seines Anwesens so gut, wie es ein einzelnes Wort kann.

Was für ein Satz! Der Autor macht sich Gedanken, wie er eine Handlung beschreiben soll. Das ist schon mal klasse. Und: Er sucht nach einem, dem einen Wort. Ja, so soll es sein, quälen Sie sich bitte, lieber Autor, auf der Suche nach der einen, der richtigen Beschreibung mit möglichst wenig Wörtern. Ich gebe Ihnen mal vier Möglichkeiten vor, was Wells (oder sein Übersetzer, das englische Original kenne ich nicht, das stimmt nachmittags nicht mehr, das Original finden Sie in den Kommentaren) gemeint haben könnte.

  1. Er durchstreift das Anwesen und fühlt sich dabei wie jemand, der immer wieder von einem Gegenstand zum anderen geworfen wird. Version: Abprall;
  2. Er durchstreift das Anwesen mit dem Dauerblick nach oben, gen Himmel. Version: himmelwärts;
  3. Er durchstreift das Anwesen in ständiger Alarmbereitschaft, den Karabiner im Anschlag. Version: Alarm;
  4. Er durchstreift das Anwesen in kriechender Haltung. Version: Schlange.

Ich mache es kurz und zitiere einfach Dudens Großes Wörterbuch: ri|ko|schet|tie|ren <schwaches Verb; hat> [zu franzšösisch ricochet = Abprall] (MilitŠär veraltet): (von Kugeln) aufschlagen, abprallen.

Mal ehrlich, hätten Sie es gewusst?

3 Kommentare zu "Well(s) done!"

  1. Tach Herr Lohmann,

    nach langem Suchen habe ich eine Quelle fürs Original gefunden:
    https://ebooks.adelaide.edu.au/w/wells/hg/my-first-aeroplane/

    Hier auf „Download“ klicken und aus dem zip-file „chapter1.html“ auswählen.

    (…)I suppose I am in manner of speaking responsible for knocking old Dudney off the station bus, but I don’t see that I can be held answerable for subsequent evolutions of the bus, which ended after a charge among the market stalls in Cheeseman’s shop-window, nor do I see that I am to blame because an idle and ill-disciplined crowd chose to stampede across a stock of carelessly distributed earthenware and overturn a butter stall. I was a mere excuse for all this misbehaviour.
    I didn’t exactly fall into Lupton’s glass, and I didn’t exactly drive over it. I think ricochetting describes my passage across his premises as well an any single word can.
    (…)

    Die Geschichte ist wirklich amüsant. Die Lektüre lohnt sich.

    Grüße
    Klaus H.

  2. Of course, there is.

    Sprechen Sie es aus wie ein Engländer Französisch sprechen würde: (/ˈrɪkəʃeɪ/ RIK-ə-shay).

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