Kinderfest am Roten Meer

Ja, da stehen wir da und sind erst einmal ratlos. Und nein, wir wissen natürlich, dass Herrn Neckermanns Nachfolger nicht das Urenkelchen vom alten Herrenreiter Josef, später: Mr. Wirtschaftswunder 1960, verhökern wollen. Aber ein Nachgeschmack bleibt, nicht wahr?

Also, was bitte ist ein Kinderfestpreis?

Die Reise-Marketender machen mir schmackhaft, dass die Juniorin mit ins Gepäck kann, zu einem Festpreis. Also geht es mit Josefine-Henriette, genannt Josie, nach Hurgada, Ägypten, sagen wir mal. Die Eltern zahlen 999,99 Euro für sieben Tage, jedes Elternteil, versteht sich. Und Josie nur 99 Euro? Pustekuchen! Ab 99.- € steht da. Nutzt mir nix. Was haben wir also? Ein Lockangebot! Herrschaftszeiten.

Noch mal hingeschaut. Wenn das also ein Ab 99.- €-Angebot ist, wo bitte nehmen die dann die Chuzpe her, dieses Angebot als Festpreis zu bezeichnen?

Tippen wir also mal, dass die Macht’s-möglich-Männer etwas anderes meinen. Etwa dies: In Hurgada feiert Josie ein Fest, Josie wird achtdreiviertel während des Planschens im Roten Meer. Und die Neckermänner organisieren vor Ort ein Kinderfest zum Festpreis von 99 €. Wenn Josie auch noch Hamburger oder Smarties will statt Falafel, Reis und Chicken, chicken, Mista! wird’s eben teurer. So wird’s gemeint sein. Happy birthday, Josie!, werden die ägyptischen Claquere rufen. Derlei Ovationen sind im Festpreis drin, wenn nur vier das rufen, auf Englisch, will man es auf Deutsch von – sagen wir mal – zehn Angestellten, kostet es Aufpreis auf den Festpreis. Ja, so ein Kinderfest-Preis kann schnell fünfhundert Euro ausmachen. Wir fahren ja nach Ägypten und nicht an den Neckar, Mann!, mit Neckermann!

So sind’s, die Reiseveranstalter! War schon immer so. Als Eintrag bei Wikipedia hat es sogar eine Geschichte geschafft, deren Wahrheitsgehalt ich bei unter fünfzig Prozent einschätze. Achtung, Firmen-Mythen, Teil 973, heute: 1961.

Neckermann wuchs bis 1961 mit einem Slogan, der da hießt: Besser dran mit Neckermann. Den schoss die Konkurrenz mit Hilfe eines Gerichts ab. Neckermann grübelte ohne Ende über einen neuen Slogan. Und dann dies, ich zitiere nach Wikipedia: Einem Teilnehmer einer Arbeitssitzung, in der wieder einmal seit Stunden vergeblich über eine griffige Formulierung nachgedacht wurde, knurrte der Magen, und auf die mürrische Frage, ob es denn bei Neckermann nicht möglich sei, etwas zu essen zu bekommen, sprang ein junger Mitarbeiter auf, kehrte kurze Zeit später mit einem Tablett mit heißen Würstchen zurück und servierte diese mit den Worten: „Hier! Neckermann macht’s möglich!“. Quelle: ein Buch.

Ich huste mal verhaltensauffällig, verspreche Ihnen für morgen wieder etwas Unterhaltsames und muss Ihnen dann die Ankündigung machen, dass ich für eine kürzere Zeit als Schreiber vollkommen ausfalle. Die Arbeit drückt und mich der Schuh. Aber Sie werden mich Mitte Februar wieder lesen.

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