Goldig

161028_glueck

Helfen Sie mir in meiner Ratlosigkeit, bitte, ich habe keinen Schimmer, nicht mal einen allerallerblassesten, was das soll. Es geht um Gold, ihr Adlers, nicht wahr? Der Kunde kann irgendetwas mit seinem Einkaufszettelchen machen und gerät in ein Losverfahren. Und schwups liegt da ein Barren Gold im Briefkasten. Ist ja alles fein.

Aber jetzt mal im Ernst, liebe Adlers. Wart ihr betrunken, als eure ukrainische Agentur euch das präsentierte? Wolltet ihr eigentlich lesen: „Ein Glück, dass Gold so preiswert ist derzeit?“ (Dann empfehle ich einen Autorenkurs; ich gebe im Januar einen in München, da geht es auch um das oder dass.)

Oder: „Ein Glück, das Gold ist noch im Tresor. (Dann empfehle ich einen Autorenkurs; ich gebe im Januar einen in München, es geht da auch um Kommata.)

Oder wolltet ihr einfach nur maximale Verwirrung erzielen und so Aufmerksamkeit erheischen. Und auch auf Blogs zitiert werden, die sich nicht um Mode kümmern? Glückwunsch, das gelang aufs Goldigste!

Oder trugen die beiden präsentierenden Damen der Agentur (Lola und Natascha Goldewskaja, 20, Zwillinge aus der Ukraine) die reizenden Stiefelchen vom Bild, als sie das Plakat enthüllten. Und der Rest war auch egal …? Ich meine den Rest der Präsentation.

Oder wolltet ihr eure Stammkundschaft, laut Wikipedia „Weiblein und Männlein ab 45, unteres Mittelpreissegment“, mit Schlagwörtern locken, wobei ihr gemeinerweise davon ausgeht, dass diese Fraktion (Kennzeichen: beige Windjacken, Polyester-Pullover mit Naturmotiven) eh nichts begreift. Schon der Begriff Gold reicht, um deren Herz bis ins Portemonnaie bumpern zu lassen. Den Rest lesen die eh nicht. Nicht wahr, so hat euch die Agentur das verkauft?

Goldig oder? Und da wir gerade bei Gold sind. Ihnen einfach nur ein herbstlich-herziges Wochenende das Gold! oder wie wir nach dem zehnten Glas Pichelsteiner Herbstgold 2015, Aldi, der Liter im Tetrapak nur 1,99 sagen: Herbst das Gold!

Übrigens, Sie schlauer Leser, Sie. Sollten Sie zur Klärung des Casus die Netzseite angesteuert haben, die bringt auch nichts. Also nichts Erhellendes. Wie auch?

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In eigener Sache, eins. Ich bin derzeit mit Aufträgen überhäuft. Es kann passieren, dass Sie meinen täglichen Eintrag in diesem Tagebuch nicht wie gewohnt vor dem Mittag lesen, sondern am Nachmittag. Oder auch mal gar nicht. Weil ich nicht dazu komme.

In eigener Sache, zwei. Digital begabte Menschen werden deutschmeisterei.de, nach fünfeinhalb Jahren Bloggens zum ersten Mal, ein wenig auf 2016 bringen. Es kann sein, dass die Seite nicht erreichbar ist, es kann sein, dass sie anders aussieht. Nicht erschrecken, ich bin es -;)

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Ich päds jetzt

161027_padsUns Sprachwahrern, uns konservativen alten Säcken, wirft man oft vor, mit unserer Kritik an Anglizismen übers Ziel zu schießen. Nur der BWLler, der gemeine, nutze doch … und überhaupt sei die Welt ja zusammengewachsen, Internet und so … wir sollten uns mal nicht so haben.

Ich hab mich jetzt mal. Wir haben einen Alltagsgegenstand. Kaffee in Tütchen. Und wir haben es in Englisch. Mein erster Gedanke war, dass die Firma Philips für alle Länder dieser Erde nur eine Packung bedrucken lässt – Kostengründe.

Aber Pustekuchen. Da unten steht charaktervoll & reichhaltig. Also gibt es länderspezifische Packungen, damit der coffee customer auch weiß, was da ins Tässchen kullert.  &(!) ich sage kein Wort über das erstklassige Kaufmanns-Und am falschen Platz, nein, nein, ich schweige.

