Gift zum Jubeltag

160624_GiftTeaHabe Tee in China bestellt, fünfhundert Gramm feinsten Dragon Pearl, erste Sahne, erste Mischung, erste Ernte, erstklassiger Preis – für den Verkäufer. Der Zoll – noch ist China nicht in der EU, aber jetzt, da ein Platz frei wird …, nein zwei, der Türke will ja auch nicht mehr … – machte Probleme, weil der Verkäufer vergessen hatte, irgendein Zettelchen draußen auf die Packung zu beppen, noch mal 29,80 Euro gelöhnt, Teuer-Tee, also. Aber einerlei. Ich habe etwas zu feiern. Dazu unten mehr.

In der Packung mit den Dragon Pearls (es sind tatsächlich Blätter, die wie Perlen aussehen) lag ein Gratispäckchen irgendeines anderen Tees. Ich sah es, freute mich – und erschrak. Gift steht da. Nett, der Chinese, der rührige, warnt den Kunden, bevor er ihn ins Jenseits schickt. Ja ja, es dauerte in der Tat mehrere Sekunden, bis ich begriff, dass der Brite uns nicht nur eine aufregende Nacht, sondern auch ein paar lustige Worte hinterlassen hat – so wie dieses: gift, als Geschenk. Ziemlich vergiftete Angelegenheit, nicht wahr? Und wenn Sie mich nun fragen, was der Chinamann da auf das Päckchen gekritzelt hat … keine Ahnung. High Mountain irgendwas Tea (00 Gramm rang) (gift).

Ist auch einerlei. Der Gift(!)-Tea sieht aus wie getrocknete, zermörserte Hasenköttel. Ob ich die löffelweise aus der Tüte löffele, mit Wasser übergieße und mir dann einbilde, es sei kein Gift? Sie merken schon, heute geht die Ernsthaftigkeit ab. Das liegt sicherlich daran, dass ich unterm Dach jucheeeeee sitze bei gefühlten 48 Grad, eine direkte Wasserzapfanlage aus dem Eisfach her- und ein Handtuch umgelegt habe, als wäre ich nach einem doppelten Iron Man am Ziel.

Und was es zu feiern gibt, fragen Sie? Na, schauen Sie doch mal oben links auf die Zählung der Beiträge in der deutschmeisterei. Für einen Einzelkämpfer nach knapp fünf Jahren nicht schlecht, oder? 1111 Mal. Mann, Mann, Mann! Nehme das Handtuch von den Schultern, wringe es aus und nehme gegen 18 Uhr die Parade ab, die die Dudens für mich organisiert haben.

Ihnen ein fantastisches Wochenende, ohne Gift … also mit Geschenken vielleicht, aber nix Fieses in den Pralinen, bitte!

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Scheinchen her!

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Mein Vater, vor knapp dreizehn Jahren gestorben, verfügte über ein paar Standardwitze, mit denen er aber in der Regel seine Jagdfreunde bestens unterhielt – wenn sie ihm hin und wieder beim Vernichten einiger Bier- oder Rotweinflaschen begleiteten. An eines dieser Wortscherzchen musste ich denken, als ich diesem Bildchen in Facebook begegnete. Fragte ihn (meinen Vater) jemand, wie er denn die Erziehung seiner drei Kinder über die Bühne gebracht habe, sagt er oft: Für die war ich doch immer nur der Scheinwerfer.

Traf ein (Achtung, doppelter Waidmanns-Witz!) Frischling auf die Runde, stutzte der erst einmal, bis ihm ein Kollege Weidmann (ja, beide Schreibungen möglich, bedauerlicherweise) verdeutlichte, dass mein Vater nicht sein schweinwerferhaft leuchtendes Vorleben edler Tugenden meinte, sondern das Werfen von Scheinen, DM-Scheinen, um die Chose mal historisch ins rechte Licht zu rücken.

Daran dachte ich also. Gott hab ihn selig!

Und was haben wir hier? Wir haben extrem gut beleuchteten Irrsinn, Irrsinn in Ultimate Speed sozusagen. Wir lesen über einen Berufszweig, dessen Nutzen die Industrie- und Handelskammer Westblödsinnigen mit Schreiben vom 30. Februar 2016 anerkannt hat: Der Kfz-Schein-Werfer ist ein immer beliebter werdender Beruf, der vor allem für Schnösel zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Jahren geeignet zu sein scheint. Sie besitzen in der Regel zu viele Autos der Luxusklasse (von 100.000 Euro in der Grundausstattung an aufwärts), sehen aber zweierlei ein: (a) Sie benötigen nicht mehr als drei davon (ein Cabrio, ein SUV und eines als Ersatzteillager). (b) Mangelt es ihnen an sportlicher Betätigung. Durch das gezielte Werfen von Kfz-Scheinen bei Fußballspielen reduzieren sie nicht nur den Fuhrpark, sie trainieren auch ihre Armmuskeln.

