Altes, schönes Wort, Folge VII: ausbüxen

Yvonne ist eine Kuh, und das Merkwürdige an dieser Kuh ist, dass sie aus dem Sommerloch plumpste und sogar seriösen Medien wie der Süddeutsche Zeitung viele Zeilen abrang. Hätte ich als Volontär der Badischen Zeitung in Freiburg, dann Wiesenthal meinen Lokalchefs den Vorschlag gemacht, mit einer Büx-Kuh aufzumachen – sie hätten mich zum Milchholen auf den Mercy-Yard (siehe unten) oder ins Krankenzimmer geschickt.

Heute sind sowohl Alm als auch Kuh gesamtgesellschaftlich schlagzeilenfähig, und wir freuen uns zumindest über ein Wort, das der Focus (© Focus, 1. September, Ausriss der Online-Ausgabe) hochhält: ausbüxen.

Der Duden, Seite 230, deklariert das Wort klar als regional, sagt dazu, dass es du büxt aus und nicht etwa: du büxst aus) gebeugt wird und im Sinne von weglaufen steht. Wir ergänzen, ganz yvonnig: entspringen (Es ist ein Kuh entsprungen …), sich befreien, abhauen, fliehen, sich dünnmachen, durchbrennen, entwischen, Reißaus nehmen. Duden online kommt noch zu: auskratzen, die Flatter machen, türmen. Dudens Deutsches Wörterbuch nennt überdies sich davonmachen als Synonym und sagt, dass das Wort aus dem Niederdeutschen kommt und sich dort utbücksen schreibt. Und Wahrigs Pendant zum Duden führt noch ausreißen an. Alle aber nennen es scherzhaft und umgangssprachlich.

Ein Aperçu zu diesem Wort: welt.de (© welt.de von heute) hält sich mit ausbüxen oder ähnlichen Wörtern nicht auf. Die Redaktion adelt das Rindvieh schwerstenglisch als Run-Away-Cow. Zum Weglaufen, oder? Gut, dass das Tier zu einem – Achtung, aufgepasst, welt.de-Redaktion! – Mercy-Yard, zum Gnadenhof gebracht wurde. Dort inspiriert sie die Kollegen nicht mehr …

But back to büxen-Business. Herkunftswörterbücher verzeichnen das Wort nicht, aber der Westfale in mir weiß, dass meine Mutter mir immer eine Buxe, wahlweise: Büxe anzog, eine Hose. Diese Hose, mit Hosenträgern schulterwärts festgemacht und mit einem Ledereinsatz hinten vernäht, eignete sich hervorragend dazu, mich festzuhalten, wenn ich ausbüxen, also: aus der Büxe wollte. Und da wir etymologisch eh im Niederdeutschen siedeln (siehe oben), liegt diese Erklärung näher als der Bezug zu Büchse, zur Handfeuerwaffe: ausbüchsen als aus dem Schussfeld der Büchse rennen.

Das Wort Büchse kommt von bühse als Bezeichnung für eine Dose zur Aufbewahrung von Arzneimittel – den Bezug zur Waffe stellt die zylindrische Form dieser Dose her; der Form des Laufs war ebenfalls zylindrisch, sagt jedenfalls Wahrigs Herkunftswörterbuch.

Wichtiger aber: Die Kuh ist vom Eis, und ein feines Wort ist wieder da! Das war der Sommer

2 Kommentare zu "Altes, schönes Wort, Folge VII: ausbüxen"

  1. – ausbüxen ist wirklich ein schönes Wort und wir verwendeten es oft, wenn unser Airedalerüde wieder mal unerlaubterweise den Gartenzaun übersprungen hatte, um auf Freiers Füßen bei der angebeteten Hundedame liebestoll zu jaulen.

    Den „Ausbüxer“ wieder heim zu holen war immer schwierig und den Zorn von Hundedames Herrchen zu beschwichtigen ebenso. Alle Drohungen (wenn du wieder ausbüxt, dann…) waren von wenig Erfolg gekrönt. Aber wenn es hieß „Paddy ist wieder ausgebüxt“ wussten alle Bescheid- auch wenn der Hund nie eine Hose trug.

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