Ein Schweizer in Nürnberg

Samstag, Christkindlesmarkt Nürnberg. Und da Sie Tipps fürs leichte Leben von mir gewohnt sind, wenn Sie aus Aurich gen Franken reisen: Gehen Sie nie am Freitag oder am Samstag nach sechs Uhr auf den Markt. Ihr Glühwein geht bei dem Geschubse überall hin – nur nicht in den Bauch. Abgesehen vom Senf auf den Drei im Weckla*.

Gehe also glühweinbekleckert über den Markt und sehe das, was Sie auch sehen. Zücke mein senfverschmiertes iPhone und knipse. Um ehrlich zu sein, auch nach drei Glas des glühenden Weins spüre ich noch, dass hier etwas nicht stimmt – sind ja höchstens eineinhalb Gläsla auf dem Weg zur Leber, der Rest hängt im Schal.

Heisse Marroni

Ich gehe einmal davon aus, dass der Anbieter der gerösteten Edelkastanie Heisse heißt(!) und die Marroni des Herrn Heisse heiß(!) sind, verlange gar nicht, dass er neben das Zipfelmützchen-Duo, die er als Edelkastanie hat pinseln lassen, auch noch einen Binder fliegen lässt – gestalterische Freiheit, ja ja!

Dann stelle ich mir vor, mit was die Falschschreibung von Maroni in andern Berufssparten zu vergleichen wäre. Himmel, hier schreibt kein Versicherungsvertreter über medizinische Erscheinungsformen; hier schreibt Maroni-Händler Heisse über heiße Maroni, also sein Fachgebiet.

Okay, der Luxuswagenhändler schreibt mir: Den neuen Bäntly bekommen Sie in dieser Woche für nur 88.000 Euro. – Der Ingenieur an seinen Vorstand: Ich kündige bei Siemmenz – Der Softwareentwickler an seine Kompagnons: Wir bei Äbble müssen mehr Gas geben! Das wäre vergleichbar. Ja ja!

Gehe (ja, nicht: schwanke) vergnügt nach Hause, sicher, ein Thema für die Montags-deutschmeisterei.de auf dem Senf-Phone zu haben. Ich schaue zur Sicherheit einfach noch mal nach: Netz und Duden und Wörterbuchnetz. Und siehe da, Sackradi!, die Schweizer! Die Schweizer, also: einige Schweizer schreiben tatsächlich die Esskastanie mit einem doppelten R. Ich finde es in dem sogenannten Idiotikon**. Das Bildchen sehen Sie links. Esskastanie, doppeltes R.

Ich kombiniere mit Knattertons Schärfe: Ein Schweizer, ein Schweizer, ein Schweizer, Herr Heisse ist Schweizer.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
* Drei im Weckla
heißt nicht anderes als: drei Nürnberger Rostbratwürstchen in einem Wecken, fränkisch: Weckla, neudeutsch: Brötchen, Schrippe. Kann lecker sein, wenn das Weckla frisch ist und die Wurst kennerhaft gebrutzelt. Kann aber auch vollkommen pappig schmecken. Sollten Sie weitere Fragen zum Christkindlesmarkt haben, schicken Sie bitte eine E-Mail an lohmann / ät / worttaten.de.
** Ein Idiotikon ist nicht etwa das, was Ihnen und mir dazu als Erstes einfällt. Bezugswort: Idiom. Ein Idiotikon ist ein Wörterbuch, das mundartliche, dialektale, ferner auch soziolektale oder fachsprachliche Ausdrücke erläutert, mithin in der Regel ein Mundart- oder Regionalismenwörterbuch. Ist nicht von mir, sondern direkt aus Wikipedia abgeschrieben.

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