Lehrer Lämpel in den Schuldienst, bitte!

Bei der gedanklichen Planung dieses Beitrags zu herrlichsten Sonnenwetter und Frühstück, kam mir in den Sinn, ihn zu beginnen mit einer Anrede: Liebe Abc-Schützen …, wollte ich starten, liebe Abc-Schützen, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein. Dann fiel mir ein, dass ich Sie, liebe Leser, auf jeden Fall über die Etymologie von Abc-Schütze würde aufklären  müssen. Beginnen wir also damit.

Abc als Bezeichnung für das Alphabet (so geschrieben, und nur so, nix Alfabet) ist seit dem Mittelalter üblich, sie stammt … na, raten Sie mal! … aus dem Lateinischen natürlich, wo abecedarius als Adjektiv für zum Alphabet gehörig stand. Hätten wir das geklärt. Und seit dem 16. Jahrhundert bezeichnet man als Schützen einen Neuling, einen Anfänger, einen Rekruten. Der Soldat des niedrigsten Grades kommt dann auch, derb vereinfachend, als Schütze Arsch vor.

Wer dann das Abc und den Schützen zusammenbrachte? Ich weiß es. Der legendäre Lehrer Lämpel. Ich darf Herrn Busch, gestorben 1908, zitieren, die Legende:

Also lautet ein Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß.
Nicht allein das Abc (mit Verlaub, da haben wir es, ML)
Bringt den Menschen in die Höh,
Nicht allein im Schreiben, Lesen
Übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
Soll der Mensch sich Mühe machen;
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören.
Daß dies mit Verstand geschah (Achtung, jetzt kommt er, ML)
War Herr Lehrer Lämpel da. (Und nun meine freie Ergänzung, Entschuldigung, Wilhelm …)
Gab den oftmals faulen Schützen (siehe oben, ML)
per Abc was auf die Mützen. (So reimt es sich gut.)

160824_HâfftUnd nun zum Beitrag für heute.

Liebe Abc-Schützen … (siehe nochmals oben) … liebe Abc-Schützen, ihr müsst jetzt sehr tapfer sein! Ihr geht mit Mama an der Hand in den Globus-Markt, ihr wollt Pokémons sehen, Mama will Schulbedarf, bald geht’s ja los. Und dann seht ihr dieses Werbetäfelchen und ihr prägt euch gleich mal zwei Wörter ein. Das Wort Vokabel, das sagt euch der alte Papa hier, ist richtig, dürft ihr euch so merken.

Und dann fragt mal Mama, ob auch Häfft richtig geschrieben ist. Wenn sie so etwas sagt wie Sischer dat … was du immer hast … steht doch da … die können das … willse noch’n Pokémon? solltet ihr ernsthaft über einen Wechsel des Elternhauses nachdenken.

Wenn sie gar nicht gechillt reagiert, sondern sofort die Geschäftsführung sprechen will wegen Unterwanderung der Gesellschaft mit hirnblödem Getue und bildungsgefährdender Tafelei, gebt ihr Ritalin. Aber sagt ihr auch, dass sie im Prinzip recht hat.

Und dann klaut euch – ja, ich fordere hier offen zum Rechtsbruch auf – dicke Eddings und macht aus jedem Häfft ein Wort mit nur vier Buchstaben. Den ersten und die beiden letzten lasst ihr einfach; aus dem zweiten macht ihr ein E – und den mittleren, den streicht ihr mit rotem Edding durch. Es sollte danach ungefähr so aussehen: Hefft oder auch Heft.

Und dann geht ihr sehr gelassen zum Geschäftsführer dieses Globus-Marktes und tauscht den Macher dieses Plakats gegen die geklauten Eddings. Diese Frau, die das geschrieben hat (oder der Mann, wollen wir doch mal gut gendern), wird eure neue Mitschülerin.

Erste Klasse, fragt ihr.

Ja, erste Klasse. Bei Herrn Lämpel.

Oder Baumschule, fragt ihr.

Noch nicht, sage ich. Auch Knallfrösche haben eine zweite Chance verdient. Aber Lehrer Lämpel ist eine Figur aus dem vorletzten Jahrhundert. Da wurde noch mit dem Rohrstock gelehrt.

