Sprich! Mich! An!

130830_HohenheimWir blicken mal wieder mit großer Freude ins Schwäbische, zur Uni Hohenheim. Deren Wissenschaftler haben den sogenannten Hohenheimer Verständlichkeitsindex entwickelt, mit dem sie jede Art von Sprache und Text auf Verständlichkeit untersuchen. In letzter Zeit traf es die Reden deutscher Vorstandsvorsitzender – das Ergebnis haben wir hier dokumentiert. Übrigens, Peter Löscher, ehemals der Regierende bei Siemens, ist nicht mehr dabei. Besteht da ein Zusammenhang? Klares Nein.

Nun geht an die Sprache der Wahlprogramme. Ich darf hier die Mitteilung des Vereins Deutsche Sprache zitieren, der Einfachheit halber: Wissenschaftler um Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim untersuchten die Parteiprogramme auf Verständlichkeit und kamen zu dem Ergebnis, dass im Durchschnitt die Verständlichkeit der Bundestagswahlprogramme mit 7,7 Punkten im Vergleich zu 2009 (mit 9,0 Punkten) gesunken ist. Brettschneider erklärte: „Mit ihren teilweise schwer verdaulichen Wahlprogrammen schließen sie (die Parteien) (…) einen erheblichen Teil Wähler aus und verpassen damit eine kommunikative Chance.“ Überlange Sätze, Fachbegriffe, Fremdwörter und zusammengesetzte Wörter erschweren die Verständlichkeit, schließen Leser aus und sorgen für eine niedrige Punktzahl auf dem sogenannten „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“, der von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) reicht. Insgesamt schneide das Programm von CDU/CSU (9,9) diesmal am besten ab, so Brettschneider. Die Grünen (8,4) liegen auf Platz zwei, gefolgt von SPD (7,3) und FDP (7,3). Am unverständlichsten sei das Programm der Piratenpartei (5,8). Dafür seien die besonders vielen englischen Wörter und Begriffe wie „Comprehensive Test Ban Treaty“ – der Kernwaffenteststopp, ML – oder „Privacy-by-Design“  – Datenschutzregeln, ML – verantwortlich. Die Themen Außen- und Sozialpolitik beanspruchten bei allen Parteien (mit Ausnahme der Piraten) den größten Raum, gleichzeitig waren dies die unverständlichsten Textpassagen.

Noch nicht alles klar? Dann schauen Sie doch einmal hier die Stuttgarter Zeitung, aus der ich auch das Bild gemopst habe.

Im Deutschen Sprachkompass des Monats August habe ich mich in einem langen Text mit Beispielen, aber völlig unwissenschaftlich, mit der Sprache auf den Plakaten der Parteien befasst, die derzeit die Optik des Stadtbilds bestimmen. Wenn Sie das lesen wollen – den Sprachkompass gibt es nur in gedruckter Form.

Ihnen ein sehr feines Wochenende!

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