Fünf Jahre

Heute vor fünf Jahren ging die deutschmeisterei.de auf Sendung. Fünf Jahre … Was ich an diesem Tag trinke, sehen Sie im Bildchen. Was ich mache? Ich bedanke mich bei Ihnen für die Aufmerksamkeit. Und schreibe weiter. Ihnen ein feinstes Wochenende.image

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Hören Sie ma zu!

image005Hören Sie mal, hören Sie mal, wenn mir das passieren würde (und es kann mir passieren, ohne Zweifel), also, wenn mir das passieren würde … aber hier handelt es sich um Mary Higgins Clark, eine Hochrenommierte, und ihren Roman Stille Nacht, erschienen bei Heyne.

Ich bedanke mich erst einmal beim geschätzten Leser Klaus H, der mir dieses Schipselchen zugesandt hat, mit umgangreichen Erläuterungen. Damit ist alles gesagt, eigentlich. Nicht wahr? So schreibt man das nicht. …mit einemmal schreibt man … mit einem Mal. Mehrere Wörter, das substantivieren wir.

War es das? Mit Cousins, um mal Heinz Erhardt zu zitieren, der damit den Ausdruck Mitnichten! persiflierte. Denn dieser Fauxpas gibt mir Gelegenheit, mal – im Sinne von Klaus H. – das Wörtchen Mal/mal unter die Lupe zu nehmen.

Faustregel, nun hören Sie mal(!) zu: Wenn Sie sich nicht in der Mathematik befinden (neun mal siebenunddreißig, 9 x 37) oder auf Abkürzungssohlen unterwegs sind (Hören Sie mal zu!, mal steht hier für einmal), sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie Mal schreiben nicht mal, abgesehen natürlich vom Mahl, das Sie Ihren Gästen präsentieren.

Wenn es also um das Mal geht, das eine Mal, das fünfte Mal, jedes Mal, ein für alle Mal, ein ums andere Mal, drücken Sie die Hochstelltaste, bevor Sie über dem M kreisen.

Und beim Zeichen am Körper? Er hat ein Mal am Knie. Hören Sie ma, das ist ein Substantiv. Denken Sie mal nach!

Apropos denken und malen: Das Denkmal hat einen Plural. Und der lautet Denkmäler, nicht Denkmale.

Und mit einem Mal ist der Text fertig! Malzeit! Wir packen die Buntstifte aus! Oder?

Nein, Mahlzeit!

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Übers Naserümpfen

160622_UnschlüssigHeute machen wir es mal sehr kompliziert. Sehr, sehr. Es geht um die vermaledeiten Adverbien (richtiger Plural, nicht Adverben, auch wenn der Plural von Verb nun mal Verben lautet). Ich klatsche mal einen Textauszug aus einem Werk hin, das die Freude zu bearbeiten ich hatte und habe. Es geht um die Begegnung zweier Menschen. Klaus hat nach dem ersten Treffen, rein geschäftlich, noch ein Telefonat mit Nora geführt.

Und dann steht er da, der gute Klaus. Oder er sitzt. Und was tut er? Er reibt sich über die Nase. Wer sich über die Nase reibt, zeigt (a) dass der Dermatologe dort nicht gut genug gearbeitet hat oder (b) dass die Brille zu sehr drückt oder (c) dass er nachdenkt– irgendwie ein Topos, kommt als Bild häufiger vor.

Und wie reibt er sich über die Nase? Unschlüssig. Er ist sich nicht sicher, nicht schlüssig, unschlüssig: Wie stellen wir uns den vor: jemanden, der unschlüssig reibt? Sieht das anders aus als bei jemandem, der sich, sagen wir mal, siegessicher, über die Nase reibt? Oder gewaltbereit? Oder zornentbrannt? Ich denke nicht, Reiben ist Reiben. Man sieht darin nicht, wie die Person sich fühlt.