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Tropfenweise

160824_FassNicht immer, wenn sich dieses kleine, feine Tagebuch um Fußball dreht, drehen sich die Nicht-Fußballer (Nichtfußballer) ab. Heute zum Beispiel, denn der Fußball, verehrte Damen, ist nur der Aufhänger. Herr Starke, Trainer der SpVgg (steht für Spielvereinigung) Bayreuth musste also gehen, wie der Nordbayerische Kurier schreibt.

Na, und?, brüllen Sie mir entgegen. Warten Sie es ab!, rufe ich besänftigend zurück. Lesen Sie doch erst einmal: Das 1:3 der Bayreuther gegen den FC Bayern München II war vielleicht der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Wir stehen also vor einem Bild, vor diesem: Ein Fass läuft voll. Immer voller. Wir sehen Oberflächenspannung – und dann tritt er auf, er, Henry Tropf, der Tropfen, der ins Fass springt und es überlaufen lässt.

Schauen wir uns Herrn Henry Tropf mal genauer an. Ist er der letzte Tropfen? Der letzte aus welcher Schar von Tropfen?

Nein, er ist eher der erste Tropfen … auch falsch, denn es bedarf in diesem Bild genau eines Tropfens, der das Fass schwappen lässt. Henry Tropf, Sie ahnen es, ist eben der Tropfen, der es schafft, nicht wahr? Der eine Tropfen, der einzige, der entscheidende.

Und wir lernen daraus: Es hätte hier vollkommen genügt, Tropfen zu sagen, ohne letzte: Das 1:3 der Bayreuther gegen den FC Bayern München II war vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Und um ehrlich zu sein, es hätte nicht nur vollkommen genügt, es wäre sogar die einzig richtige Verfahrensweise.

Ähnlich geht es übrigens beim oft zitierten Rest: der letzte Rest aus der Schüssel. Hey, ist Rest nicht immer der letzte Teil?

Ich verspreche Ihnen: morgen kein Fußball. Morgen geht es um Schule und welche Dinge zu Schuljahresbeginn wichtig sind. Freuen Sie sich drauf. Das gibt Ihnen den letzten(!) Rest, das Bildchen morgen …

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Hallo, Einhorn, erleuchte mich!

160810_Startupnight1Hallo, hallo? Kommt da noch jemand mit? Oder missen Sie out wie ich? Ein freundlicher Leser, der mir dieses Schildchen zugesandt hat, steht ebenso ratlos wie ich vor dem Kuddelmuddel. Um was geht es? Ähhhhh … augenscheinlich um eine Nacht für Unternehmen, die sich frisch gegründet haben, Slang oder BWLler-Deutsch: für Startups.

Als einzige Entschuldigung für diesen Informations-Irrsinn lasse ich gelten, dass die Netzseite für diese Nacht, von der Telekom unterstützt, ebenso chaotisch ausschaut (schauen Sie hier) – nehmen wir mal zugunsten der Startupper an, dass das Chaos gewollt ist.

Und dennoch möchte ich denen in die Parade fahren: Auf zu internationale Gewässer. Erstens fehlt da wohl ein N und zweitens schlage ich doch eine andere Präposition vor – Auf in internationale Gewässer, dann aber ohne N.

Und was ist mit dem Reichen des Wassers? Aus internationalen Gewässern? Und warum steht Wasser in überdies noch typografisch falschen Anführungszeichen? Hat das Reichen des Wassers damit zu tun, dass die Informationen aussehen, als seien sie auf Bierdeckel geschrieben – Sie verstehen schon, Wasser in Anführungszeichen, die meinen Bier. Holla, wie pubertär!

Was ist mit dem Einhorn? In Gewässern? Bisher kenne ich Einhörner nur aus Büchern esoterisch angehauchter Damen.

Und ich werde hier nicht outmissen, bevor ich denen nicht gesagt habe, dass es für Startup laut Duden eine, genau eine Schreibweise gibt. Und die geht mit Binder zu Start-up. Herrschaftszeiten!

Oder bin ich zu alt und zu wenig start-uppig, um das goutieren zu können als hohe Kunst einer neuen Kommunikation, Sie verstehen schon, Bierdeckel und so ….

