Wer nicht fragt, bleibt dumm

Da läuft jemand. Eine Frau, sie wird verfolgt. Sie hat keinen blassen Schimmer, wie viel Vorsprung sie herausgeholt hat. Sie ist ratlos. Sie hat was? Ja, sie hat …

Fragen. Genau, sie hat Fragen. Und sie keucht und denkt und rätselt im Laufen. Der Autor schreibt:

Sie fragt sich, wie viel Vorsprung sie wohl herausgerannt hatte?

Fragezeichen? Klar, sie fragt sich ja, steht da: Sie fragte sich …

Grottenfalsch! Ich nenne so etwas einen Hinweis auf einen ungeübten Schreiber. Und bitte gleich um Nachsicht. Das passiert auch geübten Schreibern wie dem Autor dieser Zeilen eines in Lüneburg spielenden Thrillers, der in den kommenden Wochen auf den Markt kommen wird.

Das Fragezeichen, liebe Leser und Schreiber steht nur da, wo Sie wirklich eine Frage formulieren, mit Fragewörtchen wer – wann – was – wie viel – wie weit – warum. Und ähnlichen Wörtchen. Und mit dem für Fragen üblichen Satzbau, in der Regel: Verb vor Subjekt.

  • Wer bist du?
  • Warum kommt der Zug nicht?
  • Wie viel Zeit habe ich herausgerannt?
  • Wo habe ich gestern so viel Gele gelassen?
  • Weshalb droht mir der Kerl mit dem Messer in der Hand?

Wenn der Handelnde nur sinniert, ist das keine Frage, sondern ein Sinnieren, auch wenn das Fragezeichen hier ausdrücken soll, dass er keinen Schimmer hat.

Basteln wir den Satz also noch mal neu. So wird ein Schuh draus – und ein zufriedener Lektor.

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