Guten Tag, wünschte er einen guten Tag

Es gibt ein paar Dinge, die mich ärgern, wenn ich meiner Haupttätigkeit als Lektor nachgehe. Unsaubere Manuskripte gehören dazu, also solche, die erkennen lassen, dass der Autor sich keine Gedanken gemacht habt über die Art, Überschriften, Abstände, Eigennamen oder wörtliche Rede zu gestalten. Eine andere Sonderlichkeit manch einer Autorin besteht darin, sogenannte miese Inquits zu nutzen. Nun denn, nur ich nenne sie mies; einigen fallen sie gar nicht auf.

Beginnen wir vorn. Ein Inquit (lateinisch: er, sie, es sagt) nennt man den Nachgang zu einer wörtlichen Rede. Ich bin gut zu Hause angekommen, sagte er. Sagte er ist hier das Inquit – und in diesem Beispiel vollkommen in Ordnung; es zeigt an, wer spricht. Mies wird das Inquit, wenn es das wiederholt, was soeben gesagt wurde. Nein, dann wird es ganz mies.

Also, ich weiß nicht so recht …

Maria, die das hier sagt, will damit ausdrücken: Ich bin echt so was von unschlüssig, ich habe keine Ahnung, was hier vor sich geht – und deinen Plan finde ich zumindest fragwürdig. Ich weiß nicht so recht ist im sprachlichen Umgang die klassische Formel für Ratlosigkeit.

Lesen wir weiter …

… sagte Maria am nächsten Tag unschlüssig.

Bong! Hau! Kinnhack! Zu Boden streck. Nichts anderes tut der Autor mit der Leserin. Der Autor sagt dem Leser: Du, ich habe da zwar in der wörtlichen Reden einen erstklassigen Satz hingelegt, den sogar Dummbeutel verstehen, die nur ihr eigenes Facebook- oder Twitter-Gedöns lesen. Aber weil du, Leserin, eventuell keine Idee davon hast, was ich meine – dumm, wie du nun mal bist –, sage ich es noch mal, damit sogar du es verstehst. Zitat-Ende.

Das ist nicht nur sprachlich ungeschickt (und lässt Profis die Spreu – die unerfahrenen Schreiber – vom Weizen – die erfahreneren – trennen), es ist auch unverschämt: Dämelack! Versteh mich endlich! Schüttel, schüttel! Muss ich es noch mal sagen?

  • Ich habe keine Ahnung, was ich Ihnen morgen, also am Dienstag, in diesem Tagebuch präsentieren werden, klagte der Schreiber dieses Tagebuchs ratlos.
  • Ich will den Hund jetzt Gassi führen, tat sie ihren Zeitplan bis sieben Uhr kund.
  • Ich bring dich um, wenn du noch ein Glas Cabernet Sauvignon mit Eis trinkst, apostrophierte der Gewaltverbrecher seine Mordbereitschaft.
  • Wirst du die Reise nach Kenia machen?, erkundigte er sich nach ihren Plänen.

Und noch ein ganz besonderes Inquit:

Guten Morgen, begrüßte sie ihn.

Und wir lernen daraus: Sobald Sie nach der wörtlichen Rede ein die Rede erläuterndes Verb einsetzen, das nicht direkt aus dem Umfeld der Sagen-Verben kommen, sollte bei Ihnen sämtliche Alarmglocken angehen, machte er auf die Gefahren der Inquits aufmerksam.

Kommentar hinterlassen on ""

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

*Anzeige: Die Seite enthält Links zu mehreren Webseiten, auf denen Sie Bücher bestellen können. Hierbei handelt es sich um Werbung. In eigener Sache zwar, aber Werbung bleibt Werbung, weshalb ich Sie an dieser Stelle darauf hinweise.