Duden-Streifzüge, Folge VI: Halsbruch

Wenn mir gerade danach ist – also: in loser Reihenfolge – schlage ich irgendeine Seite aus dem Duden (dem aktuellen, 25. Auflage) auf und suche spannende oder vergessene oder wenig gebrauchte oder einfach nur schöne Wort-Familien. Ich will Wörter lebendigpusten, sie ans Licht halten und ihren Reiz präsentieren. Und Sie, liebe Leser, ermutigen, sie zu verwenden.

Der Hals (Duden, Seite 517) bereitet Deutschen wenig Probleme. Im Wort-Umfeld stehen so schöne Begriffe wie Frans (mit S!), der Maler, die Halsstarrigkeit, halsbrecherisch, alles um Halsabschneider/in (der männliche …, die weibliche … als Adjektiv halsabschneiderisch). Hineingedrängt (weil es oft falsch geschrieben wird) mit der alphabetischen Fahne hat sich das Wort hältst, bei dem der Duden im Kasten darauf hinweist, dass das T gehalten werden muss, weil es zum Wortstamm halten gehört. Nachvollziehbar, auch wenn man es nachlässigerweise öfter nicht spricht.

Ungewöhnlicher schon die Adjektive halsnah und halsfern; sie bezeichnen den Abstand eines Textilteils zwischen Hälsen und Kragen, zwischen luftig und luftabschneiderisch.

Übrigens, Kragen in der Zeile da oben im Plural bitte mit A, nicht mit Ä, das wäre umgangssprachlich oder regional. Warum das so ist, steht das im Duden? Nein, steht nicht im Duden. Steht da nicht. Eigentlich sollte die Dudenredaktion das Wort Kragen verzeichnen zwischen Krage und Kragenbär. Fehlanzeige! Wirklich, prüfen Sie es nach, Duden, Seite 650. Also, steht da schon, aber nachgeordnet in eine Zeile mit Krägelchen und Krägelein, den beiden kleinen Kragen. Merkwürdig. Wahrigs Deutsches Wörterbuch, Seite 886, macht es da klar besser. Der Kragen hat dort einen eigenen Eintrag, mit korrekten Verweis auf den Plural.

Zurück zum Hals. Vorm Halsgericht saß man, mit sicherlich halsnahem Kragen (daher auch: Halskrause), bei schweren Vergehen im Mittelalter; dieses Gericht konnte die Todesstrafe am Galgen verhängen, eine dann doch halsnahe Angelegenheit. Und die Halsberge waren, gleicher Zeitraum wie beim Gericht, ein Teil der Rüstung.

Die Halse schließlich, Seglerdeutsch, kann nur so heißen, weil man um den Hals auf See wendet und dabei Kopf und Kragen (siehe oben) riskiert, wenn man den Hals nicht früh genug wendet oder ihn nicht ins halsferne Textil zieht, sobald der Segelbaum umschlägt. Mast- und Schotbruch!

Und Hals- und Beinbruch! Eine besonders unverständliche Wendung. Die Höflichkeit gebietet es ja nicht, jemandem zu wünschen, er möge sich Wirbel brechen, wenn man eigentlich sein Glück propagiert – nur erklärbar, weil der Verabschiedende in vermeintlich witziger Halse(!) das Gegenteil meint. Ist aber Quatsch.

Auskunft gibt da Wahrigs Herkunftswörterbuch. Das zitiert eine volksetymologische Umdeutung aus dem Jiddischen: hazloche und broche steht für Gelingen und Segen. Also doch was Gutes. Na, dann! Wieder was gelernt …

2 Kommentare zu "Duden-Streifzüge, Folge VI: Halsbruch"

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