Consuela in Wuppertal

Bestellte neulich Wein. Der muss nach Wuppertal geliefert werden, aus welchen Gründen auch immer. Auf Empfehlung ertrüffelte ich einen Weinhändler vor Wupper-Ort. Schaute auf die Netzseite und fand eine Weinregionübersichtskarte (herrlich, welche zusammengesetzten Substantive das Deutsche erduldet, nicht wahr?) und entdeckte ein Piktogramm.

Das sieht so aus, wie Sie es im Bildchen sehen. Die flächengrößten Länder EU-Europas skizziert, verständlich. Warum fehlt da die große Insel? Ach ja, die sind ja bald raus, ganz generell, obwohl der Wein, der englische, ja wirklich … formidabel. Passend zu Fish & Chips, lautmalerisches Piktogrämmchen: rülps & würg!

So weit, so anschaulich, so wenig erwähnenswert. Aber ich mache es ja immer am Donnerstag, verehrte Leserinnen und Weintrinker, spannend. Denn das Bildchen zeigt nur den oberen Teil der Gesamtschau. Es fehlen: das wirklich erstklassige Weinland Oesterreich, ja, mit O und E, und das weniger europäische Weinland (dafür haben sie viele Rebstöcke aus der Alten Welt) Chile.

Und nun schauen Sie mal, wie die achttausend Nord-Süd-Kilometer Anden-Pazifik beim Lottoladen … ähh, bei der Weinquelle Hornig, Wuppertal, dargestellt werden …

Hatten wir nicht gestern die Diskriminierung, die in der Nutzung des Worts Hottentotten steckt? Abgebügelt.

Und nun? Das Chile-Bildchen schattenreißt (ein Wort, das Sie nur hier finden – und nie wieder, mit Gedenken an die große ω Lotte Reiniger) Consuela Maria Vigniolenzo, 22, eine mir wohl bekannte Rassige aus Cabernete Gran Plateau Pacifico, knapp viertausend Kilometer südlich von Santiago und 4.145 Meter hoch gelegen. In dieser Region wächst nur – Achtung, Önologen-Witz! – Eiswein: ebenso sonnen- wie Consuela-verwöhnt.

Einerlei. Wenn das nicht sexistisch ist! Hombre! Chicas, Gouchos! Wie kann man nur! Darum sollte sich der Spiegel mal kümmern. Und die Frauenrechtsverbände der Welt. Und der Udo Jürgens. Auf sein Lied Chilenischer Wein … ist so wie der Mut der Pferde warten wir heute noch. Ach ne, das war ja Argentinien, das mit dem Pferden und den Gouchos. Da nähmen wir als Piktogramm ein Rinderfilet. Das ist wenigstens fernab von Diskriminierung und / oder Sexismus.

Halt! Und was machen die Veganer mit einem Rinderfilet als Sinnbild für argentischen Wein? Man kann es eben nicht allen recht machen. Andererseits kannte ich mal eine Anna Maria Dolores de Plata, 21, aus Buenos Aires. Die könnte für den argentinischen Wein … Aber das gehört nun wirklich nicht hierher.

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