Dann mal ins Un-WLANige

160921_urlaub

Was Sie sehen, ist ein letzter Blick aufs deutsche Wetter, Abregen-Ort: Nürnberg. Dann dachte ich, das müsse ich nicht haben, packte Hab, aber auch Gut und Badehöschen und entschwand ins Sonnigere, für ein paar Tage.

Was ich nicht packte: WLAN und Laptop. Und buschtrommeln kann ich nicht.

Postkarten schreibe ich auch nicht. Ich schreibe gar nichts. Ich werde nur lesen.

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Sind die noch ganz dicht?

screenshot-2016-09-20-09-18-10Ich heiße Michael. Wäre ich ein Mädchen geworden bei meiner Geburt, hätte meine Eltern, Gott habe sie selig!, mich wahrscheinlich Michaela genannt. Sei’s drum! Aus einer geplanten Alexandra kann man noch schwupps einen Alexander machen, aus Theodor Theodora, aus Wilhelmine Wilhelm. Er, direkt nach dem Schlüpfen, des Säuglings erstmals angesichtig: „Liebling, Friederike ist ein Friedrich!“ Sie, außer Atem, über ihre neue Kleidergröße sinnierend: „Nix da, wir nennen ihn Aiden, ich war immer schon für Geschlechtsneutrales … aber du …“

Die Firma Pampers hat eine Liste mit geschlechtsneutralen Namen veröffentlicht. Nicht dass ich die Seite dieser Firma regelmäßig besuche, aufmerksam gemacht hat mich der Verein Deutsche Sprache e.V. auf diese Liste. Danke dafür!

Und dann schauen wir doch mal genauer hin. Wir finden, als Vorschläge der Pamperisten, ausschließlich englische Namen, sieht man mal von Alex, Chris und Kai (m/w) ab, klicken Sie hier. Himmel hilf! Oder wie wir aufgeklärte Menschen sagen: Heaven, help! Und den konservativen Alten wie mir fällt dazu eine Wortspiel ein, ei’hammermäßiges …

Sind die noch ganz dicht?

Lane Lehmann (boy) sits neben Morgan Müller (girl) in der class, we write das Jahr 2022. Name des Lehrers: Reese Richter. Unterrichtsfach: Gender Forschung für Beginners, 4 bis 9 years old. Durchfällt nur, wer bei Pokémon go! immer gegen Schrank oder Laternenpfahl knallt.

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Übers Ziel geledert

160919_mehralsGut, nun ja. Also. Oho! So so, oh là là! Das war die Wahl in Berlin, von der die geschätzte Welt, also die Zeitung, sagt, das Ergebnis sei das denkbar schlechteste. Interessante Meinung des neuen Chefredakteurs der Zeitung. Wenn Sie die (und eben nicht: diese, übersteigerter Ausdruck, Sie erinnern sich) nachlesen wollen, finden Sie den Knupf eine Zeile weiter oben – und eine interessante Pluralbildung des Worts Bourgeois.

Eine interessante Haltung hat auch Klaus Lederer von den Linken, der gleich mal abledert …

Wir haben unser Wahlziel mehr als erreicht.

Toll gemacht, Klaus L., wirklich toll. Die Linke hatte ein Wahlziel, sagen wir mal fünfzehn Prozent. Hätte sie 15 Prozent erreicht, hätte er gesagt: Wir haben unser Wahlziel erreicht. Glückwunsch! Nun hat die Linke 0,6 Prozent mehr als 15 Prozent. Und was sagt Herr Lederer? Mehr als erreicht.

Erreichter? Erreichterst? Supraerreicht. Wie kann man etwas mehr als erreichen?

Was er sagen will, ist dies: Wir haben uns fünfzehn Prozent als Ziel gesteckt. Wir haben mehr als(!) fünfzehn Prozent. Das finden wir super. Darauf einen Rotkäppchen-Sekt. Oder so was.

Mehr als erreicht hört sich aber so an, als sei das Ergebnis der Linken die Überraschung dieser Wahl schlechthin. Als hätte seine Partei 55 Prozent geholt … nein, das war mal, zu Willy Brandts Zeiten. Und eine andere Partei …

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Das schlaucht!

160916_feuerwear

Fundstelle Facebook.

Liebreiz Auf die Idee, eine Firma Feuerwear zu nennen, die sich mit Dingen aus Feuerwehrschlauch befasst, wäre ich selbst gern gekommen. Näheres unter diesem Knupf.

Frage01 Sind die Frauen auch aus Feuerwehrschlauch? So steht es da jedenfalls.