So weit die Vordenker aus Westblödsinnigen; aus diesem Weiler bei Zuffenhausen (Porsche und so) stammt auch das Schildchen. Und wieso dann Lampen, werden Sie fragen? Sehr einfach: Das Kfz-Schein-Werfen findet in der Regel abends statt, im Juni kein Problem. Aber was macht der geneigte Schnösel im November, dem Frühgrauen? Er will doch, dass die örtliche Presse auch gute Bilder schießt. Braucht er Lampen. Klar, oder?

Als Sprachwahrer mit nur einem Auto und einem Oberkörper wie Hulk Hogan sage ich dazu: Hätte man besser schreiben können. Kfz-Schein-Werfer-Lampen. Oder noch besser: Lampen für Kfz-Schein-Werfer. Einige, die den neuen Berufszweig noch nicht kennen, sagen mir sogar, dass Scheinwerferlampen ausgereicht hätte. Aber die verstehen halt nix von New Economy.

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Flink wie ein …?

160622_WieselSehen Sie, so geht das manchmal, da ist ein Autor voll im Saft, im Schreibsaft, will sagen, dass eine Schwimmerin vom Startblock abzog wie ein … ja, was? Stopp! Damit ist hier schon alles gesagt. Das Bild stimmt nicht. Es stimmt einfach nicht, und es ist lustig, wenn man sich das Sprachbild einmal wirklich bildlich vorstellt.

Finden Sie nicht? Ein Wiesel im Wasser. Was macht es mit dem wieseligen Fell und dem Fellnäschen? Es sinkt, denke ich.

Und nun suchen wir mal das richtige Bild dazu. Als Erstes fällt einem natürlich das ein, was der Hitler gesagt hat. Flink wie die Windhunde. Aber im Ernst, wollen wir das gelten lassen? Wollen wir den zitieren? Gewiss nicht. Wir spüren also wieselflink nach einem Tier (im Genre wollen wir bleiben), das zwei Eigenschaften verbindet: Wasser und schnell, vielleicht sogar Wasser und schnell und elegant. Delfin? (Ja, den schreibt man heute auch so, aber auch Delphin, immer noch.) Könnte man nehmen. Schauen wir dennoch nach, welcher Fisch der schnellste Überhaupt ist. Der Fächerfisch, sagen die Jungs und Mädels von Wikipedia. Oha, nie gegessen, nie gehört. Aber wieder was gelernt, nicht wahr?160622_Fächerfisch

Schwamm also Franzi schnell wie ein Fächerfisch … Ginge, weil der Autor Ihnen glaubhaft macht, dass der Fächerfisch sehr schnell ist, Sie glauben das, natürlich. Nun ist der Fächerfisch (siehe Bildchen, Bildnachweis: © Citron /, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14679779) ein Raubfisch, sagt Wikipedia. Wollen Sie die Dame wie einen Raubfisch erscheinen lassen? Überdies, mit Verlaub, lieber Herr Fisch, finde ich, dass Sie wenig vorteilhaft ausschauen, aber ehrlich!) Dann könnten Sie gleich schreiben: Franzi schwamm wie ein Hai, der ist auch sehr schnell ist. Bedenken.

Ich kam am Ende der Überlegungen, also Tage später, auf die Robbe. Jeder kennt die Robbe, jeder hält sie für schnell – und die Robbe hat den Riesenvorteil, dass man gern ihre eleganten Schwimmbewegungen vor Augen hat. Überdies ist sie süß und ziemlich vermenschlicht. Die süße Robbe Nimmerschwimm wäre ein toller Titel für ein Kinderbuch, Der schnelle Fächerfisch Isestachel sicherlich nicht.

Die Robbe würde es. Punkt.

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Bleib auf der Parkbank, Liebste!

Screenshot 2016-06-21 10.06.17Und nun sagen Sie mir nicht, Sie verstünden das. Verstehen Sie es? Dann darf ich Sie auf morgen schieben, der Sinn des heutigen Eintrags in mein kleines, feines Tagesbuch wird Ihnen nichts bringen, nur ein: Booeeeeey, sind die hinderwoodlerisch, diese Oldies!