Warum also, Philips? Warum steht da nicht einfach stark. Starker Kaffee hat in Deutschland einen starken Nachhall.

Ich brauch jetzt nen starken Kaffee, nicht son Blümchen-Dings.

Versteht jeder, klare Sprache, klare Kante, wie es Herr Müntefering, der Erfinder der Heuschrecken im Wirtschaftsleben, sagen würde.

Und warum steht da coffee pads? Herrschaftszeiten!

Kaffeebeutelchen? Kaffee-Tütchen? Weil es so kurz das, das Wort pads?

Ich übertreibe, sagen Sie. Na, gut, dann beginne ich etwas Wunderbares(!), drehe das Ding mal um und trinke meinen Tee, um den Ärger wegzuspülen. Den gibt es nicht in Petz(!), sondern aus der Kanne, echte Blätter … ähhhh … real leaves from China.

Any questions?

161027_senseo_______________In eigener Sache. Ich bin derzeit mit Aufträgen überhäuft. Es kann passieren, dass Sie meinen täglichen Eintrag in diesem Tagebuch nicht wie gewohnt vor dem Mittag lesen, sondern am Nachmittag. Oder auch mal gar nicht. Weil ich nicht dazu komme.

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Arg verschätzt

161025_geschaetzt

Und wie immer in solchen Fällen: kein Name, kein Titel, wäre blöd für den Autor – und in diesem Fall habe ich von der Urheberschaft wirklich keine Ahnung mehr. An Lesetagen fliege ich mit dem Kindle mehr oder weniger wahllos durch die Angebote. Eines aber weiß ich: Ich lese nie Werke zur Probe, die nicht irgendwie in den vorderen Reihen bei Amazon stehen oder auf die andere Art und Weise empfohlen wurden.

Auf geht’s!

Eine Dame sucht jemanden, sie hat wenig Anhaltspunkte. Wo  sucht der Mensch heute? In den Plauder- und Poser-Netzwerken. Dass bei Face(!)book endlich jemand wie Faust aufs Auge passt … herrlich. Wenn auch wohl eher aus Versehen geschiefbildelt, denke ich. Aber dann.

Der Gesuchte ist knapp fünfzig oder jünger. Und wie sagt man es? Wie sagt man es, dass man jemanden auf Ende vierzig schätzt, geschätzter Autor, geschätzte Leser?

Der geschätzte Endvierziger. 

Ich schaue auch mal verklemmt in die Kamera, nehme die Krawatte aber ab … also nicht wirklich.

Was sie, die Suchende, meint, ist: Sie schätzt des Herrn Alter. Was da steht, ist: Sie schätzt den Herrn, er ist ein geschätzter Herr. Ich schätze seine Art und Weise, verklemmt zu schauen und sich die Krawatte zu halten, seine schlaffe Haut auch. Ein Auszug aus Der Krawattenmörder? Nein, ein Ergebnis mangelnden Sprachgefühls …

 

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Neues aus 56273 Niedermachen

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Auf der Welt-Deutsch-Konferenz am Wochenende in 56273 Niedermachen hat der Arbeitskreis „Deutsch-Sprach-Korrektur2017ff“ tief greifende Veränderungen festgelegt. Nieder mit die Regeln!, hieß das Motto der Kenntnisreichen unter Führung des Polen Leg A. Stenjy. Und wissen Sie was?

Nein?

Eines der Haupterkenntnisse dieser illustren Runde hat ein Laden bereits umgesetzt. Ich bin zu schnell, ich weiß, ich bin aufgeregt, so sehr freut mich diese Neuerung.

Also, Regel, neu, Nummer eins: Nomen, die auf einem Doppel-Vokal enden, bilden vom 1. November 2016 an den Plural immer noch mit S, aber auch mit einem Apostroph. Sie wollen Beispiele?

Gerne. Ob sie nun Klo oder Kloo schreiben, ist einerlei, wir wissen, was gemeint ist. Bilden Sie aber den Plural von Kloo, so heißt der nun Kloo’s. Und wenn Sie, um der Verwirrung zu entgehen, den fränkischen Kloß meinen, schreiben Sie den im Plural mit einem Apostroph vor dem Esszett, sonst kann man ja nicht unterscheiden zwischen Kloo’s und Klößen, also Klo’ß. Alles klar?

Noch ein Beispiel? Die Armee. Plural: Armee’s. Und natürlich – und hier komme ich zum oben angedeuteten Laden, der die Niedermachen-Erkenntnis schon umgesetzt hat – Tee’s. Genau so! Vorbildlich!