Der Autor will eigentlich dies sagen: Nach dem Telefonat mit Nora war sich Klaus unschlüssig. Er rieb sich über die Nase (als Zeichen einer nachdenkenden, konzentrierten Handbewegung). Und was macht der Autor? Erstens verkürzt er zwei Beobachtungen (Nasereiben,  unschlüssig sein) zu einer. Und zweitens bürdet er diesem armen Adverb unschlüssig etwas auf, das das Adverb gar nicht leisten kann. Ich darf den Duden, den geschätzten, zitieren: … ein Wort, das ein im Satz genanntes Verb, ein Substantiv, ein Adjektiv oder ein anderes Adverb seinem Umstand nach näŠher bestimmt. Das Adverb kann lediglich die Art und Weise näher bestimmen, in der er reibt: schnell, hektisch, fahrig, kraftvoll, sanft, zärtlich.

Hektisch rieb sich Klaus über seine Nase. Das geht.

Aber das Adverb hat nicht das Volumen, noch weitere Konnotationen in sich aufzunehmen, die sich aus dem Kontext ergeben; und schon gar nicht so etwas wie den geistigen Zustand eines Menschen, den der Autor hier unterstellt. Fazit: Der Autor ist ein wenig faul. Das stelle ich hier allgemein fest – der Erfinder von Klaus und Nora ist es überhaupt nicht …

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Wie meint er das denn?

160725_InquitWir lesen heute den Auszug aus einem Roman, der in diesem Jahr erschienen ist. Genre: Krimi. Stand der Dinge: recht erfolgreich. Meine Ansicht: Ich verstehe den Erfolg nicht. Und wie immer gilt: Ich sage nicht mehr, um den Autor oder die Autorin nicht in Misskredit zu bringen.

Also, was haben wir? Man redet über Namen. Und dann fällt der Satz, um den es mir hier geht: „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“, versuchte A. offensichtlich ihr Vertrauen zu gewinnen.

Hallo? Geht’s noch? Schreiben wir für Einzeller? Machen wir Deutschunterricht für Amöben?

Ein Schub: Ich versuche es an einem Beispiel, das meinen aktuellen Gemütszustand widerspiegelt: „Warum muss ich mich jeden Tag mit diesem abgefeimten Affenmist befassen? Ich dreh noch durch!“, brüllte er aus dem Büro auf die Straße und dort den nicht nur vergreisten, sondern auch erstaunten Passanten in seiner ruhigen Wohngegend zu, um ihnen klarzumachen, dass er es leid war, sich mit diesem abgefeimten Affenmist zu beschäftigen. Überzogen, stimmt nicht – aber passt! Einschub Ende.

Zurück zum Text: Da findet also jemand den Namen recht hübsch. Ansichtssache, fein. Und weil die Autorin dem Zitat, das sie dem Herrn oder der Dame in den Mund legt, nicht traut, tut sie, er, der Autor was? Er erklärt den Satz. Gut, der Sprecher will was? Will er Kohlsuppe? Nach Hause gehen? Fußball schauen? Sich die Zehen pulen?

Nein, er will der Dame schmeicheln. Er will ihr Vertrauen gewinnen. Er will sie unterstützen beim Lebensthema, das da lautet: Ich finde meinen Name so blöde. Himmel, hilf! All das steckt schon drin im Satz „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“ Und dann, wie weiter?

Die wäre es damit: „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“, sagte er.  Das reicht. Mehr braucht es nicht. Und wenn das Gesagte in seiner Kraft nicht ausreicht, möge die Autorin in ihrer künstlerischen Freiheit bitte einen anderen Satz basteln, statt irgendwas Erhellendes anzuhängen.

Dieses Phänomen des erklärenden Nachgangs zur wörtlichen Rede ist eines meiner Lieblingsthemen. Geneigte Leser dieser kleinen, feinen Seite wissen das. Man nennt den Abgang, den Nachgang zur wörtlichen Rede Inquit, lateinisch: er sie es sagt. Und wenn Sie mehr darüber wissen wollen, suchen Sie auf dieser Seite mit diesem Stichwort.

Ihnen eine beste Woche – ohne Terror. Passen Sie auch (Danke, Markus!) auf sich auf!

