Ohrenschmus

Sie haben schon mitbekommen, dass Sie als Übersetzer aus fremden Sprachen nicht nur eine gute Übersetzerin sein müssen, oder natürlich ein guter Übersetzer. Nein, neuerdings müssen Sie auch bestimmte ethnische, gesellschaftsrelevante, diskriminierungsrelevante, diversivitätsrelevante Multis und auch Kultis mitbringen, um etwas übersetzen zu dürfen. Sie glauben das nicht? Dann schauen ω Sie mal hier.

Apropos, ich schreibe demnächst ein Buch. Ich werde es natürlich lektorieren lassen. Ich suche einen weißen alten Mann mit allen Attributen eines weißen alten Mannes (Vollrausch, voll der Völlerer, Vollbart, Vollidiot) für diesen Job, sonst passt das nicht. Ich kann doch nicht zulassen, dass mein Werk irgendwie nicht genau meiner Denkungsart entspricht. Tut mir natürlich leid für meine Freundin Elsa, die eine der besten Lektoren unter Gottes freiem Himmel ist. Aber so geht das nicht

Ein anderer Freund von mir, Erwin aus H, sagt dazu: Der Irrsinn ist grenzenlos. Er hat mich auch auf diese kleine Meldung da oben aufmerksam gemacht, bei der der Irrsinn noch grenzenloser ist. Man möchte darüber wirklich lachen. Und hoffen, dass die Musikbühnen bald wieder öffnen, um gegen diesen Schwachsinn anspielen zu können. Ja, mit Haydn, Mozart und Beethoven.

Und was sagen wir eigentlich zu den Partituren, mit denen Goethe und Schiller gearbeitet haben? Ich empfinde die Strukturen ihres Schreibens als zutiefst rassistisch. Goethe: Gnädiges Frollein, darf ich es wagen … das ist doch Sexismus in hohem Maß. Goethe, weißer alter Sack, du!

Schiller: Durch diese hohle Gasse muss er kommen … wie unfrei, einen nur auf einen Weg festlegen zu wollen! Auf den Scheiterhaufen damit! Damit haben wir in Deutschland gute Erfahrungen. Wir können es den Freunden, den Brexitisten, gerne mal zeigen, wie man so etwas macht.

Beethoven und Mozart waren nämlich klassische weiße Kolonialherren, deren Musik natürlich kolonialistisch ist. In Oxford will man sie nicht mehr spielen, jedenfalls nicht mehr so häufig. Besonders nicht-weiße Studentinnen litten unter dieser Art der Berieselung. Die Kleine Nachtmusik stört, das spüre ich jetzt beim Darübernachdenken, meine innere ausgiebige und schuldvolle Beschäftigung mit meiner weißen miesen Vergangenheit.

Bei Freude schöner Götterfunken schäme ich mich zutiefst, nicht als Transgender in Soveto geboren worden zu sein. Das musste mal gesagt werden. Und bitte schauen Sie doch mal genau hin ob bei diesem – ich wage es kaum zu sagen: wunderbaren, herzzerreißenden –ω spanischen Flashmob zu Freude schöner Götterfunken sich nicht eventuell doch die Falschen freuen könnten. Das wäre ja skandalös.

Und ja, man kann das alles problemlos ersetzen durch die aktuelle Hitparade. Da dudelt es wahrscheinlich divers genug.

4 Kommentare zu "Ohrenschmus"

  1. Peter Friedrich | 13. April 2021 um 12:36 | Antworten

    Nicht aufregen. Bestimmt handelt es sich um Nebenwirkungen von Covid 19, bei den Herren Musikprofessoren. Das vergeht wieder.

  2. Nein, lieber Freund und Kollege, das geht nun wirklich nicht, da braucht es eindeutig den alten weißen Mann fürs Lektorat.

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