Die Dativschwäche der Sauerländer

Das habe ich gefunden im sauerländischen Schmallenberg vor einem China-Restaurant. Ich zeige das, weil ich uns Alles-immer-besser-Wisser davor warne zu schmunzeln, wenn nicht Deutsch-Erstsprachige im öffentlichen Raum etwas schreiben, und sei es nur auf einem Ständer in der Fußgängerzone.

Klar, wer aufmerksam liest, findet ein paar Schludrigkeiten bei der Dativbildung, die aufzuzählen ich mir erspare.

Aber: Lesen Sie doch mal, welche Fallstricke da lagen und wie die eben nicht betreten wurden:
Präsent kann man herrlich falsch schreiben.
Verzehr las ich auch schon ohne H.
zum Mitnehmen wird als substantiviertes Verb hier völlig richtig groß geschrieben.
– die Anrede Sie ebenfalls.
Suppe und Rolle finden die Doppelkonsonanten.

Und wenn das kein Chinese war, der da textete?, höre ich einen von uns Alles-immer-besser-Wissern fragen. Dann tippe ich auf einen Sauerländer, einen Einheimischen. Und , Himmelherrgott!, der Sauerländer spricht so. Den Sauerländer zeichnet eine Dativschwäche aus. Besser: Den Sauerländer zeichnet aus, dass er die Endsilben schleifen lässt und damit die Grammatik schleift* – so einfach ist das.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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Das mit dem Verb schleifen ist ganz schön verflixt. Je nach Beugung hat das Verb zwei Bedeutungen: Beugt man es stark – schleifen . schliff . geschliffen – sagt das Verb, dass man eine Oberfläche bearbeitet: Er schliff die Klinge – sie haben die Schwerter geschliffen, bis alle bereit waren, die Stadt zu schleifen. In der Bedeutung über den Boden ziehen, sich am Boden bewegen und in der Wendung eine Festung schleifen beugt man schleifen schwach: schleifen . schleifte . geschleift. Hier ein Beispielsatz: Sie schleiften sie über die Straße, dabei schleifte ihre Tasche über den Boden, danach schleiften sie die Burg bis auf die Grundmauern.

 

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