Zu meinem Bedauern haben Konservative eine weitere Regel abgelehnt; sie unterlagen mit 49,9 Prozent bei der Abstimmung. Diese Regel hätte die Pluralbildung noch weiter vereinfacht, ich darf Antrag 443_e56/16 der Niedermacher Hochgeistigkeit zitieren …

Jedes Nomen mit einem Doppelkonsonanten oder einem Doppelvokal bilde von nun an den Plural mit S plus Apostroph.

Kam nicht durch, leider. Dann hieße es nämlich die Latte’s macchiato’s, die Espresso’s, die Salamisemmel’s. Was für eine Freude!

Aber, Jungs, wir halten durch, wir warten auf die nächste Konferenz, 2017 in 76471 Schwachmatingen. Und hoffen, dass Café Bauer, Rosenheim, vertreten in allen Rewe-Märkten der Stadt, dann wieder die Bewirtung übernimmt.

 

_______________In eigener Sache. Ich bin derzeit mit Aufträgen überhäuft. Es kann passieren, dass Sie meinen täglichen Eintrag in diesem Tagebuch nicht wie gewohnt vor dem Mittag lesen, sondern – wie heute – erst am Nachmittag. Oder auch mal gar nicht. Weil ich nicht dazu komme.

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Herrenlos, der Herren Los

161020_raeumung

Ja ja, Sie lesen richtig, die kleine, feine Herren-Buticke in Wuppertal … nein, in Wernigerode, Harz, macht bald nur auf Dame. Und was schreibt frau, wenn sie auf den Totalausverkauf der Herrenbekleidung aufmerksam machen will?

Herren Räumung

Sapperlot! Aber erst einmal wollen wir sie loben. Feine Handschrift, ja, wirklich Hand-Schrift, sie malt das H noch, wie ich es in der Schule gelernt habe, mit vielen Kringeln. Dann steht da nicht so was wie men’s total sale, auch einer lobenden Erwähnung wert. Und dann …

Im Ernst, ich habe mich gefragt, wie frau auf der Fläche einer Einkaufstüte sonst hätte formulieren können.

  • Alles muss raus – Herren
  • Räumung: Herren
  • Alle Herren müssen raus
  • Herren-Totalausverkauf
  • Bald keine Herren mehr
  • Wo gehn all die Männer hin
  • Wir machen uns männerfrei
  • Bald: No Man’s Land (sehr literarisch, Harold Pinter)
  • Bald: No Country for Old Men (sehr literarisch, Cormac MacCarthy)

Sie sehen schon, das ist nicht so ganz einfach. Denn  Herren Räumung ist natürlich ein Hingucker. Der noch bessere wäre gekoppelt: Herren-Räumung. Und weil die Dame Buticke eben das nicht schreibt, nehme ich stark an, dass sie sich viele Gedanken gemacht – und das kleinere Übel kalligrafiert hat. Aber Leser Klaus H., der Kontributor beider Bildchen heute – ich danke ihm in dieser Woche zum zweiten Mal – hätte auch das kleinere Übel gefunden.

Vom kleinen zum großen Übel – und überaus passend zur Herren-Räumung. Lassen Sie es einfach mal wirken. Ein feines Beispiel aus der Serie Wie gendere ich korrekt, wie mache ich bitte überhaupt keinen Fehler beim Geschlechtlichen (Fettung beabsichtigt). Drucker, wenn sie ihren Beruf lieben auch die Wahrer eines schönen Satz- und Schriftbilds, betrinken sich bei so etwas bis zum Verlust der Muttersprache …

161020_gendern

Ihnen dennoch ein schönes Wochenende …

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Kohle her!

161020_millionaerDieselben Freunde, die mich fragen, welche Fehler denn die häufigsten seien im Deutschen (siehe gestern), wollen natürlich auch wissen, was ich denn mit meiner doch sehr einfach strukturierten und wenig anspruchsvollen – Schreibtischsitzen, Lesen, Rummalen in Manuskripten, Rechnungen verschicken, Konten beobachten – Lektoren-Tätigkeit verdiene. Ich rede nicht gern darüber, weil … na ja … der Panamera in der Gold-Edition ist zwar drin, aber eben nur der.

