Was rettich denn noch alles?

Einen Tag vor Ende dieser zehn Jahre deutschmeisterei.de habe ich keine Botschaft (H!) mehr, ich habe nur noch das dringende Bedürfnis, Sie zu unterhalten. Denn was soll all das Belehren, Verweisen, Meckern, wenn es nicht gleich auch immer etwas Unterhaltendes hat. In meiner Volontariatszeit wurde den Radio-Leuten beigebracht, dass sie über alles etwas senden können, nur nicht über drei Minuten. Ich fand diesen Spruch nie gut, ich fand ihn sogar im Auftrag (H!) eines Journalisten falsch.

Aber einen anderen Lehrsatz gebe ich gerne weiter: Langweile nie! Gelangweilte springen ab, maniküren sich die Füße oder schrubben sich die Hände oder bohren im Ohr (H!). Keine gute Illustrierte langweilt. Kein Leitartikel sollte den Leser dazu bringen, an seinen Kaffee zu denken oder an eine Gurkentruppe (H!). Punkt.

Machen wir also – wissend, dass es am Finaltag morgen ernst (aber nicht langweilig, hoffe ich) werden wird – weiter mit dem, was Genau mein Humor ist.

Im Bild sehen Sie einen Satz, der da heißt …

Heute (H!) Rettich die Welt.

Das darf man machen. Das ist noch kein Knüller. Ein Knüller wird es erst durch das, was folgt …

Ich lese (H!) das und zucchinnerlich zusammen.

Ich nenne das großes Kino und auf einer Zwölfseitigen groß gespielt. Meine Verneigung, erstklassig.

Ebenso beinahe jedes Bildchen von Martin Perscheid, den ich hier sehr oft habe zitieren dürfen, natürlich nur mit den Bildchen, die sich um Sprache drehen. Er ist manchmal von einer erschreckenden Brutalität, in Wort und Bild. Er ist auch durchaus oft an der Grenze – aber das liebe ich. Abgesehen davon hat er mit allem, was ich hier präsentiert habe, recht. Schauen Sie nur mal, wie Perscheid selbst die Kommata setzt. Herzerfrischend.

Und dann gibt es natürlich die absolut Hirnverbrannten, bei denen man sich fragt, wie sie auf diese Art von Humor kommen. Man möchte ihnen zurufen: Verrat (H!) mir, welche Drogen ihr nehmt. Ich will das auch haben.

Nein, ich finde das nicht mal grenzwertig. Es gehört eine große Begabung dazu, sich so etwas auszudenken. Ich kann mich an keinen Beitrag in der deutschmeisterei.de erinnern, an dem es mir gelang, derart Krudhumoriges zu schaffen.

Abgesehen davon, werfen Sie jetzt zu Recht (H!) ein, war das ja auch nie die Absicht dieses kleinen, feinen Tagebuchs, das morgen nach zehn Jahren in Rente geht.

Die Homonym-Sammlung betreibe ich weiter. Ich werde sie ordnen, redigieren, viele rausschmeißen. Ich werde sie seriöser gestalten und sie im Netz (H!) allen anbieten. An einer wissenschaftlichen Aufbereitung liegt mir nicht – siehe oben, Thema: Unterhaltung –, aber man wird die Sammlung (H!) nutzen können und vielleicht von sich aus ergänzen. Ich werde versuchen, sie mit meinen Mitteln (H!) populärer zu machen.

Und ich werde mal heute und morgen hinter jedes Wort, das auch homonymisch ist, ein grünes (H!) klemmen. Hinter grün(H!) auch.

Und dann fehlt natürlich die Auflösung (H!) von gestern, der Zusammenstellung von gastronomischen Begriffen (H!) in drei Sprachen. Nach meinem Dafürhalten – ich habe mir eine Excel-Tabelle angelegt und jedes Wort erfasst – hat das Bildchen Trio-Schwächen bei Wurstwaren (sollen wohl im Italienischen arrosti sein, hilfsweise: cured meat), bei Lasagne und Pasta – wie übersetzt man diese Speisen? Und geröstet ist nun auch kein feiner Begriff, es sei denn, es geht um Kaffee oder Toast(H!)Brot.

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In eigener Sache
Die tägliche Gabe (H!) an Homonymen ziehe ich weiter durch. Jeden Tag ein paar mehr als zehn. Vorgestern kam ’ne volle Ladung (H!) . Ich laufe über (H!)  bis zum Ende dieses Tagebuchs am Donnerstag 29. Juli 2021 in noch einem verbleibenden Beiträgen (H!) mit mehr als 16 tagesfrischen auf vierstellig …  Heute: Sechs-Spänner: 2, Fünf-Spänner: 0, Vier-Spänner: 3

