Die Bahn in Zeiten von Friederike

Ach, Friederike, du Tief, du, du stürmisches. Bescherst der Bahn Sorgen, den Reisenden Ärger, den Menschen keinen Strom, den Chefs weniger Angestellte, den Nachrichten Futter, den Meteorologen Achtung, der Gummistiefel-Industrie gute Umsätze, manch einem die Sehnsucht nach dem Sommer – und der deutschmeisterei.de ein Tagesmotto.

Das ist wieder mal typisch, denkt Kuno C. Mecker-Becker zurzeit(!) vom Lehnstuhl aus in Lammfellsocken, den Merino-Schal um den Hals, typisch, dass der jetzt auch noch aus Naturgewalten sein Garn strickt.

Tut er. Und er lobt die Bahn. Nein, erst mal, sehr müßig, der Hinweis auf die beiden Ausrufezeichen und den Abstand vom letzten Wort. Das lernen wir noch. Ein Ausrufezeichen macht die Situation nicht weniger dramatisch, ihr Bahnler, hatten wir alles schon.

Aber, alle Achtung! Dieses zurzeit ist eines der Mistwörter des Deutschen. Nehmen wir mal an, die Bahn hätte geschrieben

Zugverkehr aufgrund von Sturmtief Friederike zur Zeit eingestellt !!

gäbe das alles, rein dudnerisch, wenig Sinn. Denn das getrennt und groß geschriebene zur Zeit setzen wir nur ein, wenn wir uns damit einer Epoche nähern. Amerika zur Zeit von Trump – die Literatur zur Zeit des Dichterfürsten – Die Liebe zur Zeit der Cholera (auch wenn das Original anders heißt). Sie verstehen das leicht. Nun, wir nutzen diese Fügung also, wenn dem Nomen Zeit ein Attribut beigestellt wird.

Das kleine zurzeit ist lediglich ein Adverb. Es hat immer den Beigeschmack von jetzt – vorübergehend – in diesen Minuten, Tagen – in der Gegenwart.

Alles klar?

Dann schließe ich die deutschmeisterei jetzt, denke zurzeit(!) nur ans Wochenende und melde mich wieder rechtzeitig(!) zur Zeit(!) des – Achtung, Auftritt des Attributs! – Wochenbeginns.

Ihnen eine friederike-freies, trockenes, warmes …

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