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Neues aus der Babbel-Liga

160822_WeiglBitte keine Häme! Keine Häme, bitte! Auch wenn manchen Freund des Hamburger SV es freut, dass die wenig geliebten Bremer am Wochenende in Lotte mit 2:1 unterlagen und damit aus dem Pokal flogen … auch dann keine Häme, denn der HSV, liebe Fans, gehört auch zu den Mannschaften, die sich gern in der ersten Runde des DFB-Pokals verabschieden, wenn sie gegen Drittklassige antreten. Der HSV spielt, liebe Fußballkenntnislose, heute Abend in Zwickau im selben Wetttbewerb.

Aber Sie wissen, verehrte Leser dieses kleinen, feinen Tagebuchs, dass es mir nicht um Fußball geht. Ich lese also im Kicker, den zu erwähnen ich vor ein paar Tagen die Freude hatte, dass der Dortmunder Spieler Julian Weigl dem Sportblatt eine Audienz gegeben hat. Hossa!

Und was sagt der junge Herr? Ich darf zitieren: Vorgenommen hat er sich, „torgefährlicher zu werden, mehr Pässe zum Tor, mehr Pässe zu Vorlagen“ zu spielen. 

Nun ist Herr Weigl Mittelfeldspieler. Pässe zu geben, torgefährlicher zu werden, gehört quasi zu seinen Aufgaben. Himmelherrgott! Als Volontäre lernten wir dies: Hund beißt Herrn, das sei keine Meldung, weil alltäglich. Herr beißt Hund dagegen schon. Verstanden?

Eine Meldung wäre es gewesen, wenn Herr Weigl gesagt hätte: Ich, torgefährlicher werden? Wo kommen wir denn da hin? Ich sorge dafür, dass mein Leiberl schön gelb bleibt und die fein gezogenen Linien auf dem Platz nach 90 Minuten noch so aussehen wie beim Anpfiff.

Was haben wir? Wir haben eine Nullmeldung. Eine Nullstmeldung. Der Straßenbahnfahrer Thomas D. aus N. in Obfr. stand gestern morgen auf und sagte in die aufgeregt auf ihn gerichteten Mikrofone der Weltpresse: Ich muss noch besser fahren, noch mehr auf die Fahrgäste und den Verkehr achten. 

Ehrlich, Weigls Aussage ist nur mit einem solchen Satz zu vergleichen. Natürlich muss ein Straßenbahnfahrer aufpassen. Natürlich muss der junge Herr Tore schießen oder Vorlagen geben. Sonst hat er Probleme mit den beiden Herren im Bild unter ihm. Sie sehen links den Chef des Vereins, quasi seinen Arbeitgeber, Herrn Watzke. Und rechts seinen Trainer, Herrn Tuchel. Der eine zahlt ihn, der andere stellt ihn auf.

Watzke sagt dem Kicker: Wir sind keine Krabbelgruppe. Aha, eher eine Babbelgruppe, oder?

Und wissen Sie, was der Kicker noch zur epochalen Aussage des Herrn Weigl schreibt? Na, lesen Sie dies: Darauf – also auf seine geplante Torgefährlicherkeit – hat Weigl erst im Trainingslager von Bad Ragaz ausdrücklich hingewiesen. Nun bin ich platt. Er hat es nicht nur gesagt, er hat sogar ausdrücklich darauf hingewiesen.

Also, bis zu diesem Moment, bis zum Moment, als Weigl und Watzke sich so äußerten, war ich sicher, dass die Dortmunder gegen die Bayern in dieser Saison keine Chance gehabt hätten. Nun aber … na ja, Meister wird eh der HSV … werden die Dortmunder sich vor den Bayern einreihen in der Tabelle. Mit so viel Engagement und diesem ungewöhnlichen Ehrgeiz …

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Buchstabenschaben … Buchstabenschieben … Buchstabenschaden

160819_BuchstabenfalschEinfach mal lesen zum Wochenende, es ist herrlich, also das Schnipselchen, nicht das Wochenende. Wir verändern einen Buchstaben in einem Wort – und schwups haben wir ein neues lustiges Wort. Der Autor der österreichischen Kronenzeitung dekliniert das einmal durch, Wortgruppe: Olympia. Ich mag solche Spielchen.