Also, wenn ich mir leidlich Mühe gebe, mache ich am Tag so um die 12.500 Euro. Wenn ich mich anstrenge, auch mal um die zwölf acht, zwölf neun, und wenn ich richtig Gas gebe, also von halb elf bis halb drei durchackere, auch mal dreizehn. Kommt aber selten vor.

Sie sehen schon, das reicht hinten und vorn nicht, Lektoren sind die Parias des Schreibgewerks. Umso erstaunter war ich dann über das Bildchen, das mir der geneigte Leser Klaus H. hat zukommen lassen (Ihnen, Herr H., meinen Dank dafür). Wenn ich 12.500 Euro am Tag verdiene, bin ich in einer Woche Millionär, sagt das Bildchen.

Taschenrechner her! Fünf Tage mal 12.500 Euro … stimmt … eine Million. Uppss, dann bin ich einer. Und nach einem Jahr, in sagen wir mal dreißig Arbeitswochen, wir wollen es ja nicht übertreiben … vierzig(!)facher Millionär, oder so. Wie sage ich das meinem Finanzamt?

Klaus H. schreibt dazu weise Sätze, ich darf sie zitieren …

Wenn DAS kein Durchbruch in der Mathematik ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Ich befürchte allerdings, dass wir hier einem Betrüger aufgesessen sind und Adam Riese in seinem Grab zum Kreiselkompass wird. Noch schlimmer: Das deutsche Bildungssystem hat offensichtlich – wie schon lange befürchtet – komplett versagt.

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Man!, Mann!

161102_mannTypische Frage an einem Abend unter Gleichaltrigen, der Geselligkeit halber, und nachdem die Welt-Fragen – Wird Veilchenrost die Farbe des Herbstes 2017?, Ist der Urlaub auf Malle sicherer als auf Male?, Spinnt Putin mehr als Erdogan?, Geht der Dollar runter, wenn Trump die Wahl gewinnt?, Was machen die Kinder? – abgehandelt sind: Du machst doch was mit Sprache und Büchern oder so … was sind denn die häufigsten Fehler?

Ehrliche Antwort? Immer noch das versus dass, Unsicherheiten beim Komma, Unsicherheiten bei zusammengesetzten Verben (kein Problem schlage ich häufiger nach als eben dieses), die Schreibweisen und die Unterscheidung von Kaffee, Café, coffee, caffè, die Schreibung englischer Nomen bei der Übernahme ins Deutsche (to do list versus To-do-Liste). Und andere. Eine Liste, die ich weder für repräsentativ noch für vollständig halte, finden Sie hier. Und nachdem ich den vorherigen Satz noch einmal gelesen habe, natürlich die Unterscheidung von großem Sie zu kleinem sie, von ihr zu Ihre, Ihrem.

Und nicht zu vergessen, bitte, den Fehler, den Sie im Bildchen sehen. Häufig, sehr häufig, aber in keiner der Listen gelistet: Der Ausruf Mann! in Idiot, Mann! – Mann, bist du blöde! – Sei froh, dass du sie hast, Mann!

Ist aber auch verlockend, nicht wahr? Ans man in Texten gewöhnt man(!) sich. Dass dieses man eben für ein Mann! steht, ist oft nicht leicht zu begreifen. Der Duden in all seiner Korrektheit definiert dieses Phänomen so …

<ohne Plural> (salopp) als burschikose Anrede, ohne persöšnlichen Bezug in Ausrufen des Staunens, Erschreckens, der Bewunderung.

Salopp ist übrigens ein Wort, das ich schon lange nicht mehr gehört habe. Herrliches Wort. Kommt aus dem Französischen, wo salope für dreckig, schmutzig, schmierig steht, in Bezug auf Personen. Und wer hat da bitte ein zweites P angeflanscht? Ganz einfach, der erste Sprecher, der dieses geklaute Wort als Adjektiv nutzen wollte und das schrieb: Der hat aber eine salop(!)e Art … Man(!) stutzte, spricht sich wie Doppel-P, also flanschen wir eines an, oder, Herr Duden?

Ja, hat der gesagt. In meinem Duden aus dem Jahr 1920 steht dies, und nein, verehrte mit dem Smartphone Geborene, ich transkribiere das nicht für euch, seht mir meine Salopperie(!) bitte nach und fragt Mama oder Oma!

