Wenn der Jahn schraubt und dreht

Am Wochenende passierte Aufsehenerregendes, also für Fußballfreunde, aber da gleich für alle: Jahn Regensburg (Zweite Liga, mit Ambitionen auf die Erste) spielte gegen Fortuna Düsseldorf (Zweite Liga, mit noch stärkeren Ambitionen auf die Erste, aber da sei der Clubb aus Nürnberg vor). Die Regensburger – Fachsprache: der(!) Jahn – … also, der Jahn lag nach fünfundzwanzig Minuten mit 0:3 hinten. Und gewann noch 4:3. In der gesamten Bundesliga, so las ich dann, drehten(!) genau zehn Mannschaften ein 0:3. Ja, sie drehten(!) – ein 0:3 um.

Unser heutiges Tagebuch befasst sich, Sie ahnen es, mit der Sprache der Fußballberichterstatter, Quelle: Kicker online.

  • Ein Ergebnis wird nicht verändert, man schraubt an ihm. Pentke hätte auf 0:4 schrauben können. Lies: Eine Umdrehung mehr.
  • Der Aufsteiger, also: der Jahn, bringt sich selbst wieder ins Spiel zurück. Die Spieler waren nicht in der Kabine, sie spielen einfach besser. Wahlweise die Variante davon: Der Gegner bringt die andere Mannschaft wieder ins Spiel zurück, wenn er schlechter spielt oder patzt: Diese Rote Karte bracht die Borussen wieder ins Spiel. Lies: Ein Spiel hat mindestens neunzig Minuten. Oder: Wer den Sack nach einem 2:0 nicht zumacht, ist selbst schuld. Wer ihn nach einem 3:0 nicht zumacht, geht in die Geschichtsbücher ein.
  • Wer kurz vor dem Tor einem Ball den entscheidenden Kick ins Tor gibt, staubt ab. Lies: Alles wieder sauber.
  • Wird der Ball, die Kugel, mit besonderer Schärfe getreten, reden wir von dreschen. Lies: So ein Flegel aber auch!
  • Und dann geht der Ball in die Maschen, ins Netz, ins Tor. Lies: Pars pro toto, ein Teil steht für das Ganze.
  • Dieses Einen-Ball-ins-Tor-Schießen nennen wir auch Klingelnlassen. Lies: Der Schiedsrichter als Klingel-Mann.
  • Oder: den Ball einschieben. Lies: Ob Pizza in den Ofen oder Ball ins Tor, ihr Schieber!
  • Und wer das Tor schießt, das ein Spiel aller Voraussicht nach entscheidet (ein 3:0 in der 85. Minute zum Beispiel), macht den Deckel drauf. Lies: Da brennt nichts mehr an. Da kommt keiner raus. Das sitzt, passt, wackelt und hat Dampf.
  • Wenn dann der Gegner doch noch ein Tor machen könnte, hat er noch einen Pfeil im Köcher. Lies: Der Robin Hood des Kickspiels.

Das musste auch hier mal gesagt werden. Ja, verehrte Leser, die Sie nicht mal wissen, wer den FC Bayern trainiert, mit einer solchen Fachsprache befassen sich am Wochenende Millionen – sie verstehen sich blind.

Und ich verstehe nicht – die Frage richtet sich an Kenner der Szene –, was mit der Überschrift …

Ein Spektakel: 2:3 statt 0:4

gemeint sein kann. Da fehlt doch irgendwie ein Tor, oder? Habe ich da eine Bananenflanke mit Fallrück im Kleinklein an der Fahne verpasst?

1 Kommentar zu "Wenn der Jahn schraubt und dreht"

  1. Leif-Ove Murayama | 27. Februar 2018 um 9:41 | Antworten

    „[…] der eine Minute zuvor noch knapp links vorbeigezielt hatte […]“ und „[…] doch Raman zielte alleine vor Pentke zu hoch (42.).“ – Zwischen zielen und schießen ist immer noch ein Unterschied. Auch wenn jemand vorbeizielt, kann er immer noch treffen. Man frage beispielsweise (wenn man schon keinen Fußballer an der Hand hat) einen Bogenschützen oder einen Biathleten. Die werden bei Wind gewiss nicht ins Zentrum der Scheibe zielen, sie zielen … vorbei, um es zu treffen. Oder andersrum: Beim Fußball ist viel Zielwasser zu trinken noch lange keine Torgarantie.
    Auf einen Nenner gebracht: Zielen kann der Spieler, wohin er will. Solange er trifft, wird seine Welt in Ordnung sein. Doch solange er nur zielt und nicht schießt, wird das wohl nichts.

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