An die Mauer

Jörg Maurer heißt der Autor, er schreibt sehr gut und sehr unterhaltsam hintergründige Krimis, die in Garmisch-Partenkirchen spielen. Sie sind erschienen bei Fischer, verkaufen sich gut – und ich habe mal wieder eines von Maurers Werke auf dem Kindle gelesen: Felsenfest. Alpenkrimi. Hat mich bestens unterhalten – insofern: Empfehlung.

Ich lege Ihnen einfach nur mal drei Beispiele aus diesem Verlagsbuch vor, bei denen ich mich frage, ob da sorgfältig genug gearbeitet wurde. Oben sehen Sie das erste:

… am Abgrund stand, zitterte vor panischer Angst.

Also, sie zitterte. Vor Angst. Gut, aber muss die Angst dann auch noch panisch sein? Reicht da nicht: Sie zitterte panisch. Oder: Sie zitterte vor Angst? Wenn jemand am Abgrund steht und wirklich Angst hat (das hat musste mal einer aufmerksamen Leserin sei Dank), muss der Autor dann noch einen draufsetzen?

Nächstes Beispiel, gleiches Werk …

Ohne Worte, oder? Zeigen Sie mir ein großes Döschen – und ich schweige. Übrigens, ein Fehler, den ich häufig finde. Das Diminutiv des Nomens (Döschen, Verkleinerungsform von Dose) wird flugs durch ein kleines, winziges, schmales ergänzt. Dem Autor entgeht so etwas, dem Lektor … manchmal.

Nächstes Beispiel, gleiches Werk …

Holla. Fehlt uns da die Taste für ein Apostroph?

2 Kommentare zu "An die Mauer"

  1. Leif-Ove Murayama | 21. Februar 2018 um 9:41 | Antworten

    „Die maskierte Figur, die am Rand des Abgrunds stand, zitterte vor panischer Angst.“ – Soll hier Spannung erzeugt werden? Dann ist der Satz m. E. zu lang. „Die maskierte Figur am Rand des Abgrunds zitterte vor Angst.“ Aus. Nichts weiter. Keine zweite Tätigkeit. Ob besagte Figur stand, erfährt der Leser ohnehin gleich darauf: „Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten, sie drohte in den Knien einzuknicken […]“ Auch hier würde ich kürzen, um dem Ganzen (zumindest ein wenig) mehr Spannung zu verleihen: „Sie“ nach dem Beistrich ist überflüssig. Statt „dadurch“ „so“ schreiben und „von selbst“ sowie „in den Ab-[grund]“ weglassen. Letzteres hatten wir schon im vorangehenden Satz, die Figur wird sich wohl kaum in der Zwischenzeit von dort wegbewegt haben. Wozu das Kürzen? Kurze Sätze sind viel eher in der Lage Spannung oder auch Panik auszudrücken, als es lange vermögen.

    „Dort hatte er ein kleines Döschen vorgefunden mit einem Zettel […]“ – Diese Wortstellung verträgt ebenfalls eine Überarbeitung.

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