Wie meint er das denn?

160725_InquitWir lesen heute den Auszug aus einem Roman, der in diesem Jahr erschienen ist. Genre: Krimi. Stand der Dinge: recht erfolgreich. Meine Ansicht: Ich verstehe den Erfolg nicht. Und wie immer gilt: Ich sage nicht mehr, um den Autor oder die Autorin nicht in Misskredit zu bringen.

Also, was haben wir? Man redet über Namen. Und dann fällt der Satz, um den es mir hier geht: „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“, versuchte A. offensichtlich ihr Vertrauen zu gewinnen.

Hallo? Geht’s noch? Schreiben wir für Einzeller? Machen wir Deutschunterricht für Amöben?

Ein Schub: Ich versuche es an einem Beispiel, das meinen aktuellen Gemütszustand widerspiegelt: „Warum muss ich mich jeden Tag mit diesem abgefeimten Affenmist befassen? Ich dreh noch durch!“, brüllte er aus dem Büro auf die Straße und dort den nicht nur vergreisten, sondern auch erstaunten Passanten in seiner ruhigen Wohngegend zu, um ihnen klarzumachen, dass er es leid war, sich mit diesem abgefeimten Affenmist zu beschäftigen. Überzogen, stimmt nicht – aber passt! Einschub Ende.

Zurück zum Text: Da findet also jemand den Namen recht hübsch. Ansichtssache, fein. Und weil die Autorin dem Zitat, das sie dem Herrn oder der Dame in den Mund legt, nicht traut, tut sie, er, der Autor was? Er erklärt den Satz. Gut, der Sprecher will was? Will er Kohlsuppe? Nach Hause gehen? Fußball schauen? Sich die Zehen pulen?

Nein, er will der Dame schmeicheln. Er will ihr Vertrauen gewinnen. Er will sie unterstützen beim Lebensthema, das da lautet: Ich finde meinen Name so blöde. Himmel, hilf! All das steckt schon drin im Satz „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“ Und dann, wie weiter?

Die wäre es damit: „… finde den Namen ehrlich gesagt recht hübsch“, sagte er.  Das reicht. Mehr braucht es nicht. Und wenn das Gesagte in seiner Kraft nicht ausreicht, möge die Autorin in ihrer künstlerischen Freiheit bitte einen anderen Satz basteln, statt irgendwas Erhellendes anzuhängen.

Dieses Phänomen des erklärenden Nachgangs zur wörtlichen Rede ist eines meiner Lieblingsthemen. Geneigte Leser dieser kleinen, feinen Seite wissen das. Man nennt den Abgang, den Nachgang zur wörtlichen Rede Inquit, lateinisch: er sie es sagt. Und wenn Sie mehr darüber wissen wollen, suchen Sie auf dieser Seite mit diesem Stichwort.

Ihnen eine beste Woche – ohne Terror. Passen Sie auch (Danke, Markus!) auf sich auf!

3 Kommentare zu "Wie meint er das denn?"

  1. ha, lieber kollege lohmann, genau mit diesem „never ending theme“, schlage ich mich derzeit rum. üppigst, bedauerlicherweise.
    danke für die bestätigung, dass das derart verbreitet ist unter autoren. so fühle ich mich weniger allein als lektorin.

    nachgangstreichende grüße

  2. So lange Nachgänge sind und lesen sich wirklich lästig, aber ein ständiges „sagte er“ halte ich für langweilig bis nervig. Herzlicher Nachgruß von Petra Weise

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