Die drei Etappen beim Lesen

141211_Glück_WasserWas sehen Sie hier auf den ersten Blick? Es geht um Liebe. Es geht um Glück. Es geht um Natur, um Romantik. Jaja, alles richtig. Frauensachen, eben. Frauen lesen so etwas, Männer weniger. Und warum steht dieses Buch dann hier, bei einem Mann?

Weil der Mann es lektoriert hat. Basta. Und das mit großer Freude. Muss er das schreiben? Nein. Warum dann?

Er schreibt es, weil dieses Buch mit ihm eine eigenartige Reise gemacht hat. Ich beschreibe mal die Etappen dieser Reise.

Etappe 1. Der Leser, der Lektor, kann mit der Hauptperson, einer 32-jährigen verwöhnten Tusse nichts anfangen. Ihren Schmerz über alles, irgendetwas, Gott, die Welt und das Schreiben und das Malen und das Alleinwohnen und die Sehnsucht und überhaupt, kann er nicht ernst nehmen. Er sagt das der Autorin, Johanna Wasser, mehrmals und eindringlich und mit deutlichen Worten. Deren Reaktion: Lies weiter! – ungefähr Seite 50.

Etappe 2. Der Schmerz (mit und an) der Zweiunddreißigjährigen geht weiter. Nun hat sie einen Kerl kennengelernt, der alles ist: kernig wie James Dean in Giganten, gutaussehend wie Weißdergeier und einfühlsamst wie James Blunt. Und dann sagt und tut der Kerl auch noch zu jeder Tages- und Nachtzeit genau das Richtige. Ein Hirnkonstrukt der Autorin! Ich sagte das Johanna Wasser mehrmals und eindringlich und mit deutlichen Worten. Deren Reaktion: Lies weiter! – ungefähr Seite 100.

Etappe 3. Wie von wunderbarer Hand eingefädelt – in Wirklichkeit ist es natürlich das Talent der Johanna Wasser –, nimmt die Geschichte aus meiner männlichen Sicht endlich Fahrt auf. Lesende Frauen – das entnehme ich den Rezensionen auf Amazon – steigen schneller in das Buch ein und bleiben auch dabei. Ich lese Die sechste Farbe des Glücks dann mehr oder weniger atemlos zu Ende. Ich sagte beim ersten Lesen (von ingesamt drei Durchgängen) nichts mehr zu Johanna Wasser. Sie hatte recht mit Lies weiter!– bis Seite 345

Manchmal stockt mir alles, manchmal bin ich gerührt, manchmal verstehe ich das Handeln der Personen – am Ende sind es drei, vier Protagonisten – nur zu gut, manchmal möchte ich in das Manuskript krabbeln und den Leutchen dort sagen: Hey, wird schon! Alles gut! Ist doch nur ein Buch! Jaja, das Buch hat mich mitgenommen, es ist wunderbar geschrieben (auch wenn es gar nicht der von mir favorisierte Stil ist) – und es hat ein wunderbarstes Ende, auch wenn von den Sorgen und Nöten keine wirklich meine ist. Hier kommt der Link.

Sie bemerken es schon. Dies ist eine Empfehlung. Sie sollten das lesen! Sie werden bestens unterhalten und sicherlich auch gerührt. Und Sie werden – ebenso wie ich – angetan sein vor der Kunstfertigkeit der Johanna Wasser, lose Enden zusammenzuführen zu einem grandiosen Finale. A la bonheur!

2 Kommentare zu "Die drei Etappen beim Lesen"

  1. Und nu sagt sie nix mehr – die Johanna Wasser. Gerührt ist sie nämlich. Jetzt.

    Vielen Dank, lieber Michael. Für Deine Geduld, für Deine Schimpfe, für Deine Worte ganz am Anfang unserer Zusammenarbeit und auch für die am Ende.

    Und auch für die jetzt. Vielen Dank! Deine Empfehlung möge viele Leute erreichen. Ich wünsche mir vom Herzen, dass ein paar Menschen diese Geschichte lesen.

    <3

    Johanna

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