Ich danke Elsa R., meiner Kollegin aus Wien, die mir diesen Ausschnitt geschickt hat. Ihnen ein feines Knochenende mit wenig Segen!

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Komm da mal weg, Apostroph, streich das!

160818_KommIch komme ja gern mit ins Boot und darf behaupten, mal eine Ausbildung zum Ruderer auf dem Tegernsee gemacht zu haben. Der Ehrlichkeit halber sei hinzugefügt, dass ich die Zeiten, die ich im Einer verbringen sollte, auf ein Minimum verkürzte; den größten Teil des Einer-Trainings verbrachte ich im Wasser.

Dann sagte der Trainer: Komm‘ da raus, wirst ja nass! Also, er sprach das, und so konnte ich nicht sehen, ob er an das Komm wirklich eine Auslassungszeichen klemmte. Hätte ich es sehen können, hätte ich ihn aus seinem Einer gezogen (in dem er zu Neid und Bedauern meinerseits aufrecht und souverän saß) und ihm gesagt: Hör‘ mal, an eine Befehlsform kommt nie und nimmer ein Auslassungszeichen!

Warum, würde er gefragt haben. Ich würde schnaufend, triefend nass und mit erloschener Zigarette zwischen den Lippen antworten: Der Imperativ, für Ruderer auch: Befehlsform, wird in der Regel gebildet aus der zweiten Person Singular im Präsens. Meist streichen wir das -st ab.

Aha, würde er sagen, wieso? 

Ein Beispiel: Machen – du machst (2. Person Singular Präsens) – mach! Oder auch: Mach hinne, hol (holen – du holst – hol!) mich hier raus! Die Zigarette ist aus.

Ne, würde er gesagt haben, ess jetzt erst mal einen Power-Riegel, dann sehe zu, wie du danach frisch gestärkt wieder ins Boot kommst. Komm‘ mit ins Boot! Er zitiert die Kollegen aus Nürnberg.

Ich wäre auf 195, dann. Essen – du isst – iss! Und sehen – du siehst – sieh! So ist es richtig! Und das Schimpfwort Döspaddel!, das ich dann gern anhängen würde, wäre nicht nur regional (Bayern) falsch, sondern auch rudertechnisch. Paddeln wir?

Etwas fragwürdig erscheint mir das, was ich im Duden gefunden habe – und zwar hier: Da wird in der Tat die erste Person Singular Präsens als Ausgangspunkt angeführt. Himmel, helf! Der Duden erklärt diesen e/i-Wechsel bei Verben wie verderben, essen, helfen, vergessen, sterben quasi zur Ausnahme. (Grüner Duden, Imperativ, Absatz 1.2). Ich komme mit dem direkten Weg über die zweite Person besser klar.

Auf jeden Fall aber, da sind sich Dudens und ich einig, steht beim Imperativ kein Apostroph. Punkt!

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Wer inquitelt denn da schwärmerisch?

160815_INquitAm Wochenende hat die Spielvereinigung Greuther Fürth gegen den Bundesliga-Absteiger Hannover 96 3:1 in Hannover verloren. Das ist, aus fränkischer Sicht, bedauerlich. Fraglos. Auch wenn die Nürnberger und die Fürther sich in etwa so spinnefeind sind wie der Verein aus Gelsenkirchen und der Verein aus Dortmund. In diesem Fall kommt erschwerend hinzu, dass das Zentralorgan der kickenden Bevölkerung aus Nürnberg kommt: der Kicker. Und die Online-Ausgabe eben dieser Zeitschrift hat sich vor dem Spiel mit dem Trainer der Fürther unterhalten.

Herr Ruthenbeck sagt darin über den Kader der Hannoveraner, der sei das Nonplusultra(!, richtig geschrieben, schön zusammen wie eine dichteste Viererkette, die Herren vom Kicker, bitte). Und dann sagt er: Wer da alles im Kader ist … Und er meint das ungefähr so, übersetzt ins auch Nicht-Fußballern Verständliche: Himmelsackundzwirn, wenn ich mir allein die Namen der Kerle anschaue, die für Hannover spielen, können wir uns die teure Busreise aus Franken gen Niedersachsen auch sparen. So ungefähr jedenfalls.