Denn ich glaube, dass es genau darum geht: um Sprache für Jüngere, na, sagen wir nach 1990 Geborene – und für Menschen, deren Geburtsjahr an dritter Stelle eine 4, 5, 6 oder 7 zeigt. Sie wie ich dazu neige, mich neueren Tendenzen digitaler Kommunikation zu verweigern und irgendwann darauf beharre, dass Facebook ja nun ganz weit vorn ist, denkt die Generation meines Sohnes, geboren 1993, dass die Alten alle einen Schuss haben: Ist doch einfach, warum verstehst du das denn nicht?

Langer Rede, kurzer Unsinn: Sie lesen den Ausschnitt aus einem Online-Magazin, das sich Ze.tt nennt, die ersten beiden Buchstaben deuten auf die Mutter hin, die ehrwürdige, seit Jahren toll erneuerte Zeit, Hamburg. Um was es geht? Um einen Dating-Trend, also Umumstößbarkeiten beim Rendezvous, wenn sich die flirtwilligen Neunzehnhundertneunziger beäugeln.

Frisch aus der Kiste, am Zahn der Zeit! und topstaktuell haben Wissenschaflter (hören Sie mein Husten auch in Cloppenburg und Konstanz?) eine Tendenz ausgemacht: Benching. Nun nennt man im Angelsächsischen eine Bank bench, also die zum Sitzen, meine ich. Wer jemanden bencht (ein Wort, das dringend in den Duden musst, wie ich finde), schiebt man ihn auf die Bank, und das erkläre ich Ihnen gern an einem aktuellen Beispiel. Erstes Rendezvous: Sie findet ihn Hammer! Er findet sie na ja, süß! Drei Tage Mobilfunk-Stille. Dann schreibt sie über WhatsApp: Hey, heute Abend ist Fußball, wollen wir zusammen schauen? Er antwortet: Supa Idee, sehr gern, aber ich bin schon mit Tim und Markus verabredet, meine Jungs, habe ich dir erzählt, und da sind Girls nicht erlaubt, auch wenn ich gern möchte. Sorry. Anmerkung des Schreibers: Satzstellung, Rechtschreibung, Kommasetzung im Original anders, aber für Sie korrigiert.

Benching ist, wenn das eine Lüge war. Warum? Weil er sie bencht, er setzt sie auf die Bank, gerne auch auf die Parkbank, dazu unten mehr, der Hauptzweck dieses Eintrags, übrigens. Wenn er die Wahrheit geschrieben hätte, klänge die so: Du, echt nicht, so richtig hat es bei mir nicht geprickelt, aber du bist echt toll. Mach es gut!

Begriffen? Es geht um den Doppelschritt aus Vertrösten und Warmhalten – in keimenden Beziehungen, oder Nicht-Beziehungen. Den ganzen Artikel aus Ze.tt lesen Sie hier, dann sind Sie vollumfänglich auf dem Laufenden über eine Zeitströmung, die total absolut Hammer-ey! neu ist. So was gab es in den Sechzigern und Siebzigern nicht. Niemals nicht. Haben wir nicht getan. Wo kommen wir denn da hin …? So was von neu aber auch. Yummiieeeee!

Heißt das also Benching. Gut. Benching ist das neue Ghosting, schreibt der Artikel auch. Ich glaube, Ghosting ist Benching an Halloween, oder so. Oder mit Ersatzkräften oder falschen Fotos. Keine Ahnung.

Vor allem aber, und nun kommt wieder der konservative alte Sack und Streiter fürs Deutsche in mir durch: Warum Benching? Warum nennen wir das nicht einfach jemanden parken? Herrlich, nicht wahr? Ich parke jemanden, ich parkbanke jemanden, das hat sogar noch eine halbwegs romantische Komponente. Darum nicht, weil Parks heute nach 18 Uhr von Drogendealern und AfD-Anhängern bevölkert sind? Wenn Sie das glauben, dann schlage ich etwas anderes vor, das mein Sohn nicht versteht: jemanden normaluhren.

Erinnern Sie sich? In meiner Jugend (also kurz nach Erfindung der Uhr für alle durch den Nürnberger Peter Henlein, oder so) fanden Rendezvous (richtiger Plural, Sie! Rendezvous’ wäre grottenfal’sch!) grundsätzlich unter der Normaluhr auf dem Bahnhofsvorplatz statt, jedenfalls bei Manfred Schmidt und bei anderen Karikaturisten.