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Liebe Adresssammler …

Screenshot 2016-07-21 19.28.19Schauen Sie doch bitte mal, liebe Leser, was ich gestern in meinem elektronischen Papierk … Briefkasten gefunden habe. Unterhaltsam genug? Soll ich es aufklären? Nein, muss ich nicht, denn ich habe schon öfter solche Art Müll hier präsentiert – indes eher von serbokroatischen Geldwäschern, ukrainischen Zockern oder taiwanesischen Passwort-Knackern.

Diese Mail ist etwas anders. Melde ich mich auf das Geschreibsel – und sei es mit einer Schimpfkanonade –, ist sichergestellt, dass meine Adresse aktiv ist. Damit steigt sie im Wert. Und irgendein osteuropäischer Lude streicht ein paar mehr Cyber-Dollar ein, wenn er sie demnächst abgreift.

Denn eines wird er nicht tun: Er wird für das Geld auf keinen Fall einen Kumpel anheuern, der die Anpreisungen mal ins Deutsche überträgt. Und so lesen Sie doch mal zum Wochenende diesen Quatsch. Ich habe ihn nicht mal zur Hälfte verstanden.

Hallo!! Wie geht es Ihnen? Ich habe Informationen über Sie von Eheagentur.

Das bin ich auf die Bilder.
Ich habe nicht meinen Namen, Im schrieb Elena Ich bin 34 jahre alt. Sie wissen, ich denke, Sie sind interessanter Mann, natürlich weiß ich nicht, die Sie noch nicht, aber ich schätze. Ich möchte für ernsthafte Beziehungen Online trafen Partner.
Nicht alle Menschen ernsthafte Online Deshalb möchte ich sagen Weiter, dass ich hier nicht für diese. Ich nicht zu suchen flirt. Für mich ist Familie ist das Wichtigste. Ich denke, dass Familie und Liebe, ist für das, was wir zum Leben brauchen diese. Ich brauche Partner, die bereit sind, das Leben mit mir zu teilen. Wenn Sie meiner Meinung nach gerne und Sie stimmen, werde ich froh sein, sprechen mit Ihnen. Vielleicht findest du auch in mich interessant und bald kann ich Ihre Nachricht zu sehen, tut mir leid, wenn nicht, und ich nahm Ihre Zeit, aber die Hoffnung nicht.
Ich freue mich auf  Antwort von dir.
Elena.

Ende des Textes. Anfang des Wochenendes, das für Sie bitte ein schönes werde …

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Majonnaise an Heimat, 7,80 Euro

160715_KolpingIch bin schon vor Monaten über dieses Schild gestolpert, also rein optisch natürlich, Fundort: Siedlinghausen im Sauerland. Das Wetter war im März schon so trübe, als wäre es Sommer, wenn Sie mir diesen miesen Scherz erlauben. Und ich kann Ihnen auch nicht sagen, ob diese »GastStätte« zum »KolpingHaus« gehört. Betreibt die KolPing-Bewegung Gaststätten?

Auf jeden Fall haben wir es mit MerkWürdigKeiten zu tun – ja ja, ich gebe zu, ich übertreibe meine Nachäfferei ein wenig. Nachsicht bitte! Es soll also mein Restaurant sein. Dein Restaurant, nein, DEIN RESTAURANT sagt es. Gut.

Und dann folgen zwei Zeichen links des Worts, die auf keinen Fall Anführungszeichen sind, sondern eher gedoppelte Richtungspfeilchen in LöffelchenSchlafhaltung (Tschuldigung!) Rechts noch mal. Und dazwischen das Wort »Heimatstück« als »HeimatStück«, mit dem (Achtung) mit der! (Majuskel ist weiblich, lehrt der Duden) allseits beliebten Binnenmajuskel, über die(!) ich schon oft geschrieben habe. Das Wort heißt einfach so – und ist als Femininum dennoch merkwürdig anzusehen, wo doch das lateinische maiusculus, Adjektiv, meint: etwas größer, doch deutlich maskulin ist. Ich schweife ab.