Und was macht der Kicker-Mann dann? Er zitiert Ruthenbeck wohl vollkommen korrekt, führt aber einen Schwanz ans Zitat, Inquit genannt. Und da ich vom Verein  zur Abwehr mieser Inquits e.V. zum Obersten Sprachwächter gewählt wurde, küre ich dieses Inquit zum bisher miesesten des Jahres. Der Autor inquitschwänzelt dies: … wollte Ruthenbeck es vermeiden zu schwärmen.

Noch mal: … wollte Ruthenbeck es vermeiden zu schwärmen. Erstens schwärmt Ruthenbeck, Herr Autor, oder wie verstehen Sie Nonplusultra sonst? Und zweitens verunsichern Sie mich mit diesem Inquit so dermaßen, dass ich weder Ruthenbeck verstehe noch sonst etwas in diesem Text.

Gegenbeispiel: Sie als Leser schreiben mir, dass dies der beste Text in mehr als fünf Jahren deutschmeisterei.de sei. Ich bedankte mich dann bei Ihnen mit einer Jahresfreikarte für Greuther Fürth und stellte Ihr Lob auf meine Facebook-Seite, und zwar so: Was der Lohmann da wieder geschrieben hat, allererste Sahne, das Beste bisher, Weltniveau …  Bisher ein Zitat, Ihr Zitat. Ich würde dann inquiteln: … wollte der Leser es vermeiden zu schwärmen.

Upsssss, oder?

Ihnen ein paar feine Tage; ich bin unterwegs, zwar nicht außerhalb von WLANs, oder zeitlich so durchgetaktet, dass ich nicht zum Schreiben kommen werde.

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Wollen wir mal nicht auf das Wetter einteufeln …

160812_EinteufelnIch habe neulich auf Facebook einen Test gemacht, der ermitteln sollte, wie groß mein Wortschatz ist. Nein, ich glaube solchen Tests nicht, nein, nein. Ich kam auf 27.000 Wörter, völlig wuppe –  dass der Kollege K. auf 28.500 Wörter kam, ärgert mich dennoch. Ich werde mir Mühe geben, an die Zahl von 5,4 Millionen Wörtern im Deutschen (neulich gelesen) zu kommen.

Lustig war, dass die Tester mir dann sagten, nur 0,18 Prozent der Deutschen hätten einen vergleichbaren Wortschatz (glaube ich auch nicht, allerdings, der Kollege K. …), und dann sagten sie noch, ich sei so gut, dass ich Wörter erfinden könnte. Darum geht es mir heute.

Also gut, ich erfinde heute in der Königsdisziplin Verben das Wort schnupsnäseln, was so viel bedeutet wie „unter Schnupfen nur noch durch die Nase sprechen können“. Bring mir mal die Tabletten, schnupsnäselte sie. Und wenn sie dann noch eine süße Stupsnase haben sollte, darf es auch gern stupsschnupsnäseln heißen, …. stupsschnupsnäselte sie.

Geht doch, oder?

Im Ernst, das war nur die leichte Einleitung zum Wetter (novembrig-schnupfrig) und zu einem, der wirklich mit Sprache umgehen kann: Frank Goosen. Leser Klaus H. hat mich auf diese Stelle aus Goosens Förster, mein Förster aufmerksam gemacht. Danke.

Lesen Sie bitte diesen mehr als 70 Wörter langen Satz, der am Ende der vierten Zeile mit Es sei denn … beginnt. Er endet mit … in so ein albernes Ärzte-Bashing zu verfallen, was ja mindestens so peinlich war wie das rituelle Einteufeln auf Lehrer oder die Bahn oder das Wetter. Holla, die Waldfee, sage ich da mal als Sohn eines Hobby-Försters.

Erstens stimmt der Satz, zweitens kann man ihn auch mit 70 Wörtern so stehen lassen – und drittens, dieses Einteufeln … ein wunderbares Wort. Goosen nimmt hier eben nicht das Duden-Wort verteufeln, sondern fügt der Bedeutung von verteufeln noch eine Komponente bei, das Einprügeln.

