Aufs Trotzigste ins Ewiggestrige

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Haben Sie gestern den Tatort des Bayerischen Rundfunks gesehen? Ein durch und durch verstörendes Werk von Dominik Graf, dem Großen, über das einige Schauspieler sagen, sie hätten das Drehbuch mehrmals lesen müssen, ob es zu verstehen.

Die Kritiker sind sich nicht einig. Einige sagen: großartig!, andere reiben sich an der Undurchdringbarkeit der Geschichte. Beispielhaft hier die Worte des Spiegel, klicken Sie bitte.

Links sehen Sie einen Ausschnitt aus der Berliner Zeitung, Online-Ausgabe, und es geht mir nicht um das, was die Kollegen dort schreiben; es geht mir um ein oder zwei oder vier Wörtlein: Streng genommen ist „Aus der Tiefe der Zeit“ kein moderner, sondern ein aufs trotzigste rückwärtsgewandter „Tatort ….

Haaaaaaa, aufs trotzigste …. Welch ein Ausdruck!

Klingt formidabel. Soll auch so verstanden werden. Ist aber leider ein wenig falsch. Aufs trotzigste/Auf das trotzigste sieht das Adjektiv trotzig zum Nomen erhoben in einer Steigerungsform. Ja, das gibt es. Lesen Sie einmal diese Beispiele: Das Größte an ihm aber war seine Noblesse, mit der er … das Unfertige an ihm zog sie an … Gleichwohl: Die größte aller Tugenden aber ist die Gelassenheit … er kam mit zwei Arbeiten, einer fertigen und einer unfertigen.

Sie erschaudern? Schauen Sie genauer hin: In den ersten beiden Beispielen (das Größte … das Unfertige) steht das Adjektiv substantiviert – gar als Subjekt der Sätze –, und allein. Es findet in seinem Satz keinen Bezug, dem es sich als kleingeschriebenes Adjektiv unterordnen kann.

Im dritten und vierten Beispiel (die größte aller Tugenden … unfertige Arbeiten)  kommen größte und unfertige als Adjektiv, das bei Tugenden und Arbeiten steht. Die vier Beispiele zeigen gänzlich unterschiedlich gelagerte Adjektive.

Dass es sich im Satz aus der Berliner Zeitung um ein Nomen handeln muss, sehen Sie auch an dem vorgelagerten Wort: Das Wörtchen aufs ist nichts anderes als die Präposition auf plus Artikel das zusammengezogen – und, vollkommen richtig!, ohne Apostroph gesetzt. Richtig wäre also hier … aufs Trotzigste …

Zwei Zeilen weiter unten lesen Sie eine ebenfalls feine Konstruktion: …das ewig gestrige Nationalgefühl … Einfach, oder? Das Adjektiv gestrig wird durch ein Adverb verstärkt, ewig. Vollkommen richtig. Machen Sie aber aus diesen beiden Wörter ein dudenkonformes Ewiggestrig, so ziehen Sie die beiden Wörter zu einem Nomen zusammen: die Ewiggestrigen … das Ewiggestrige an ihm.

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