Wie der Biber ins Bett kommt

Diese Woche lasse ich ausklingen mit einem Lob. Einem Lob für mich. Gehört sich zwar nicht, aber diesen einen Satz lasse ich mir erstens auf der Zunge zergehen und nehme ihn zweitens heute Abend mit in meine Biberbettbettgestellschlafanlage – ein Wort, das Sie einerseits nie wieder nutzen und das andererseits auch zu recht.

Der Satz geht so …

Alles, was ich in Ihrem Blog über Substantive und Kopplung gelernt habe, ist hier komplett über den Haufen geworfen worden.

Klaus H. hat ihn mir geschickt, zusammen mit dem Bildchen der Fein-Biber Bettwäsche. Danke für Satz und Bild. Und er analysiert diesen Lapsus der Firma ido perfekt.

Er kommt am Ende zu diesem Ergebnis: Ich denke, es gibt nur zwei korrekte Wege aus dieser Misere

  • Feinbiberbettwäsche
  • Feinbiber-Bettwäsche

Völlig richtig. Ich mache den Laden für heute dicht und gehe Schnee schaufeln, werfe die Sauna an und dann werfe ich mich nicht mehr bibbernd ins Bibrige.

Halt, Sie fragen, was der Biber mit Bettwäsche zu tun hat? Dieser Stoff wird durch Walken – legen Sie die Wanderstöcke weg, Sie, nun wird es chemisch: einen Stoff zum Verfilzen bringen – aufgeraut, damit er so kuschelig wird und warm, dass selbst das Wasser-Unterwasser-Landtier Biber darin ein weihnachtlich-heimeliges Auskommen hätte. So ist das nämlich. Warum dann dieses eh schon Kuschelige auch noch als Fein-Biber bezeichnet wird … keine Ahnung. Ich vermute mal, Biber ist nicht bibriger als Fein-Biber oder Allerfeinstbiber oder Allersuperstfinstbiber.

Ihnen ein bibriges Wochenende!

5 Kommentare zu "Wie der Biber ins Bett kommt"

  1. Hier kann ich glänzen (was weder Biber noch Feinbiber kann). Feinbiber wird mit den gleichen Methoden hergestellt wie Biber, ist jedoch durch die Verwendung feineren Garne leichter, dünner und anschmiegsamer als das häufig etwas starre, dicke Bibergewebe.

  2. Um der materialfachlichen Diskussion nun doch die Krone aufzusetzen: „Stoff“ und „Walk“ haben nix miteinander zu tun. „Walk“ ist zulässigerweise nur im Verein mit „Wolle“ zu gebrauchen.
    Walken ist die Materialverdichtung verstrickter Wolle – nicht Stoff bzw. Baumwolle – mittels Feuchtigkeit und Reibung.

    Das erklärte mir die diplomierte Textil- und Bekleidungsingenieurin an meiner Seite (guckst Du hier: http://mein-eigensinn.de/kleine-warenkunde.html).

    • booaaahhhh, dann irrt der Duden irgendwie, respektive dessen Großes Deutsches Wörterbuch, ich darf zitieren: WALKEN 1. (Textilindustrie) (Gewebe) durch bestimmte Bearbeitung zum Verfilzen bringen. 2. (in der Lederherstellung) HŠäute durch mechanisch knetende u. äŠ. Bearbeitung geschmeidig machen. © DUDEN – Das große Wšörterbuch der deutschen Sprache,|4. Aufl. Mannheim 2012 [CD-ROM]

  3. Jessas, jetzt geht’s ans Eingemachte!

    Ausgangspunkt war Ihre Aussage: „Halt, Sie fragen, was der Biber mit Bettwäsche zu tun hat? Dieser Stoff wird durch Walken -(…)nun wird es chemisch: einen Stoff zum Verfilzen bringen – aufgeraut (…)

    Darin werden fälschlich drei Begriffe miteinander verknüpft: Biber (Baumwoll-Gewebe) +++ Walken +++ Verfilzen.
    (Das „chemisch“ lassen wir vorerst außen vor und behalten es im Hinterkopf.)

    Die Definition, die der Duden liefert (WALKEN 1. (Textilindustrie) (Gewebe) durch bestimmte Bearbeitung zum Verfilzen bringen), ist oberflächlich betrachtet nicht falsch, aber auch nicht eindeutig.
    Hier ist der sehr allgemeine Begriff „Gewebe“ der Störfaktor, denn Verfilzung funktioniert nicht bei allen Geweben, sondern nur bei solchen, die „filzfähige Fasern“ enthalten. Und das ist bei der glatten Oberflächenstruktur von Baumwolle nicht der Fall. Wohl aber bei Wolle, bei der sich durch Hinzugabe von Wasser und insbesondere Seife die Fasern aufrichten und dann durch mechanische Bearbeitung (Reiben, Kneten bzw. Walken) miteinander verschlingen (verknoten, verfilzen).

    Die Beurteilung darüber, ob die Einbringung von Wasser und Seife als „chemischer“ Prozess zu bezeichnen ist, möchte ich nicht vornehmen.

    Zu guter Letzt:
    [Beim Filzen, das zu einem der ältesten Verfahren zur Herstellung textiler Flächengebilde gehört, werden durch Walken von Vliesen, die filzfähige Fasern (insbesondere Wolle und Haare) enthalten, die Fasern aufgrund mechanischer, thermischer und chemischer Einwirkungen miteinander verfilzt. Es entstehen Walkfilze. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Textilie)]

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