Frage02 Wer kommt auf die irre Idee, dass Frauen … Taschen aus Feuerwehrschlauch nicht vegan sein könnten?

Frage03 eines alten, kenntnisfreien Herrn Sind Körperverzierungen auf jeden Fall vegan? Wurde da kein Biberfett oder Rinderknorpel reingemixt, um die Klarheit der Farben zu garantieren?

Wunsch Schönes Wochenende all meinen Lesern!

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So schmeckt la tradition …

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Im Bett noch, bevor ich die Äuglein aufschlug, den frischen Tag mit einem Lachen willkommen zu heißen, in der Anschwemmphase dieses Donnerstags also, war ich … noch kurz im Pazifik. Wie das Kerlchen gestern. Sie erinnern sich, Surfer mit hängender Hose, Depri, aber Boddy tu dey for (wie Denise S. schreibt, diesen Brief aus Wolfratshausen habe ich nicht veröffentlicht, Jugendschutz!). Was ich mit diesem verschwurbelten Anfang sagen will? Ich will Sie hinweisen auf einen sehr unterhaltsamen Kommentar zu meinen Anmerkungen gestern, lesen Sie doch mal hier.

Also, noch mal … Im Bett noch, bevor ich die Äuglein aufschlug, den frischen Tag mit einem Lachen willkommen zu heißen, in der Anschwemmphase dieses Donnerstags … drehte ich mich noch einmal herum und wusste nicht, zu welchem Thema ich heute bloggen sollte. Beim Duschen: keine Lösung. Beim Frühstück: keine Lösung. Mein Kopf sackte auf die Innenfläche der linken Hand, voll depri (wie Surferboy) – und dann las ich zwischen den Fingerchen hindurch das, was der deutsche Ableger der Firma Fromagerie de Réparsac auf die Verpackung seines Chavroux geschrieben hat …

Chavroux ist eine Frischkäsespezialität in bester französischer Tradition, wie Sie sie noch nicht gekostet haben.

Oh, lˆà, làˆ (genau so will der Duden diesen charmanten Einwurf, die Interjektion), wenn man einmal davon ausgeht, dass das zweite sie (das kleingeschriebene) des Nebensatzes sich auf ein Femininum des Hauptsatzes beziehen sollte, fällt unsere Suche natürlich auf jenes Femininum als Bezugswort, das dem sie am nächsten steht – die Tradition, die französische. Oder wie wir Frankophilen sagen: la tradition française, schön mit Cedille unter dem C.

Und das kann ja wohl nicht ganz stimmen. Gemeint ist doch wohl die Frischkäsespezialität, das andere Femininum im Hauptsatz.

Und was lernen wir aus diesem kurzen Text? So schmeckt Tradition, wie Frischkäse, Speisesalz, Kräuter, das alles wärmebehandelt – und mit einer Spur Kuhmilch und 45 Prozent Fett in der Trockenmasse.

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Depri am Beach

160914_malibuNein, es geht nicht um die Bibel, wenngleich die Wortfolge Prolog – Adam auch auf eine moderne Interpretation des Weltbuchs hindeuten kann. Es geht um knackige Kerlchen, die surfen und natürlich die Damenwelt verzücken. Lesen Sie nur mal den ersten Satz. Da entsteigt so eine Lichtgestalt aus Sixpack, Badehose und Colgate-Lachen den Fluten des Pazifik. Autor des Buchs? Falsch, Autorin; Sie haben es geahnt. Titel? Sag ich nicht.

Warum das Ganze dann? Weil ich mir gestern Abend auf der Seite belleslettres.eu (ein Tummelplatz für Lektoren) noch einmal die 42 Minuten zum Thema Übersteigerung des Ausdrucks angehört habe. These des Autors: Hobbyautoren neigen dazu, alles richtig machen zu wollen, sie wollen deutlich machen, dass sie mit Sprache umgehen können, (ja, da muss ein Komma hin) und hauen fest in die Kerbe. Mit welchem Resultat manchmal? Das lesen Sie hier.

