Das sollte man noch mal Revue passieren lassen

Die Bayern haben das Pokalendspiel verloren, das ist nicht weltbewegend, das passiert, das mögen die Bayern bitte unter sich ausmachen. Einen guten Trainer haben sie ja wiederum in der kommenden Saison. Das regt mich auch nicht auf. Da gibt es anderes, kicker.de, beispielsweise, die Hochamts-Lesung der Fußballer.

Zu einer umstrittenen Szene schreibt das Blatt, es geht um den Schiedsrichter:

… obwohl er sogar nach Hinweis des Videoassistenten in die Review Area gegangen war …

Lesen Sie das? Was macht der Referee in diesem German Trophy Soccer Final. Der geht in die … ich schnappatme … Review Area.

Für Kenntnisfreie: Das ist jener Bereich des Stadions, in dem der Schiedsrichter sich einige Szenen des Spiels noch einmal anschauen kann, um seine Entscheidung zu festigen oder zu revidieren.

Und warum, bitte, muss das Review Area heißen? Warum nicht Video-Platz, Video-Stand, Video-Was-weiß-ich?

Es ist genau das, was ich beklage, bilderstürmend mögen Sie es vielleicht nennen: Ohne jede Not, ohne jegliche Not übernehmen wir einfach etwas aus dem Englischen. Schlimmer noch: Heinz Normalkicker begreift vielleicht, wohin der Schiedsrichter geht, und auch mit dem Begriff area kann er etwas anfangen, wenn er auf Areal schließt. Aber review? Himmel, wasn das? Ne Revue?

Revue-Areal? Tanzen die da für den Schiri Cancan?

Also, ihr Kickers, lasst das noch mal Revue passieren, bitte.

2 Kommentare zu "Das sollte man noch mal Revue passieren lassen"

  1. Leif-Ove Murayama | 22. Mai 2018 um 9:41 | Antworten

    Von der Nummer eins in die Versenkung

    Ich bin bei Fußballberichten bezüglich der Anglizismen generell etwas gnädiger als bei allen anderen Artikeln – man denke nur an Ausdrücke wie „Corner“ (Eckball) oder „Goalie“ (Tormann, -hüter). Auch ein „Out“ (Aus) lässt sich schnell verschmerzen, schließlich kam der moderne Fußball ja angeblich über England auf den Kontinent. Und „Trainer“ hat den „Übungsleiter“ schon vor langer Zeit ersetzt, sodass seine fremde Herkunft kaum mehr als solche auffällt.
    Doch „Review Area“ ist wieder einmal nur ein Armutszeugnis und ein weiterer Schuss ins eigene Knie. Damit hält man sich nebenbei nicht einmal an die eigenen Rechtschreibregeln, wonach es eigentlich Review-Area oder Reviewarea lauten müsste. Wenn die Muttersprache im eigenen Land schon so wenig Wert besitzt, wie soll sie dann im Ausland Beachtung finden? Sehr traurig, bedenkt man dass noch Anfang des 20. Jahrhunderts Deutsch die Wissenschaftssprache Nummer eins war. 1995 wurde der Niedergang dann massiv beschleunigt. Damals meinten die deutschsprachigen Länder, sich selbst mithilfe einer Reform, die niemand (außer vielleicht ein paar Verlage) brauchte, international zur Lachnummer machen zu müssen. Aber sollte man diesem Niedergang nicht langsam begegnen? Stattdessen forciert man ihn immer mehr, wie zum Beispiel durch diesen Fußball-Ausdruck.
    Gibt es in Frankreich nicht ein Gesetz gegen den Gebrauch unnützer fremdsprachiger Wörter und Begriffe? Vielleicht wäre das ein Lösungsweg. Ein anderer wäre, fremdsprachige Film- und Fernsehproduktionen nicht mehr zu synchronisieren, sondern mit Untertiteln zu versehen. So würden viele hirnrissige Übersetzungen und Anglizismen (die – so viel sei zur Ehrenrettung der Übersetzer gesagt – nicht zwangsweise auf Unkenntnis beruhen, sondern manchmal auch schlicht der Lippensynchronizität geschuldet sind) weder gemacht noch von Otto Normalverbraucher übernommen werden. Das hätte auch den Vorteil, dass Englisch (die meisten importierten Serien und Filme stammen ja aus dem anglophonen Sprachraum) schneller von den Kindern gelernt und die Aussprache besser beherrscht werden würde – siehe Norwegen oder Schweden. Vielleicht würde sich dann auch der durchschnittliche Mattscheibenkonsum verringern – gesundheitlich ein weiterer Vorteil. Doch wäre es mir neu, würde die eigene Sprache bei den Politikern einen derart hohen Stand genießen.

    Nach all der Ernsthaftigkeit folgt zum Ausgleich noch etwas zum Schmunzeln: „Beide Trainer“ im ersten Satz des „kicker.de“-Berichts ist zwar als Aufzählungsglied zu interpretieren, lässt sich aber auch problemlos als Apposition verstehen. Bei solchen Spielertrainern, die zu zweit gegen elf Frankfurter nur knapp verlieren, wozu brauchen die Bayern dann noch einen neuen Trainer?

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

*Anzeige: Die Seite enthält Links zu mehreren Webseiten, auf denen Sie Bücher bestellen können. Hierbei handelt es sich um Werbung. In eigener Sache zwar, aber Werbung bleibt Werbung, weshalb ich Sie an dieser Stelle darauf hinweise.