Dudens listige Liste, Tail 2

Ach, Sie haben gestern gefehlt, unentschuldigt? Sie mussten Mama in der Küche helfen? Den Bruder in den Zoo bringen? Zu Opa ins Krankenhaus? Sie! Und Sie wissen überhaupt nicht, um was es geht, heute in Lektion 2? Dann fahren Sie Ihr Maus-Rädlein mal ans Ende dieser Seite, klicken dort auf Vorheriger Artikel, lesen feinst säuberlichst – und dann geht es hier weiter mit den 111 Wörtern, die der neue Duden als häufig falsch geschrieben brandmarkt.

Aus meiner Praxis greife ich mal heraus: das Jackett und dessen Krone. Achtung, es wird jetzt arg etymologisch (siehe gestern). Das Jackett wird mit dem doppelten T geschrieben, weil es vom französischen jaquette kommt, was Jäckchen bedeutet. Denn die größere Jacke, für die Jackett mit doppeltem T steht, nennen die Nachbarn einfach jaque, Sie wissen doch: Frère Jacques, frère Jacques, schläfst du noch? Oder hast du schon die jaque übergeworfen, um Baquette zu holen? Und wir lernen wieder mal mit Messers Schärfe und Thors Hammer, dass sich niemand mit Etymologie beschäftigen möge, dessen Hirn zuvorderst auf Sinn und Logik programmiert wurde.

Wenn dieser Monsieur Jacques aber mit jaquette zum Docteur geht, um sich die Zähne richten zu lassen, besteht er auf eine Jacketkrone. Mit einem T?, brüllen Sie verzweifelt und wünschen sich, diese Haarsträubigkeiten nicht mehr lesen zu müssen? Ja, mit einem T. Und ich kann Sie beruhigen, dieses Haarsträuben hat erst am Freitag ein Ende.

Denn die Jacke, die über die Beißerchen genagelt wird, das feine Häubchen (siehe Cappuccino und dessen Kapüzchen gestern), kommt aus dem Englischen. Die Königin dort zieht ihrem Gatten nämlich eine jacket an, eine Joppe, ein Mäntelchen, einen Umhang. Was bildet sich der Tommy eigentlich ein, dass er das Wort einfach so nutzt und wir den Umweg über Paris nehmen müssen? Ich muss mal mit Herrn Gabriel …

Übrigens, schon die Grimms mit ihrem Deutschen Wörterbuch (Anfang 19. Jahrhundert, gesammelt seit dem 16. Jahrhundert) schreiben dies: JACKE, f. eng anliegendes kurzes ermelkleid des oberkörpers, tunica, thorax. Das wort ist romanisch, franz. jaque ein waffenrock.

Also, die dentale Behandlung ohne Doppel-T: Jacketkrone, wegen England. Dort heißt sie jacket crown. Und wie nennt der Franzose das Zahn-Häubchen? Halten Sie sich fest, jetzt wird es hart, da müssen Sie durch.

La jaquette. Einfach nur Jäckchen. Der Franzose geht, fein gewandet mit jaquette zum Docteur und sagt: Une jaquette, s’il vous plaît.

Und ich setze Ihnen noch einen auf den Zahn: Ähnlich verhält es sich mit dem Wort Galerie, ganz oben im Bildchen. Und ja, ich brate Ihnen jetzt gerne einen Storch.

3 Kommentare zu "Dudens listige Liste, Tail 2"

  1. Leif-Ove Murayama | 23. August 2017 um 12:39 | Antworten

    Wie bitte? Loser ist ein deutsches Wort? Ja, klar, der steirische Berg schon. Aber der Duden meint hierbei dessen „Luhsa“ ausgesprochenes Homonym. Dafür gab’s doch schon ein deutsches Wort: Verlierer. Wo bleibt da der Mehrwert? Und: Wie kann man das falsch schreiben? Als ob einem to lose „verlieren“ nicht schon im ersten Jahr Englischunterricht beigebracht werden würde. Im Gegenteil dazu gehört loose „locker“ wie in to suffer from loose bowels „Dünnpfiff haben“ nicht gerade zu den Grundvokabeln.
    Bei schwierigen Wörtern mit L muss ich zugeben, das immer nachschauen zu müssen: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – mein kymrisches Sprachgefühl war nie berühmt, verkümmert, könnte man sagen. Hingegen fiele es mir bei M nicht im Traum ein, nach Merkel im Duden zu suchen, nach Schmidt und Schröder unter S oder Kohl unter K ebenfalls nicht. Was folgt als nächstes Aufnahmekriterium, liebe Duden-Redaktion? Alle deutschen Nationaltorhüter? Alle deutschen Kanaldeckelfabrikanten? Oder Wörter wie „Hygge“: Wozu soll dessen Aufnahme ins Deutsche gut sein? Das versteht doch spätestens südlich von Niedersachsen kaum jemand mehr. Fragt doch mal einen Südtiroler, was „Hygge“ ist. Der wird Euch resolut „Nicht Hygge, das heißt ‚Hütte’!“ darauf antworten. „Gemütlichkeit“ kennt man hingegen auf jedem deutschsprachigen Flecken.
    5000 neue Einträge im aktuellen Duden. Das hört sich eigentlich gut an, aber Qualität erwarte ich auch, nicht nur Quantität. Auf Nachnamen sowie Fremdwörter ohne Mehrwert kann ich gerne verzichten. Und damit bin ich wohl nicht der Einzige.

  2. Nur für die, die es interessiert wie man den walisischen Ortsnamen, den Herr Murayama erwähnt, ausspricht und was er bedeutet: Schaut hier nach: http://llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.co.uk/say.php

    Viel Spaß!

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