  • Boxershorts, welche tief auf meinen Hüften hingen. Mein Neffe nennt das, was man dann sieht, ein Maurer-Dekolleté. Einerlei, welches ist kein Relativpronomen, die Relativpronomen heißen der, die und das (plus deren Beugungen). Die einzige Sprachsituation, in dem man welcher, welche, welches zulassen könnte, hilft, Wortdoppelungen zu vermeiden: Die Surfershorts, die die hochbegabte Sportlerin Anne-Cathrin … Da darf das erste die auch ein welche sein, selbst wenn es bei Sprachsensiblen knirscht.
  • … des zart roten Balles. Entweder zart-roten oder zarten roten oder zarten und roten. Hier liest sich zart wie ein Adverb: des nur sehr zart (im Sinnen von: zurückhaltend) roten Balles. Aber Herrschaftszeiten, jeder, der schon mal einen Sonnenaufgang am Pazifik gesehen hat, weiß, dass da nichts zart ist; das knallt richtig, gleich, jetzt und sofort. Und Balles? Nun, wir sind hier im Sektor Romantik, da greift man schon mal zur lyrischen Form des Genitivs, nicht wahr?
  • Tage hart und lang. Ja, die Tage sind nicht nur hart, das reicht nicht. Sie müssen hart und lang sein. Anmerkung: Na, wenn man (Zeile vorher) früh aufsteht, um schon zum Sonnenaufgang das Badehöschen ins Wasser zu tauchen, ist der Tag halt lang.
  • … dachte ich leicht deprimiert. Erleben wir Mister Sixpack also mal – die Damen aufgemerkt, der Herr ist deprimiert, da kann man doch mal trösten – weniger stimmungsvoll. Figurendramatisierung gleich im ersten Absatz, Hammer! Und dann? Ein paar Worte weiter: Locker joggend (zum rechtsdrehenden Joghurt) … Wenn das mal keine Therapie ist. Leicht deprimiert – locker joggend binnen Sekunden.
  • Locker durch den Sand joggend. Oh, diese Verlaufsformen! Oh, dieses Partizip Präsens! Liest man immer wieder. Problem: Der Autor will die Geschichte vorantreiben und zwei Tätigkeiten vereinen, hier: Fortbewegung und Beschließen. Und was macht der Autor? Er drechselt. So etwas liest sich verquast, immer! Immer sind Konstruktionen mit dem Partizip Präsens verquast. Bitte auflösen, so etwa: Ich (streifte die anfliegende Depression binnen einer Zehntelsekunde ab und) joggte locker (durch den Sand kann man streichen, wir befinden uns am Sandstrand) und beschloss dabei …
  • … den noch vor mit liegenden Tag verderben zu lassen. Bitte, welchen Tag? Ah, diesen Tag, diesen bestimmten, heute also. Die verbleibenden achtzehn Stunden Depri am Beach. Verstehe. Nein? Ach, er meint den noch vor ihm liegenden Tag. Gut, dann so rum. Aufgeschneckeltes Deutsch. Aufgehübscht, Klingel-Deutsch. Und sagt doch nicht mehr als: …mir den Tag nicht verderben zu lassen.
  • … Holztreppe, welche direkt … Hatten wir. Es reicht! Werft der Autorin bitte mal den 1.400-Seiten-Wälzer Warum welcher kein Relativpronomen ist an den Strand, bitte.
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Stephen Kings Tierwelt

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Manche behaupten ja steif und fest, die Qualität eines Buches ließe sich erkennen an dessen ersten Absätzen – und an der vorgezogenen Lektüre der Seite 99. Kann sein, ist mir wuppe. Ich sage Autoren sehr oft , einer der miesesten Einstiege in ein Buch sei das Wetter. Was habe ich es da nicht alles schon nebelwabern lesen müssen, blitzen, hitzerekordeln, kracheln, sintfluteln – natürlich immer mit tiefen Blick, ja vorausschauendem Ahnen in die Seele des Protagonisten.

Gäääääähn!

Sie lesen hier die ersten Sätze des neuen Buchs meines hochverehrten (sehr hoch verehrten) Stephen King. Mind Control,  gestern erschienen, ist der dritte Teil seiner Mercedes Killer-Reihe. Teil eins und zwei waren sehr lesenswert.

Und womit beginnt King?

Sackra, mit dem Wetter! So ein Mist. Aber wie macht er es? Ich finde es primast. Er beginnt mit einem Satz, über den es nachzudenken lohnt. Ist es immer am dunkelsten vor der Morgendämmerung, wird die Nacht dunkler, von Stund zu Stund, bis irgendwo am Horizont ein Licht angeht? Ich weiß es nicht. King nennt diesen Spruch dann gut abgehangen (dazu unten mehr) und führt eine Person ein. Sagt dann, es sei dunkel wie in einem Bärenarsch. Und behauptet im zweiten Absatz, der Tagesanbruch haben sozusagen einen Kater. Das ist herrlich. Das ist bildlich, das ist nass(!)forsch erzählt, ich bin angetan.

Ja, sagen die skeptischen Philologen unter ihnen, das kann ja jeder übersetzen, hier war es Bernd Kleinschmidt. Wie ist es denn im Original, dem englischen? Sie fragen, ich antworte. Schauen Sie hier.

