Biss(!), dass das Adjektiv uns scheidet …

Nein, liebe Leser, ich wollte Sie zu Beginn der Woche nicht mit Fotokunst erfreuen. Das (oberbayerisch:) Buildl entstand am Samstagmorgen bei Prallsonne, und ich bin nicht in der Lage, derartige Reflexionen mit meinen iPhone auszugleichen. Vielmehr geht das so: (1) Sprachsituation erkannt (2) iPhone geschnappt (3) geknipst. Aber ich lese Ihnen gern vor, was das steht.

Leichter Leben mit der Esstrainerin

Leben großgeschrieben.

Und schon haben wir das Problem. Sie ahnen es, und wenn Sie es ahnen, sollten Sie genau jetzt Ihren Tag beginnen, dieses Tagebuch zu- und morgen wieder aufschlagen.

Für die anderen oder zur Affirmation der eigenen Kenntnisse ein Blick auf das Phänomen Adjektiv, das hier im Zusammenhang mit dem Phänomen Adverb steht.

  • Ein Adjektiv (wörtlich: es hängt irgendwie mit dran am Nomen) ist nicht nur ein Wörtchen, das man sehr oft ohne Verlust von Sinn und eigenem Verstand streichen kann. Es zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es in Genus, Numerus und KasusGeschlecht, Anzahl und Fall – mit dem Nomen taktet. (1) Der schöne Strauß – (2) die schönen Sträuße – (3) den schönen Sträußen: Das Nomen ändert sich von (1) Nominativ Singular zu (2) Nominativ Plural zu (3) Dativ Plural, und das Adjektiv als willfährige Wortart macht das alles mit.
  • Zweite Eigenart des Adjektivs: Es ist in der Regel nicht so wichtig, fühlt sich auch nicht so – und muss sich deshalb wie ein vorlautes Blag immer vordrängen. Das Adjektiv steht in 99,9 Prozent der Sprachsituationen vor dem Namen. Ja, Gerlinde, es muss auch vor Genuss stehen, selbst wenn das Adjektiv pur heißen soll. Genuss pur klingt zwar schick, ist deswegen aber nicht weniger himmelschreiender Blödsinn. Purer Genuss, bitte! Nein, kein Aber, Gerlinde, ist so.

Kommen wir zum Adverb …

  • Das Adverb steht beim Verb, daher auch sein feiner Name Adverbium, zum Verb gehörig. Es erläutert die Handlung, das Tun – und eben nicht ein Nomen. Die schönen Sträuße rochen gut. So weit klar, oder?
  • Zweite Eigenart des Adverbs: Es ist von jeder Art der Flexion, der Beugung, so weit entfernt wie The Donald von einem angemessenen Umgang mit der Presse, respektive der Fakten. Nein, Gerlinde, der Begriff Alternative Fakten, auch wenn du ihn heute morgen gelesen hast, ist Mumpitz, inhaltlich (eine der Fälle, in denen Sie nun raten dürfen, ob inhaltlich hier ein Adjektiv oder ein Adverb ist).
  • Dritte Eigenart dieses grammatischen Phänomens: Es darf stehen, wo es will – oder wo Sie es platzieren. Gut rochen sie, die Sträuße. Gut ist und bleibt ein Adverb.

Und damit zum Bildchen.

Die Position des Leichter vor dem Nomen legt nahe, es könne sich um ein Adjektiv handeln, ein Adjektiv zum Nomen Leben, großgeschrieben. Dann sollte man es aber auch flektieren zu Leichtes Leben, bitte.

Und nun schauen wir uns mal die andere Idee an: Der Texter hat hier einfach das Wort Leben falsch geschrieben, es sollte leben heißen, leben als Verb. Und schon haben wir es: Das Wörtchen leichter reihen wir als Adverb ein, Steigerungsform – und gemeint ist: Leichter leben mit der Esstrainerin.

Besser so, nicht wahr?

Wobei ich Gern-Esser intensiv bezweifle, dass das Leben mit einer Esstrainerin leicht sein kann. Bei jedem Biss steht die da mit der Ernährungstabelle. Hatten wir nicht schon genug Eiweiß heute? Ein Graus!

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