Ein Blick in die Zeitung

Zum Wochenbeginn mal die ganz normale Kärrner-Arbeit eines Korrektors. Ich greife mir meine Heimatzeitung, die Nürnberg Nachrichten vom Wochenende, schlage die Wirtschaftsseite auf und markiere für Sie von 1 bis 6 jene Punkte, an denen ich etwas zu sagen habe. Ganz einfach, mal gibt es Lob – mal greift der Oberlehrer Lämpel in mir zum kleinen Rohrstock. Thema des Artikels: Die Querelen zwischen einem fränkischen Automobilzulieferer und einer Investorengruppe.

Fangen wir also vorne an, bei …

Punkt 1. Der Hastor Anwalt heißt vielleicht in den USA … the Hastor lawyer … vollkommen bindungslos, in Deutschland fügen wir einen Bindestrich ein, es sei denn, wir sind Betreiber eines Blumen Kaffees oder einer Tages Zeitung. Das wissen die Jungs und Mädels von den Nürnbergern eigentlich auch, denn in …

Punkt 2 haben sie es gleich richtig zum Hastor-Anwalt gebracht.

Punkt 3. Klasse. Selten genug, aber das Kaufmanns-Und wird hier richtig gesetzt. Es sollte nur in Verbindungen stehen, die so etwas wie den Namen von Firmen markieren. Gau & Weiler, beispielsweise. Gau & Weiler, Fußpflege für Gäule & Kühe wäre nur im ersten Teil, zwischen den Namen, richtig. &(!) das sagte ich schön öfter.

Punkt 4. Ob Sie hier ein Komma setzen, ist mir und dem Duden wuppe. Ich würde eines setzen, weil Wie berichtet ja schon einen Kleinstsatz repräsentiert, Wie wir berichteten … Der Duden zieht die kommalose Variante vor.

Punkt 5. Die Nürnberger machen ihre Schlappe aus Punkt 1 wieder gut. Baader-Bank mit Binder. Einen rauf! Das Motto dieser Bank hier zu erwähnen, verkneife ich mir: Baader-Bank, wir waschen alles …

Punkt 6. Die Just-in-Time-Lieferung ist ein netter Versuch, das kleine englische time in die große deutsche Zeit zu übertragen. Leider fehlgeschlagen. Das Ding heißt nun mal just-in-time, ist nichts als ein Zeitadverb wie rechtzeitig und wird hier – indes nur – eingangs großgeschrieben, weil die Lieferung am Ende es zu einem Nomen macht, brav gekoppelt. Just-in-time-Lieferung wäre das Wort der Wahl. Ja ja!

Zu trocken dieser Ausflug in den deutschen Sprach-Alltag? Morgen lasse ich es wieder krachen, versprochen! Es geht um eine Wortdoppelung in einem Wort.

4 Kommentare zu "Ein Blick in die Zeitung"

  1. Leif-Ove Murayama | 22. Mai 2017 um 17:50 | Antworten

    Bemängeln würde ich außerdem:
    „Wie berichtet hofft Hastor in der Hauptversammlung auf eine Mehrheit und will die Kontrolle im Grammer-Aufsichtsrat übernehmen und den Vorstand feuern.“ – Zwei Unds in einem Satz klingen meistens holprig: Erstes entweder durch Beistrich ersetzen oder zweites gegen „sowie“ austauschen. Oder man formuliert mittels finalem Satz um: „Wie berichtet hofft Hastor in der Hauptversammlung auf eine Mehrheit, um die Kontrolle im Grammer-Aufsichtsrat zu übernehmen und den Vorstand zu feuern.“ Alle drei Varianten wären auch vom Platz her problemlos zu realisieren gewesen.
    „Den Hastors gehört die Prevent-Gruppe, die im letzten Sommer im Streit […]“ – „Im letzten Sommer“ ist Umgangssprache. Daher würde ich zur Korrektur auf „vergangenen Sommer“ raten („im“ vor „vergangenen“ ist nicht unbedingt notwendig; so wären nicht zwei Ims innert vier Wörter). Wieso? Was ist der Unterschied? Wäre es tatsächlich der letzte Sommer, würde kein Sommer mehr folgen.
    Zur Bank sei noch gesagt: Sie heißt Baader Bank. Bindestrich passt nicht, denn eine Baader-Bank gibt’s meines Wissens nicht.
    Bei allen anderen Punkten gehe ich mit Ihnen d’accord, nur: Nix trocken, sondern interessant. Danke. Sollte das doch trocken gewesen sein, dann schicken Sie uns hier bitte öfters in die Wüste.

    • Danke, Herr Murayama, vor allem für den Hinweis auf die „Baader Bank“; da sträubt sich in mir fast alles – Thema: Übernahme der Eigenschreibweise in den Journalismus –, aber bemängeln sollte ich es nicht, lediglich anmerken.

  2. Leif-Ove Murayama | 23. Mai 2017 um 10:22 | Antworten

    Ungeachtet der wahren Namensfindung stelle ich mir immer vor, die Bank wurde nach dem Ort Baad benannt. Dann wäre auch die Eigenschreibweise orthographisch korrekt. Bei anderen Firmennamen wie etwa voestalpine tue ich mir mit dieser Methode hingegen schwer. Nicht nur wegen des kleinen v: Wer würde einen Ort schon Voest nennen?
    Aber freilich: Ob eine Zeitung, Magazin etc. eine Namensschreibung eins zu eins übernimmt, ist immer Chefsache, nicht die der zu schreibenden Firma und auch nicht die der deutschen Rechtschreibung. Mein „Bindestrich passt nicht“ passt nicht.

    • Feine Klinge, Herr Murayama, Ihre feine Klinge brachte mich dazu, der Causa auf den Grund zu gehen. Der Name der Bank hat etwas mit dem Gründer namens Baader zu tun. Demnach hieße „meine“ Bank nicht etwas mit Vornamen Park (bin ja auch kein Koreaner), sondern „Lohmann-Bank“ oder „Lohmanns Bank“ oder „Lohmann Bank“.

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