161019_salopp

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Chef, ich habe sie alle weggeknipst …

161018_shootingHey, das ist nicht Texas, das ist Euro-Land, erkennbar an dem Euro-Zeichen, und ich vertrete mit Verve die These, dass dieses Bildchen, gefunden ohne Quellenangabe auf Facebook, in Deutschland geknipst wurde. Der geschätzte Austriake hätten um 99 Euro geschrieben, der Schweizer vielleicht auch für, aber er hätte seinen Franken eingesetzt. Ich lege mich fest: Kein Land, so die Feststellung des Vereins Deutsche Sprache, ist derart hörig bei der Adaption des Englischen im Alltag.

Sie wundern sich, Sie kommen nicht mit? Dann hole ich ein wenig aus. Der Fotoladen will Familien (korrekt: family) anbieten, sich in freier Wildbahn (korrekt: outdoor) fotografieren zu lassen, korrekt: Wir machen da ein Shooting, das kennen wir aus den Sendern, die 16-jährige Bulimikerinnen auf Heidi Klum herunternivellieren wollen.

Indes sagt my british speak feeling, mein Sprachgefühl – sollte ich schiefliegen, bitte, Englischlehrer, haut mich; ich entschuldige mich umgehend! –, dass hier steht: Wir erschießen Ihre Familie gern im Gelände. Kostet nur 99 Tacken.

Heißa, da steht das Verb knipsen endlich mal in seiner ganzen Doppeldeutigkeit. Ich knips dich kurz, bleib mal stehen; ich zück mein Mobiles. Und: Isch habe der famiglia eine Angebot gemacht, das sie nicht könne ablehne. Pedro, knips sie weg! Io wolle nicht mehr sehen die Corleones.

Ganz schön peinlich. Sicher waren schon einige da …

Boah, ihr shootet die ganze Family outdoor? Für ’nen Hunni? Is ja irre … Ist das auch totsicher, das Offer? Wir kommen morgen. Müssen wir was mitbringen?

Nen paar Dollars und eure Testamente. Alles andere erledigen(!) wir …

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Heute auf dem Hundekackplatz

161014_picobelloHeißa, was für eine Freude! Da läuft man ahnungslos durch Bregenz, Österreich, und was finde ich? Eine Erinnerung an meine Kindheit. Meine Mutter nutzte das Wort. Mein Vater auch. Ich habe es aus meinem Wortschatz gestrichen, aus welchen Gründen auch immer, aus meinem aktiven jedenfalls. Ich würde nie sagen: Also, das Hotelzimmer war picobello. Käme mir nicht auf die Zunge, respektive fände den Weg nicht von Eindruck über Hirn auf Zunge.

Ich habe das Bildchen geknipst, damals in Bregenz, im Sommer, weil ich die Verbindung von picobello zum Hund, zum Bello so reizvoll fand. Gut getextet, fand ich. Finde ich immer noch.

Passt zu dem, was einen Autorin, die ich derzeit bearbeite, oft beschäftigt: Ihre Hauptdame Elli Werner hat einen Hund in Pflege, einen Irischen Wolfshund, um genau zu sein, sechzig Kilogramm Rüde(!), der in diesem Buch auch noch, Achtung, es wird unterhaltsam, Prinzessin(!) heißt. Die Autorin lässt ihre Protagonistin Plätze suchen, an denen ihr Hausgast … na ja, Sie wissen schon. Sie nennt das Hundekackplatz. Und sie entsorgt die Hinterlassenschaft des Tiers in Gelben Säcken, wegen des Umfangs der Tretminen.

Besonders unterhaltsam wurde das Bildchen aber erst, als ich die Etymologie erfasste: Das pico kommt aus dem Niederdeutschen, wo pük alles anrührte, was heute als piek, unter anderem: piekfein, genutzt wird. Es besteht eine Beziehung zu püken, pflücken, also etwas Erlesenes, Ausgesuchtes. Die Kabine des Käpt’n ist die Achterpiek, der feinste Raum an Bord. Feines Adjektiv, ja ja.

Und das bello? Sie ahnen es. Italienisch schön.

Was haben wir also? Eine herrliche Doppelung zweier beinahe gleichbedeutender Wörter zu einem neuen. So was wie klammheimlich, aus clam, lateinisch für heimlich, und eben heimlich. Der Duden nennt so etwas eine tautologische Wortbildung.

Es gibt Landstriche, in denen man dieses Wörtchen auch als Nomen genutzt wird, ohne dass jemand stutzt:

Das ist so’nen Picobello.