Googele ich das Wort also, komme zum Wörterbuchnetz und damit zu … Tusch! Tusch! … Johann Wolfgang von Goethe: Einteufeln, heißt es da, in der Bedeutung: „dem Teufel ähnlich geworden“ – [Mephisto zu Faust:] Du bist doch sonst so ziemlich eingeteufelt, | Nichts Abgeschmackters find’ ich auf der Welt, | Als einen Teufel der verzweifelt …

Gut, das Wort haben wir also schon, wenn auch verschüttet, wenn auch in einer völlig anderen Bedeutung, also dem Teufel ähnlich geworden, lies: sich dem Teuflischen in allem annähern. Ella zu Norbert: Ich finde dich in letzter Zeit so richtig eingeteufelt. Norbert zu Ella: Und ich dich heftig eingedrachelt. Die beiden lieben sich ….

Goosen schafft also kein neues Wort, sondern gibt einem verschütteten Wort eine neue Bedeutung. Das Wort versteht jeder mit einem Wortschatz von sagen wir mal siebentausend Wörtern sofort. In meinen Augen großes Kino, Goosen-Kino, Goosen-Goethe-Kino.

Und das erwarte ich auch von Ihrem Wochenende: großes Kino, bitte!

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Was willst du? Alles! Ich geb dir mehr …

160810_Alles und mehrAls Lektor, Achtung, Werbung: worttaten.destreiche ich mit Bedacht in solche Wendungen herum: Als sie ihn mit der Taucherbrille im Badezimmer sah, war sie mehr als überrascht. Wobei ich hier nicht auf das Bild eingehen will, dazu unten mehr, sondern auf die Formel mehr als. Was bedeutet dieses mehr als? Sie war überrascht. Und dann, mehr als überrascht? Wie ist man mehr als überrascht? Ich sage Ihnen eines: Dem Mehr-als-Autor fehlen einfach die Worte, besser: Wörter. Er nutzt eine gängige Sprachformel – Sinn: ich bin sehr überrascht – und denkt nicht nach. Niemand kann mehr als überrascht – erheitert – zufrieden – müde – ausgelaugt – irritiert – panikgeschockt sein, als es eben das Adjektiv schon sagt. 

Ausweg: eine genauere Formulierung. Als sie ihn mit der Taucherbrille im Bad sah, war sie deutlich überraschter als damals, 1967 beim Doors-Konzert in Antwerpen, als sie ihn in kompletter Tauchermontur dabei erwischte, wie er ein Autogramm von Jim Morrison ergattert wollte. Für Menschen, denen  der Storch schon ein Handy neben die Wiege gelegt hat: der legendäre Sänger der Doors. Also merken wir uns für heute den ersten Lernsatz: Formulierungen mit mehr als immer genauer anschauen!

Wobei wir beim Anschauen dieses Bildchens sind, das mir ein geneigter Leser hat zukommen lassen, womit ich auch erkläre, dass ich nur dieses Bildchen habe, keinen Ort, keine Firma, kein nix. Dennoch meinen Dank an den Kontributor.

Wir sehen einen unbekannten Taucher, der wahrscheinlich mit einem Farbeimer und dem Handbuch für flüssige Formulierungen aus dem Sanitärbereich (Bad(!) Soden, 11. Auflage 2016, Autor: Ludwig Klempner(!)) den Sinnsprich beseitigen will. Bäderwelt – Alles und mehr fürs Bad. Herrschaftszeiten, zum heiligen Abflussrohr, geliebte Schütteldusche, bitte! Bäderwelt. Alles fürs Bad. Ja, das geht. Ein Versprechen, wobei wir uns schon fragen, ob die Bäderwelt auch etwas mit Autoreifen oder Kaminholz, beispielsweise, zu tun haben könnte. Aber in Ordnung.

Haben wir also in der Bäderwelt alles fürs Bad. Alles ist viel. Sehr viel. Alles ist alles. Mehr geht eigentlich nicht. Liebling, es ist alles gesagt. Wer jemals in einer anstrengenden Diskussion diesen Satz hört, sollte gehen. Danach kommt nichts mehr.