Geben wir mal das Beste, respektive nehmen wir das Beste an: Das Restaurant sagt mir Dein Restaurant ist ein Stück Heimat. Das ist programmatisch. Ich erwarte beim Sauerländer keinen Pfälzer Saumagen und keine Nürnberger Rostbratwürstchen oder an Leberkas. Sondern Schnitzel (kein Wiener!), Würstchen (nicht aus Frankfurt), aber einen Teller, dessen Belegung – mit was auch immer, Hauptsache Kartoffeln – sich über den Rand und den Daumen der Kellnerin ergießt. Dazu Mayonnaise. Und der Standard-Gang (… 7,80 Euro, dat ist unseren beliebtestes Gericht, dat geht immer …) nennt sich dann »HeimatStück« – so’n richtigen Stück ausse Heimat, woll?

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Ein Schiff wird kommen …

160720_Cruises02Früher beim Kaiser, als der noch keinen Vornamen hatte (Roland) und keinen Nachnamen (Tengelmann), sondern einfach nur der Kaiser war und über Deutschland helikopterte, um auf alles aufzupassen (Zustand der Golfplätze in Salzburg, Bundesregierung, Flughafen-Verkauf in Rheinland-Pfalz, Anglizismen), früher also habe ich mal in dem wahrhaft weltbewegenden Heft Der Deutsche Sprachkompass die Sprache in den Katalogen der TUI-Mein Schiff-Reihe kritisiert. Ich fand, dass Kompass und Schiff bestens zusammenpassten.

Vorgestern haben mir die Jungs von Mein Schiff ihr neuestes Exemplar zugesandt. Danke, Jungs! Ihr habt auch meinen Rat zur Kostenersparnis beherzigt und das Blättchen meinem Spiegel-Abo beigelegt, gut gemacht!

Und ihr habt einiges beherzigt. Ja ja, man muss auch mal loben. Was Sie da lesen, liebe Enthusiasten dieses kleinen, feinen Tagebuchs, zeigt, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Das ist fein getextet, da stimmt alles. Das hat eine gewisse Lockerheit, die in dem Satz gipfelt: … keine klassische Kreuzfahrt! Prima!

Ich gebe zu, ich stutzte erst ob der Schreibung von Premium Alles Inklusive-Konzept, bis ich begriff, dass ihr Premium Alles Inklusive als Eigennamen begreift. Völlig richtig, den Binder erst dann anzuschließen. Ganz fein.

Und dann der Satz Es geht weder darum, mit der Anzahl der Decks die besuchten Städte zu überragen … Ganz großes Kino! Ihr zeigt eure Bescheidenheit in der Wendigkeit der Schiffe und den Respekt, ja, ich würde sogar sagen: die Demut vor der Fremde in einem einzigen Sprachbild. Kommt heute gut, so was! Ehrlich, gut gemacht!

Gut, man könnte über die Großschreibung und die Anführungszeichen bei …gar um „je mehr Restaurant- und Speisenauswahl …“ reden, aber: Tang und Alge drüber!, wie wir Maritimen immer so schön sagen.

160720_Cruises01Dann aber hakte ich doch ein, etwas jedenfalls: Neun Bars habt ihr. Und wie nennt ihr sie? Bar. Gut. Und dann? Außenalster Bar (geht noch), Abtanz(!)Bar, Überschau(!)Bar, Unverzicht(!)Bar, Nasch(!)Bar. Hmmmm, ich grübele. Ist das nicht sehr manieriert? Und spätestens seit der Gründung der Bar jeder Vernunft vor 24 Jahren etwas aus der Mode.

Einerlei.

Übrigens, Jungs, das Ticket mit der Weltreise in der Großen Außensuite … Adresse habt ihr ja. …

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Heute kein Beitrag

Nach den Ereignissen in Würzburg bin ich gebügelt. Ich habe heute keine Lust darauf, mich mit irgendeinem Fund zu befassen. Und dann sagt auch noch ein türkischer Anwalt im Deutschlandfunk, er glaube, dass Herr Erdogan den Militärputsch irgendwie inszeniert habe. Und legt dafür gute Gründe vor, die auszubreiten ich ebenfalls wenig Freude habe. Klingt alles nicht dumm, jedenfalls.