__________ 20 TAGESFRISCHE HOMONYME __________

  1. Balg (so heißt schon im Mittelalter die Tierhaut) vs. Balg (und die einer Frucht ebenso) vs. Balg (der bewegliche Teil, sozusagen die Ziehharmonika einer Orgel, Stichwort: Blasebalg) vs. Balg (der bewegliche Teil einer Kamera zwischen Gehäuse und Linse – auch die Scharniere von Bus und Bahn) vs. Balg (Teil eines Geräts, eines Instruments, das beim Zusammenpressen einen Luftstrom erzeugt) vs. Balg (Teil einer Puppe, gefüllt mit Stroh) vs. Balg (Kind ohne Stube, abwertend). Mit Hilfe vom Klaus H. ein aufgeblasener Sechs-Spänner.
  2. anrichten etwas auf guten Möbeln stellen zum Verzehr oder zur Bewunderung) vs. anrichten (Schaden verursachen)
  3. Geisel (nehmen sich Verbrecher als Unterpfand) vs. Geißel (Stange zur Züchtigung)
  4. Kabel (kommt Strom durch) vs. Kabel (sehr mächtiges Seil) vs. Kabel (so nannte man in Zeiten der Telegramme auch ein Telegramm) vs. Kabel (Kurzwort fürs Kabelfernsehen seit 1985) vs. Kabel (Singular, die; laut Duden: Gewinnanteil, Losgewinn – veraltet aus dem Norddeutschen, wieder was gelernt) vs. kabel! (sgt heute auch keiner mehr: kabel mir das mal durch, Imperativ von kabeln, was laut Duden ein Verb ist). Mit Hilfe vom Klaus H. und Herrn Duden ein durchgekabelter Sechs-Spänner.
  5. Rechner (anständiges Wort für Computer) vs. Rechner (gibt es in der Variante „guter Rechner“, Note 1, und in der Variante, über die Rechenschwächlinge nicht reden wollen). Mit Dank an Klaus H.
  6. Raster (ein bestimmtes Muster; Name einer Fahnung des BKA in den Siebzigern und Achtziger) vs. Rasta (eine besondere form der Belockung)
  7. keilen (mit einem spitzen Gegenstand etwas Hölzernes teilen) vs. keilen (Vorsicht, der Hengst tritt aus) vs. keilen (Menschen mit fadenscheinigen Mitteln anlocken) vs. keilen (Prügeln unter schlagenden Verbindungsstudenten). Ein fein gekeilter Vier-Spänner.
  8. Flegel (Vorrichtung zum Befreien des Korns aus dem Korn) vs. Flegel (ungehobelter Kerl)
  9. Auslage (legt man ins Schaufenster)  vs. Auslage (legt man sich auf die hohe Kante, wenn sie von anderen kommt) vs. Auslage (lässt tiefer blicken als manch Kerl erträgt) vs. Auslage (Körperspannung vor bestimmten Sport-Übungen) vs. Auslage (das Auseinanderstehen der Stangen eines Geweihs). Mit Hilfe vom Klaus H. ein röhrender Vier-Spänner.
  10. Grille (zirpt) vs. Grille (schrulliger Einfall). Mit Dank an Klaus H.
  11. Keule (stammt lecker vom Hirsch) vs. Keule (Angriffsinstrument made in Neanderthal) vs. Keule (Sammelsurium aus Chemie als Waffe) vs. Keule (Sportgerät der Turnerinnen). Ein bedrohlicher Vier-Spänner.
  12. Jota (geringe Abweichung, die es zu vermeiden gilt) vs. Jota (schneller Tanz aus Spanien)
  13. Kanon (wir singen mal mehrstimmig) vs. Kanon (Zusammenschau der wichtigsten Werk in Wissenschaft, Religion und Kunst)
  14. Kämpfer (kämpft und setzt sich ein) vs. Kämpfer (Verbindungs- oder Auflagestück im Bauwesen)
  15. Kippe (aus der Bergmanns-Sprache: Müllabladeplatz) vs. Kippe (turnt der Recke am Reck) vs. Kippe (Zigarettenstummel zum lässigen Wegschnippen)
  16. Schafkopf (am Schaf oben, wo die Wuschelöhrchen sitzen) vs. Schafkopf (kartelt der Bayer)
  17. Rapport (der Rekrut tritt an und berichtet dem Webel des Felds) vs. Rapport (das regelmäßig wiederkehrende Muster einer Tapete beispielsweise)
  18. verrückt (beim Aufstehen den Stuhl verschieben) vs. verrückt (im landläufigen Sinne: neben der Kappe sein)
  19. entgegenkommen (Achtung, Gegenverkehr!) vs. entgegenkommen (beim Verhandeln ein Zugeständnis machen, etwas wird so passend für jemanden)
  20. Löffel (und rein ins Mündchen, die Suppe) vs. Löffel (Hase und Kaninchen haben sich das hinter ihre Öhrchen geschrieben: die heißen Löffel)

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Homonyme auf deutschmeisterei.de – Der Stand der Dinge
Ich habe die Homonyme abgekoppelt von den täglichen Geschichten. Ich werde nur noch morgen Homonyme erscheinen lassen. Stand heute: 984. Das Haupt-Homonyme-Geschehen finden Sie auf einer eigenen Seite mit der URL https://www.deutschmeisterei.de/homonym_total/ oder auch ω Homonyme_total. Die Sammlung wird aber nach Ende des täglichen Tagebuchs erhalten bleiben.

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