Hier kommt noch was. Hier kommt nicht nur alles, hier kommt mehr als alles. Sehen Sie, wieder mehr als. Horrender Blödsinn! Da hat jemand nicht nachgedacht. Und der arme Taucher, das ist der mit dem Jim-Morisson-Autogramm von 1967, muss nun wieder wischen.

Dennoch muss einem hier Rio Reiser einfallen, sein König von Deutschland, 1986: Reiser singt: Das alles, und noch viel mehr, würd‘ ich machen, wenn ich König von Deutschland wär. Na, hören Sie mal, erstens ist Rio Reiser kein Taucher, sondern einfach nur abgetaucht. Und zweitens bitte ich Sie, genau zu lesen. Er würde all das machen (was er vorher aufgezählt hat, dies zum Beispiel: Ich würd‘ die Krone täglich wechseln, würde zweimal baden, würd‘ die Lottozahlen eine Woche vorher sagen. Bei der Bundeswehr gäb‘ es nur noch Hitparaden, ich würd‘ jeden Tag im Jahr Geburtstag haben. Im Fernsehen gäb‘ es nur noch ein Programm: Robert Lembke vierundzwanzig Stunden lang. Ich hätte zweihundert Schlösser und wär‘ nie mehr pleite. Ich wär‘ Rio der Erste, Sissi die Zweite …), und dann würde er mehr als das tun. Da passt es. Rio hat ja auch nachgedacht vor Schreiben.

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So ein Quattsch

160802_QuattZunächst einmal, liebe Österreicher, ich mag euch. Ich bin gern bei euch. Ihr seid freundlich, ihr habt jene Gegenden, in die ich gern reise, mit gut ausgebildetem Personal bestückt, ich fühle mich heimisch und habe nie das Gefühl, ein Piefke zu sein, nachdem ich über die Grenzen gerollt bin.

Sie zögern bei Piefke? Darf ich Sie an die Wikipedias, die geschätzten Artikelsammler verweisen, nämlich hierher?

Gut, haben wir das geklärt, liebe Austriaker, liebe Urlauber, liebe Hans-Krankl-Fans und Cordoba-Nostalgiker. War ich doch neulich in Bregenz, Österreich, bodenseenah. Und was fiel mir, dem größten lebenden Fan des Konzepts Hüpfburg, sofort ins Auge? Dass wir nicht in Voralberg sind (Bregenz ist dessen Bezirkshauptstadt, wobei man sich schon fragt, wie eine Stadt mit 30.000 Einwohnern Hauptstadt sein kann), sondern im Burgenland (Hauptstadt: Eisenstadt, 15.000 Einwohner), im Hüpf-Burgenland, genauer gesagt. Nettes Wortspiel, in der Tat.

Und was macht man im Hüpfburgenland bei den Kinderspasstagen? Man fährt Quatt. Ahhh, Audi hat das Marketingkonzept für den Quattro erweitert nach Österreich, für die Kinder. Und da kennt man den Quattro, den Allradler von Audi, eben Quatt, das fehlende RO müssen sich die Kinder noch erführerscheineln. Dachte ich …

Dachte ich in der freundlichen Variante, dem Gastland, siehe oben, angepasst. Und was meinen sie wirklich, die Hüpfburgen-Ländler?

Na, servus, das Quad. Dieses Allrad-Dings auf vier Rädern. Nun nehme ich mal zugunsten der Veranstalter an, dass sie das Dings absichtlich falsch schreiben, um nicht den Gendarmen in die Hände zu fahren. Denn in Österreich gilt, danke Wikipedia, dies: … können Quads mit bis zu 50 cm³ Hubraum als Moped mit rotem Kennzeichen ab 15 Jahren und mit Mopedausweis (Zusatz mehrspuriges Fahrzeug) gefahren werden, für alle größeren muss man in Österreich einen Motorrad-A-Schein (max. 400 kg Höchstgewicht) oder Pkw-Führerschein besitzen. 

Und wie alt sind die Kinder auf dem Bildchen? Und nach wie viel PS und Hubraum sieht das Quad auf dem Bildchen aus?

Da denken der Hüpfburgenländer: Nennen wir es doch Quatt, schnallen wir dem Gerät 150 PS unter – und ab geht die Post, direkt auf die Wasserrutsche oder ins Planschbecken!

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