160719_Künast02Keine gute Welt derzeit. Frau Künast fällt nichts Besseres ein, als gleich zu fragen, ob denn die Polizei den jungen Afghanen nicht hätte angriffsunfähig schießen können. Die Dame hat Sorgen. Und drückt ihre übergroße Sorge durch vier Fragezeichen aus. Wären sechs oder sechsundachtzig nicht besser gewesen? Ein Ausdruck noch größerer Sorge der Dame? Kommt indes häufiger vor, diese Satzzeichen-Sammlung vor allen bei Menschen, die … ach, lassen wir das. Zu müde. Habe ich hier oft genug gesagt. Suchen Sie einfach auf dieser Seite, zum Beispiel hier.

160719_Künast01Und sie macht weiter, die Dame Künast. Muss ich mir das antun? Nun das war vor neun Stunden, mithin mitten in der Nacht. da will ich mal nicht so sein. Aber NÖHLEN und HÖHLEN haben miteinander nicht viel gemein, außer(! macht sich besser mit ß) dass man in Höhlen gut nölen kann, völlig H-los.

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Schleier-Fahnung

160715_GegenverkehrEs ist dramatisch. Der Protagonist – in Kreisen derer, die auch Hammer! für einen deutschen Ausdruck der Überfreude halten, kurz Prota genannt – ist erschöpft. Schichtende, er will nach Hause, der Gute. Allein, es regnet. So ein Mist!

Und was macht er? Er raucht. Wie? Kette! Himmelherrgott! Drama! Und nun lesen Sie bitte mal: ... raucht R. – er kann nicht anders – eine Zigarette nach der anderen. Warum steht da … er kann nicht anders …? Hey, wir Raucher sind süchtig. Ja, sind wir. Jeder Raucher kann nicht anders. Und wer eine Zigarette nach der anderen raucht, kann erst recht nicht anders. Könnte man also streichen. Es reichte zu sagen: R. raucht eine Zigarette nach der anderen. Das sagt schon: R. ist hochnervös, er ist angespannt. Er will nach Hause, er hat keinen Bock mehr auf die Autofahrt.

Lesen wir weiter: Aufgeregt schlägt er auf das Lenkrad, als vor ihm ein Schleier auftaucht. Wie stellen wir uns das vor? Er raucht, ist angespannt, es nebelt (dazu gleich mehr) – und unser Hammer-Prota hat nichts Besseres zu tun, als aufs Lenkrad zu schlagen. Rechts die Zigarette, vorn der Nebel, links die freie Hand, oben das Hirn, das auch noch nachdenkt (dazu später mehr).

Und wie steht es mit der Gleichzeitigkeit, die ja die Konjunktion als signalisiert? Aufs Lenkrad schlagen und gleichzeitig taucht der Schleier auf. Wäre während … besser oder nachdem … oder zwei parallele Sätze: aufs Lenkrad schlagen … Schleier auftauchen …? Ich weiß es nicht. Ich klopfe nur mal ein wenig auf den Busch.

Wirklich merkwürdig aber ist, dass das Thema Schleier erst einmal wie eine Bedrohung aufgebaut wird: Nebel? Starker Regen? Eine Muslimin in vollem Ornat? Eine Windhose? Und dann? Nichts ist …

Also, R. wagt keinen Überholversuch, Sicht zu schleierhaft. Oder? Nein, trotz Schleierhaftigkeit ist es nicht allein die Sicht, die R. davon abhält, seinen Ascona 16R zu beschleunigen. Es ist der Gegenverkehr. Und woher kommt der? Himmel, der kommt von vorne. Hätte der Gegenverkehr aber auch mal sagen können, dass der auch bei schlechter Sicht von vorne kommt. In vernünftigen, demokratisch geführten Ländern wie der Türkei kommt der Gegenverkehr ja von hinten. Nur in Ländern wie … ach, lassen wir das!

Lesen wir weiter für alle, die nicht genau wissen, was der Gegenverkehr auslöst. Einen Schleier? Nein, den macht der Zigarettendunst. Oder die Nebelwolke aus Starkregen. Oder die Hand vorm Gesicht beim Verprügeln des Lenkrads. Nein, der Gegenverkehr macht Überholen unmöglich. Und nun kommen Sie! Hammer!, oder?