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Der dicke Peter

160620_PeterNein, nein, ich sage nicht, wer das geschrieben hat. Wäre nicht fein. Aber das kennen Sie, ich sage nie etwas. Hier nur so viel: Es ist kein Lektoratsauftrag, mit Verlaub, das wäre peinlich für mich, ich habe das nur gestern Abend vor dem Einbetten gelesen und mir gleich kopiert – für Sie, zum Beginn einer Woche, die jedenfalls in Franken, hier spielt auch das Buch, gegen Wochenmitte eine sommerliche zu werden verspricht.

Und ich will auch keine Häme ausgießen, denn solche Fehler machen Schreiber nun mal. Es geht um eine Szene am Morgen. Er bereitet für die Familie alles vor, sie, Mama, bekommt ihren Humpen Kaffee und macht Frühstück für die Familie. Und dann?

Nach dem ersten Schluck Kaffee füllt sie (Mama) die Brotzeitdosen für die Kinder und auch ihren Peter mit Leberwurstbroten … Na, lecker. Dass sie die Brotzeitdosen mit Leberwurstbroten füllt, ist fein. Hmmm, die gute Fränkische … Und wen noch? Jetzt nimmt Mama, bildlich gesehen, die Rolle der Vogel-Mama ein, die zum Horst (nein, nicht der Gatte, der Vogel-Horst, Sie Horst!) fliegt, die Jungen reißen die Schnäbelchen auf (Papa auch) und Mama füllt die Schnäbelchen.

Danke, lieber Autor, für diese Erheiterung. Wie kommen Mama und Autor aus dem Dilemma? Man könnte klarmachen, was gemeint ist durch den abermaligen Einsatz der Ppäposition: Nach dem ersten Schluck Kaffee füllt sie die Brotzeitdosen für die Kinder und auch für ihren Peter mit Leberwurstbroten … 

Na, bitte, ginge doch.

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Da lach’s dich weg

160617_Wessling02_Lach`sAch, was wäre diese feine, kleine Seite ohne ihre Leser! Nichts, ein Lach’stück … Lach-Stück. Prima Einleitung, nicht wahr? Denn geneigte Konsumenten der deutschmeisterei wissen, dass ich mir stets Mühe gebe, sie (jaja, klein, groß ginge aber auch) am Wochenende zu unterhalten. Und mal ehrlich, unter uns Fischfreunden, die wir gerne mit dem Konzentrat der Tierchen köcheln, an diesem Wochenende – und nach der Nullnummer gegen die Polen – geht gar nichts. Er wird schütten! Also lassen wir es gießen und gießen ein wenig Häme aus über Betreiber von Gaststätten und Beschriftern von Waren in Supermärkten, die gemeinsam aufschreien: Als das mit der Pluralbildung und dem S am Wortende in der Baumschule dran war … da waren wir … eine rauchen im Pausenhof … oder beim Fan-Verkloppen im Ausland.

Lach’s also. Das Tier. Was der geschätzte Leser Robert W. aus B. mir da geschickt hat, ist schon erste Sahne. Ich behaupte, eine solche Leistung beim Umgang mit dem Zischlaut am Wortende habe ich noch nie gesehen. Fragt sich nur, warum Dor’sch! und Rotbar’sch!    und warum bei den Filet’s(!)

Doch Robert W. aus B. (doppelter Dank) legt noch einen nach. Und nun stellen Sie gewiss schnurstracks den Bezug zum ersten Absatz her. Schauen Sie hier.

160617_Wessling01_Fonds

Meine Mutter meinte immer: Wenn Suppe aus der Dose, dann Lacroix. Prima Wahl! Aber welchen der Fond (Leerzeichen) Apostroph (Leerzeichen) s nehmen wir?

Reicht das zur Erheiterung? Gut. Dann puste ich Ihnen noch ein wenig Bildung nach.

Gestern hatte ich Ihnen versprochen, mich um die Etymologie von geflügeltes Wort zu kümmern und tippte spontan auf Worte zwischen Anführungszeichen – als Flügel. Schmarrn, wie ich jetzt weiß. Vielmehr geht es um Redewendungen oder Zitate, die an des Hörers Ohr fliegen, behauptet jedenfalls jemand hier. Und für Menschen, die zu – Achtung, geniales Wortspiel – lach’s(!) sind zu klicken: Diese Bezeichnung für bekannte, viel zitierte Aussprüche meist Zitate aus literarischen Werken oder Aussprüche historischer Personen, deren Herkunft im Allgemeinen eindeutig nachgewiesen werden kann, geht auf den altgriechischen Dichter Homer (2.Hälfte des 8. Jh.s v.Chr.) zurück. In seinen Werken Ilias und Odyssee gebraucht er den Ausdruck an zahlreichen Stellen. Er bezeichnet damit Worte, die vom Mund des Redners zum Ohr des Angesprochenen fliegen.

