Nigelnagelneues

Erst einmal muss ich etwas nachtragen. Am Dienstag hatte ich Ihnen angekündigt, ein Wort in den Ring zu werfen: Wie buchstabiert man die totale Verzückung, jenes Wort, das mit E beginnt und auf -ase endet?, hatte ich gefragt. Nun, die Extase steht nicht auf der Dudens Liste, um die es auch heute wieder geht.

Kann sie auch nicht, denn die Ekstase wird nur als Ekstase ausgeliefert. Ist nun mal so. Und nun zum dritten Teil des Zettelchens, das die Dudens ihrem neuen Prachtwerk beigelegt haben: heute: N – Z.

Na, wo haken Sie? Beim Stehgreif – stehen und greifen? Bei diesen schon angesprochenen Konsonant-Dopplern wie Sattellit und Terrase und skurill und tollerant und paralell? Von Phillips Pinien mal ganz abgesehen.

Bei Silvester denken Sie bitte daran, dass das Wort mit Y auf einen Namen zurückgeht, aber eben nicht auf richtigen, den bischöflichen Erfinder des letzten Tags des Jahres. Und an diesem Silvesterstag erinnere ich Sie noch mal daran, dass das Jahr 2018 das erste Jahr in der Geschichte der Menschheit sein wird, an dem Sie schreiben dürfen Frohes Neues Jahr! Ja, mit großen N. Wurde im Juli vom Rechtschreibrat beschlossen.

An der Pinnwand kleben PIN-Nummern, aber nicht, weil sie dort angepinnt sind, sondern weil PIN für Persönliche Identifikations-Nummer steht. Alles ins Hirn gepinnt?

Rhythmus und Standard sind Klassiker, das Rückgrat auch. Aber das mieseste Wort – ja, ich schaue es immer nach, weil ich es nicht glaube – ist nigelnagelneu. Und wissen Sie, wie sich diese Wort ins Deutsche geschlichen hat?

Nun, nagelneu lassen wir noch gelten. Da hat jemand einen neuen Nagel in etwas getrieben, das Ding ist repariert. Und dann kam Schuster Benjamin Jakobus Schleich-Sohle (1545-1603, gestorben in Neuhûüs, heute Elsaß) auf die irrsinnige Idee, seine Reparaturarbeiten noch gewaltiger anpreisen zu wollen. Schuhe, die bei mir genagelt werden, wollte er sagen, sind nicht nur nagelneu, sie sind nigelnagelneu.

Reine Quatscherfindung. Aber mit der müssen wir leben. Da hätte man dem Herrn doch gern zugerufen: Schuster, bleib bei deinen Leisten – und lass das Marketing die Marketender machen.

Und morgen sage ich Ihnen, wie es zu der Redensart von Schuster und Leisten kam. Wetten, dass Sie nicht mal den blassesten Schimmer haben …?

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