Nun bin ich schon hochgespannt, rauche eine nach der anderen, ich kann nicht anders, ich Süchtling. Ich erwarte, dass R. etwas zustößt, dass sich aus dem Schleier eine Marien-Erscheinung auftut, mindestens, oder eine Monster oder seine Schwiegereltern – immer ein nettes Topos – oder die niederländische Nationalmannschaft mit dem Europa-Cup in der Hand … oder so was ganz Schlimmes wie Herr Johnson als Außenminister der Briten im Gespräch mit Herrn Trump im Weißen Haus, flankiert von Putin mit Waffe im Anschlag und Erdogan, die Verfassung der Vereinigten Staaten mit grünem(!) Stift korrekturlesend.

Ist alles nichts. R. raucht noch eine und rollt heim. Ich bin enttäuscht. Echt jetzt …

Nachtrag, 20. Juli. Die sehr geschätzte Elsa Rieger, Kollegin aus Wien, macht mich darauf aufmerksam, dass mein Optiker bei ihr angerufen habe. Warum ich meine Brille nicht abhole, fragte er sie. Es ist eine besondere Brille. Sie schafft Durchblick, wo eigentlich ein Schleicher … ähhhh … Schleier vor den Augen wallt. Mann, Mann, Mann! Der Optiker hat recht. Elsa sowieso … Danke! Nach mehr als eintausend Texten, sagte mir dann mein Therapeut, darf so was mal passieren. Aber wie immer gilt: Das Drei-Augen-Prinzip ist besser als jedes andere.

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Neulich im Schloss

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Bin ich also neulich im Schloss Accenta, ja so heißt das, volles Barock, bei Duisburg, Mann! Irre! Ich ging vom Spiegelsaal in den Saal für Ritter, dann zum Aufgang für Gespanne und Pferde, in den Saal der Könige, in den fußballfeldgroßen Kaminsaal, gar ins Schlafgemach. Die Führung beeindruckte alle 745 Teilnehmer. Neben mir hörte ich: Mensch, mal so wohnen! Oder: Diese Aussicht! Oder: Für jeden Handgriff Personal, Wahnsinn! Haste gehört, wie viele Gärtner die haben? Aber auch, männlich pragmatisch: Willste das alles heizen? Hammer, sag ich! Gegenrede der Gattin: Wer sich diese Aussicht leisten kann, kann auch die Heizung zahlen, und so teuer sind Pellets auch nicht, du Geizhals!

So war das, und dann überkam mich ein menschliches Bedürfnis, das ich  dem Chef der Führungsgruppe durch Handzeichen verstohlen kommunizierte. Der wies mich an. Und dann sah ich sie, diese Tür. Da hat aber mal jemand Fantasie bewiesen, dachte ich. Das soll die Toilette sein? Thronsaal? Sehr klug, sehr wortspielend, fein doppeldeutig. Ich war überrascht und angetan. Schloss-Herr, gut gemacht!

Noch mehr erheiterte mich die Tatsache, dass die Erbauer dieses Schlosses (1756 – 1816) die Idee in der Tat durchgezogen hatten. Denn als ich Thronsaal-Tür öffnete, sah ich … tataaaaaaaa! … das:

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Wunderbar! So muss es sein. Die Idee ist da, der Schlossherr zieht es durch. So mag ich das, herrlich wortspielend. Und nun dürfen Sie raten, wie die andere Tür hieß, diejenige, die ich dann für mein Befürfnis öffnete.

So, und nun mal die ganze Geschichte zur Erheiterung am Wochenende: gesehen im Accenta Café Restaurant, Duisburg.

Ihnen ein warmes Wochenende, holen Sie Ihre Kashmir-Pullis raus und die wetterfesten Stiefel. Und legen Sie ein paar ordentliche Scheite in den Kamin. Dazu einen Grog? Schon die Winterreifen drauf? Mein Freund Patricio Gonzales El Niño sagt, dass man das jetzt auch im Juli schon machen sollte …

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