Hätten wir das auch geklärt. Ihnen ein feines Wochenende!

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Ist ja wohl der Hammer!

160411_Hugendubel

Ich gebe zu, so ganz frisch ist dieses Bildchen nicht. Ich habe es schon im April in der Nachbarschaft aufgenommen, wollte es Ihnen immer zeigen – und dann kam ebenso immer auch immer irgendetwas dazwischen.

Ich zeige Ihnen das nur, weil ich Spielereien mit Wörtern* mag. Hugendubel – mit Verlaub, wegen des zweiten Wortbestandteils ein gerade irrwitziger Name für eine Buchhandlung – hat einen sehr feinen Texter. Auf Lesen und Tod ist einfach gut, für Krimis.

Und dann schauen wir mal genauer hin. Texter fein, das sagte ich schon. Und dann kommt die Abteilung Werber, Marketender (… da muss doch was rüberkommen, da muss die Post wie aus der Pistole geschossen direkt ein Bedürfnis auslösen …). Und was machen die?

Hammer-Angebots-Wochen! Oh, Graus!

Hammer! als Ausruf oder verstärkendes Wort** definiert der Duden erstens als umgangssprachlich, was ja nicht schlecht sein muss. Und zweitens: großartige Sache, tolle Angelegenheit; riesiger Erfolg: die Platte ist ein Hammer; das ist der Hammer! (das ist einfach toll!).

Hier wird Hammer so verwendet wie Super oder super. Das war ein Super-Hotel, Superhotel. Beides denkbar! Aber fein, liebe Buchhandlung mit Anspruch, fein ist das nicht. Fein ist nur der Texter.

Oder soll der Hammer hier als Mordinstrument eingesetzt werden? Hammer-Wochen oder auch: Nachts, wenn der Polier kam … Die Serie mit dem Loch im Kopf.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
Das Wort Wort hat eine bestechende Eigenschaft: Es wird mit zwei gänzlich anders bedeutungsschwangeren Pluralen ausgeliefert. Einmal die Wörter, einmal die Worte. Und nun passen Sie schön auf … nein, merken Sie sich einfach den Begriff geflügelte Worte, dann wissen Sie alles. Es gibt nämlich keine geflügelten Wörter. Wenn es um Worte geht, geht es immer um etwas Getragenes (nicht Kleidung, Sie!), mit Andacht Vorgetragenes. Seine Worte (im Ganzen, als Zusammenhang) zur Verleihung des Super-Preises der Hammer-Angebots-Wochen haben mich sehr bewegt. Da geht nur Worte. Punkt. Der Buchstaben-Mix als Einzelbestandteil pluralt als Wörter. Oder um es mit den Worten(!) des Duden zu sagen: <Plural Worte> etwas, was man als Ausdruck seiner Gedanken, GefŸühle zusammenhŠängend Šäußert, ein Wort des Dankes; Worte des Trostes. Das waren sie, meine Worte(!) zum Sonntag … Donnerstag. Nein, noch eines: Um die Etymologie von geflügeltes Wort muss ich mich mal kümmern. Erster Verdacht: „Das Anführungszeichen verleiht Flüüüügel!“

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Das Gebet fürs Gute

160615_Kaffee 2Es gibt ja wohl wenige Wörter mit drei aufeinanderfolgenden Vokalen, Teeutensil wäre eines, Seeaal, holla, da haben wir sogar vier. Entree böte sich noch an als erstes Wort eines Kompositums – und dann haben wir es schon, denn Wörter, die mit uu, oo, ii oder aa enden oder beginnen (hallo, ich schreibe dies vom Aarsee, nahe Aalen, Baden-Württemberg!), sind selten, respektive im Deutschen nicht existent. Himmel, stimmt das?

Darüber denke ich jetzt mal nicht nach. Frisch aus dem Urlaub zurück, ist alles schwer, was zu tun hat mit Hirn, Sie kennen das. Aber das Schildchen, das ich in einem nahen Café aufgenommen habe, sollten Sie dennoch lesen. Hier finden Sie alles, was mich begeistert. Guter Kaffee, herrlich! Das Vaterunser (ja, so schreibt man das) des Süchtigen. Ich mag das. Es ist sehr fantasievoll. Und die Zeile … so auch wir vergeben den Senseo-Trinkern … ist ja wohl eine Welt-Zeile.

