Pogo in Rom gleich Pogrom?

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Man sollte, verehrter Bischof Müller, Gerhard Ludwig Müller (so viel Zeit muss sein), man sollte also, verehrter Präfekt der Glaubenskongregation (Rom, vormals das Amt des jetzigen Papstes) und ehemaliger Bischof von Regensburg, also … Herr Müller, man sollte mal in den Duden schauen, bevor man ins Fettnäpfchen tritt.

Was ist denn, bitteschön, ein Pogrom? So bezeichnet man Gewaltätigkeiten einer pöbelnden Mehrheit gegen eine Minderheit: Knüppelattacken, Scheibeneinwerfen, Menschen im Bus niederschlagen – und zwar nicht, weil man eben am Alexanderplatz in Berlin vorbeiläuft oder dort U-Bahn fährt. Sondern weil man gegen eine ethnische oder religiöse Minderheit vorgehen will. Der Duden sagt das so: Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder rassische Minderheiten und führt als typisches Pogrom die Nacht zum 10. November 1938 in Deutschland an, Sie wissen schon.

Das sollte man wissen, Bischof Müller. Das sollte man wissen, bevor man so etwas wie eine Pogromstimmung in den Vereinigten Staaten, in Nordafrika, aber auch in Europa gegen die Katholiken ausmacht und beklagt. Hey, Herr Präfekt, was Sie beklagen, ist nichts als dies: Es wenden sich immer mehr Menschen von der Kirche ab; Sie stehen in der Kritik – und das oft zu Recht, wie ich finde. Aber ein Pogrom, oder auch nur eine Pogromstimmung? Ist die katholische Kirche an Leib und Leben bedroht? Fürchten Sie, dass nach den Synagogen in den 30er Jahren nun auch die Gotteshäuser in Deutschland oder den USA brennen?

Schmarrn! Die Kirche hat es zugelassen, dass Knaben auf den Schößen Ihrer Vertreter saßen, und die Kirche wendet sich aufs Fadenscheinigste gegen eine umfassende Aufkärung dieses Verbrechens. Die Kirche kommt erst nach großem Widerstand dazu, in ihren Krankenhäusern Vergewaltigungsopfern die Pille danach/Pille Danach* zu geben. Von allen anderen Dummheiten Ihrer Kirche einmal abgesehen, wie die Behandlung von Laien, Frauen oder wem auch immer. Und da beklagen Sie eine Pogromstimmung? Tanzen Sie (Achtung, Wortwitz) Pogo in Rom?

Wenn hier jemand sehr gewiss an Leib und Leben Schaden genommen hat, dann sind es die Opfer Ihrer Kirche, Sie Schein-Heiliger! – Und das schreibt ein gläubiger Katholik, ehemals Messdiener und immer noch Kirchensteuerzahler …
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
* Nachtrag, 5. Februar.
Beim neuerlichen Lesen kam mir die Schreibweise Pille danach spanisch vor. Der Duden zuckt da wenig; Pille danach (kleingeschrieben) ist richtig. Dennoch ist dieses Substantiv aus einem Nomen und einem temporalen Adverb höchst komisch, wie ich finde, eben weil beide Wörter zusammen ein neues Substantiv ergeben. Bei Wikipedia finde ich diese Beispiele für Temporaladverbien: eben, endlich, anfangs, bald, damals, dann, eher, heutzutage, mittlerweile, neulich, nun, seitdem, zugleich, zuletzt, schließlich, seither, heute, morgen, gestern, inzwischen, jetzt, übermorgen, vorerst, vorhin, abends, früher, beizeiten – und eben danach. Mit keinem dieser Adverbien lässt sich sinnvoll etwas bilden wie: Pille danach. Ich neige dazu, die Pille Danach als besser zu bezeichnen.

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