Und noch etwas ist wunderbar an diesem Wort: Als Adjektiv wird es nicht gebeugt. Wo wart ihr denn gestern?

Ey, wir waren in einem echt picobello Restaurant …

Oder würden Sie sagen: Wir waren in einem picobellonen Restaurant …? Damit steht es auf der Stufe der recht seltenen sogenannten Indeklinablen, wie super und klasse.

Und bevor ich Ihnen nun ein wunderbares Wochenende wünsche, mache ich mir eine Notiz. Hirn an Hirn: Das Wörtchen picobello in die Kiste Aktiv packen.

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Kropfiges, johlend, behandelnd, jauchzend, kläffend

161013_bergsmaUrlaub aus. Erholt. Dachte, ich könnte die Arbeit gegen Bares wieder aufnehmen und erst am Wochenende ins brotlose Bloggen einsteigen. Dann ereilte mich gestern die Nachricht eines Freundes. Er schreibt: Deutschmeister, mein Mittag ist nicht komplett, da mir dein täglicher Eintrag fehlt. Danke Tom, in Fachkreisen nennen wir so etwas eine auffordernde Fußbewegung in den Allerwertesten, auf Deutsch: Arschtritt.

Na, dann wollen wir mal.

Sie lesen einen Ausschnitt aus einem Buch (elf gelesen in fernen Gefilden und fünfzehn Tagen), das wahrscheinlich in die Top 100 bei Amazon geht. Leichtes Entsetzen? Ja. Und wie immer keine Namen, Hinweise gibt es in dem Text auch nicht.

Was macht die Frau da? Sie schaut auf ihren Onkel, legt den oder das Laptop weg, erhebt sich und geht ans Fenster.

War es das? Nein, der Blick ist prüfend, natürlich. Blick kommen nie ohne Prüfung aus. Nie! Wenn ich mal nicht mehr blogge, mache ich eine Ausstellung mit Szenen, in denen prüfende Blicke vorkommen. Gewiss!

Dann erwähnen wir im Nebensatz, dass es – Drama! Drama! – dem Onkel nicht gut geht. (Nur mal so nebenbei, das weiß der Leser seit zwei Seiten). Also führen wir als Zeugen wen ein? Einen Arzt. Einen besseren Zeugen für Medizinisches gibt es nicht. Und der ist nicht nur Arzt, der ist auch der behandelnde. Na, wer sonst? Sollte ein Augenarzt aus Flensburg die orthopädische Diagnose für einen Patienten aus Konstanz stellen? Klar ist das der Behandelnde!

Gut. Steht sie also am Fenster. Schaut raus. Macht man mit Fenstern so. Es sei denn, es ist stockfinster im Wald und sieht – schwarz. Hier will sich der Anblick nicht so recht zur trüben Stimmung gesellen. Welcher Anblick? Na, der, der sich ihr bot … Dieses Relativsätzchen, so überflüssig wie ein Kropf, kommt in meine Sammlung Relativsätze, so überflüssig wie ein Kropf. Diese Sammlung liegt im Ober-Ordner Wie mache ich Sätze schwer statt leicht?

Sie sieht Kinder rennen. Wenn Kinder rennen, rennen sie immer johlend. Und wie rennen sie noch? Jauchzend. Stellen Sie sich vor, sie wären Regisseur, Szene: Kinder laufen am Fluss entlang. Sie sagen denen: Lauft mal johlend am Fluss entlang! Die Kindern laufen und johlen. Prima, sagen Sie als Regisseur.  Und nun noch mal, aber jauchzend, bitte! Dann laufen die Kinder wie? Vollkommen anders, nämlich jauchzend und nicht johlend, nicht wahr?

Sagt man doch so, jauchzen und johlen. Ja, sagt man so. Aber muss man es dann auch so schreiben?

Und da wir gerade bei Johl und Jauchz sind. Wie macht der Hund das, wie würde man beim Hund sagen, wenn es jauchzt und johlt? Kläffend. Stimmt. Steht da. Der Hund springt kläffend. Nur kleine Hunde kläffen. Große bellen. Woher wissen wir, dass es ein kleiner Hund ist? Ach ja, steht auch da. Kleiner Hund. Hätte man bei kläffen auch weglassen können. Ein Hund begleitete sie und sprang kläffend um …

Einen guten Mittag dir, Tom!

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