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Das Key-Piece der Herrenmode

160524_Jogging01Heute morgen noch schnell die passende Bekleidung für die offizielleren Anlässe des drohenden Urlaubs gesucht, für den Besuch beim Bürgermeister, den Gang ins Museum oder das Essen im Dreisterner. Ebay hilft da immer. Ich finde das Richtige gleich auf der Ebay-Startseite, und ja, wir lieben Jogginghosen, das stimmt, ich auch. Für die habe ich mich dann aber doch nicht entschieden – und nun kommen wir endlich zum Thema dieses heutigen kleinen, feinen Tagebuchs.

Denn schauen Sie mal, was mir diese feine Hose entgegenhält. Das mit der Couchpotatoe ertrage ich ja noch. Das hat sich irgendwie so eingegroovt(!) ins Deutsche – boah, ey, voll mega die Couchpotatoe, ey! Aber dann? Herrschaftszeiten, ich steige aus. Ich verstehe nichts mehr.

Ich lese: Die Jogginghose ist zum Key-Piece geworden, Schlüssel-Stück der Streetstyles? Gym-Bags? Snapback Cap? Ich bekenne, ich bin nicht mehr im streetstylekompatiblen Alter, aber ich will zumindest wissen, was dieser Bag (Tüte, Tasche) und dieser Cap (Mütze, Kappe) sind. Warum wird es in gewissen Kreisen gesellschaftsfähig, eine bestimmte Mütze oder Tasche zu tragen, und warum ist nur eben diese eine so bedingungslos notwendig?

Und noch etwas, Damen- und Herrschaften von Ebay, das war heute morgen die Aufschlagseite auf meinem iPad. Wenn ich es schon nicht verstehe, wie viele andere meines Alters schalten da ebenso ab – auch jene, für die die Jogginghose Homestyle(!) ist?

Ich habe mich dann für eine andere entschieden. Sehen Sie hier.

160524_Jogging02Ein paar Tage nicht da.

Geht das Packen für die Reise also schnell, Jogging rein, ein paar andere coole Accessoires dazu, Cap auf – und fertig ist der Bag. Sie werden mich also ein paar Tage lang nicht lesen, Mode-Urlaub Milano. Wenn Sie mich gar nie wieder lesen sollten, hat mich die Mode-Polizei verhaftet. Oder der Bürgermeister. Oder mir hat der Betreiber des Dreisterners mit der Bratpfanne vermittelt, dass Style und Stil zwei verschiedene Paar Key-Pieces sind … oder so.

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Nun make s’il vous plait mal une point

160624.PunktDas komme ihm etwas spanisch vor, schreibt mein Sohn als Kommentar zu dem Bild, und ich freue mich, dass er spanisch kleingeschrieben hat, wie es richtig ist. Dann lese ich dieses Schildchen, das er im Bochumer Mercure Hotel City aufgenommen hat, ein paar Mal; ich suche das Spanische(!), die spanischen Wörter, erkenne aber nur Deutsch, Englisch und Französisch.

Mache mir eine Notiz, noch mal mit den Lehrern meines Sohnes zu reden – das Abitur in Bayern ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Aber nun mache ich mal einen Punkt; dieses Familieninterne geht Sie schließlich nichts an. Und suche den Punkt, ja den Punkt in den Sätzen.

Im Brandfall bitte den Aufzug nicht benutzen Fluchtweg über Treppenraum Upps. Punkt. Da fehlt doch was … Und was ist Treppenraum? Meint man Treppenhaus?

Gut, den Punkt, den der Pinsler dieses Schildchen oben vergessen hat, fügt er im Englischen nach. In case of Fire. Aha, ein Satz. Klein weiter please do not use the elevetors Fire (wieder groß, auch wenn ein Punkt fehlt) exit use staircase Kein Punkt.

Auch wenn das Englische meine Muttersprache nicht ist, ahne ich, dass der Satz nicht stimmt, der Satz nach Fire exit …

Beim Französischen halte ich auf den ersten Blick alles für richtig … aber der Punkt? Und die Sperrung. Wer setzt das bitte in Blocksatz (sentence en bloque, block sentence)? Warum diese Zwischenräume? Und warum hat eine Hotelkette niemanden, der da mal eben drüberschaut?

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