160913_king_engUnd bevor Sie nun nachschlagen, der oben erwähnte Bären-Arsch ist in Kings Original einer vom Murmeltier. Ich habe keinen blassen Schimmer, warum hier tierische Ausscheidungs-Organe ausgewechselt wurden, dunkel sind wohl beide.

Und noch etwas stößt mir als Lektor auf. In der Übersetzung steht ein unfeiner Relativsatz … als der Rettungswagen, den er lenkte … Original: … the ambulance he drove …; das hätte man in meinen Augen eleganter lösen können durch … als er seinen Rettungswagen langsam die Upper Marlborough Street entlang in Richtung Heimat rollen ließ …

Aber das ist einerlei. Holla, die Wucht eines guten Anfangs, Himmelherrgott, ein hergeholter Satz, ein gut abgehangener (… elderly …) reicht – und ich bin mittendrin.

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Mast have been unkomfortabel …

160912_mastDa muss man schon genauer lesen, Herrschaften, das erschließt sich nicht so einfach. Es geht nicht um Vater und Sohn, beide unsicher, wie es mit dem Strafgesetzbuch in Deutschland und in den Anden so bestellt ist. Der eine saß hier ein, in Deutschland, der andere in Peru. Haben Sie das?

Dann sage ich erst einmal meiner Freundin Stefanie vW. herzlichen Dank, die mir diesen Ausschnitt aus der gedruckten – Sie sehen es an den Falten – Süddeutschen vom Samstag hat zukommen lassen. Ich habe es zwei Mal lesen müssen, bis mir ein Lichtlein aufging. Und Sie?

Lesen Sie noch einmal. Und dann fragen Sie sich, wo Drogenschmuggler junior die dreizehn Jahre in Lima absaß. Unbequem, oder?

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Der Gast-Arbeiter

Neulich in meinem Sprengel … ich rede mit der Frau von der Post. Sie sagt, der Herr mit dem Schnurrbart, der eben dagewesen sei, habe in schlechtem Englisch verlangt, sie solle kein Post mehr bereitstellen für … und dann habe er ihr eine Liste mit ausländischem Namen gegeben. Ich glaubte das nicht. Die Dame ist mental gesehen ein Opfer der Post-Postkrise. Als dann Ali, mein türkischer Lebensmittelhöker, sagte, da sei ein Herr bei ihm gewesen, der ihn über ein paar Landsleute ausgefragt habe, allesamt Kurden wie Ali, wurde ich hellhörig.

Ganz Lektor von Krimis und daher erfahren in Ermittlungen aller Art, ließ ich mir den Herr beschreiben. Sieht besser aus als wie du, war Alis Antwort, auch jünger, Schnäuzer, du weißt schon, haben wir alle. Und meine Frau sagt, der ist was ganz Hohes in Istanbul. Tat auch so, der Effendi.

Besser aussehen als ich, Schnäuzer, hohes Tier? Ich hatte es! Ich nannte das Phantom in meinem Sprengel von da an RTE.

Ein paar Stunden später sah ich ihn dann selbst. Er stand vor dem griechischen(!) Lokal von Férenc Kostolidades, Hellene mit ungarischen Wurzeln. Sie redeten. RTE zeigte immer wieder auf eine Tafel, die Férenc mit seinem Ungarisch-Griechisch-Deutsch-Englisch-Sprech dem Herrn zu übersetzen versuchte. Plötzlich schien der Herr begriffen zu haben. Er umarmte den Gastwirt, versprach – so sagte mir Férenc später –, einen Teil Zyperns an die Griechen zu geben und sagte zu ihm …

Şimdi ben bunu nasıl yapacağını biliyorum …

Ich verstehe Türkisch, es heißt übersetzt: Jetzt weiß ich, wie ich es machen werde.

Ich stutzte kurz, sah noch einmal auf die Tafel – und mir ging ein Licht auf. Typischer Übersetzungsfehler, dachte ich. Warum müssen manche deutsche Wörter auch so doppeldeutig sein …

160909_gerichte

Und damit Ihnen ein sehr feines, warmes Wochenende!

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Auszeit-Tag

Heute warten Sie, geneigte Dauerleser meines kleinen, manchmal auch fehlerhaften Tagebuchs, vergeblich. Meine Haupttätigkeit als Lektor großer Werke (Die Bibel, Dantes komplett, der alte Geheimrat sowieso, Walser und Kästner) fordert mich in diesen Tagen sehr. Sobald wieder Luft ist im Karton, melde ich mich …

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