Der Speck ist weg …

Wenn das die heutigen Werber sähen! Mannomannomann. Das hat ja nichts Modernes. Da ist nichts. Nichts Englisches, nichts für die Generation Irgendwie 5.0, da gibt es keinen irren Link und keinen Barcode, keine Kampagne, kein Gewinnspiel, keinen Prominenten – und da wird genau das, was der Spruch sagt, auch noch zeichnerisch untermauert ohne irgendeinen preisverdächtigen Hintergedanken.

Die Werbung, die mein Sohn mir aus einem Zug in Nordrhein-Westfalen geschickt hat, gefällt mir gut, weil sie eben nichts Aufsehenerregendes hat. Die Botschaft ist klar: Kauft Klaren mit Speck! Was immer das genau ist, ein Klarer 38 VOL ‰, der mit Speck angerührt wird?

Also, zum Bildchen. Ein Mann, der im Struwwelpeter (den gab es mal, ihr Jungen, heute: Facebook) den Hausarzt hätte geben können, sitzt auf dem Koffer, hinter ihm dampft der Zug weg. Aber Dr. Peter Struwwel, im Nebenberuf – so scheint es – Bajazzo, ist bester Dinge. Er minnt jemanden an und wird sich im Bahnhofsrestaurant Erster Klasse (so etwas gab es mal, ihr Jungen, heute: McDonald’s) den Klaren genehmigen.

Der Zug ist weg! Auf diesem Schreck: Klarer mit Speck

Ich wette, das hat der Generaldirektor (den gab es mal, ihr Jungen, heute: Oligarch) oder der Fabrikant (den gab es mal, ihr Jungen, heute: CEO) selbst gedichtet nach dem Genuss dreier Flaschen aus seinem Sortiment. Arbeitszeit: drei Minuten; Kosten: null Mark (die gab es mal, ihr Jungen, heute: Bitcoins).

Mit dieser kleinen Erheiterung entlass ich Sie, lieber Aufmerksam_*/Innen, ins hoffentlich sonnenreiche Wochenende, von dem ich weiß, dass ich zum Montag keinen Beitrag werden leisten können. Dienstag ist auch ein Tag.
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Nachtrag in Dudens Sache
Der Duden Verlag hat eine neue Seite im Internet, auf der jeder seine Texte auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen kann. Ich habe mit dem Duden vereinbart, hin und wieder meine Texte gegen diese Seite laufen zu lassen. Sie hört übrigens auf den Namen ω Duden.Mentor.

Kann man lassen, alles gut gemacht, Herr Mentor! Auch Ihnen ein feines Wochenende!

Halt, nicht ganz! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? (Das gab es mal, ihr Jungen, Werbung für HB, heute: E-Cigarettes). Das Komma hinter Bajazzo (es schließt die Apposition) habe ich nachträglich eingefügt. Hätte der Mentor monieren sollen.

1 Kommentar zu "Der Speck ist weg …"

  1. Leif-Ove Murayama | 14. August 2019 um 17:34 | Antworten

    Das macht ein CEO also, er fabriziert (Luftschlösser, Tagträume, vermutlich). Wieder ein Rätsel weniger. Doch bin ich nicht der einzige, der sich immer fragte, was ein CEO denn so tut: Vor ein paar Wochen kam ich in den Genuss des Kabaretts „Ein bunter Strauß aus Liedern“ vom Blonden Engel. Bekannt ist der Linzer Kabarettist vor allem durch seine Nespresso-Parodie „What else?“ (www.youtube.com/watch?v=8pfD1lhKPMU). In der vorletzten Strophe eines anderen Liedes (Liedtext siehe unten) geht er aber herrlich auf den „CEO“ und die Aufnahme dieses Ausdrucks in der deutschsprachigen Bevölkerung ein. Man lese aber nicht nur den vorletzten Absatz, sondern gleich sein ganzes Lied. Es lohnt sich.
    Anmerkung: Das ist nicht der offizielle Liedtext – den konnte ich nirgends finden. Deshalb habe ich ihn herausgeschrieben, wobei es sich als recht praktisch herausstellte, vor vielen Jahren einige Zeit in Linz verbracht zu haben. Für alle mit dem Mittelbairischen weniger Vertrauten: Mit Glåmpfn (Klampfe) ist die Gitarre gemeint und das Jauggal (Jauckerl) ist die Spritze. Lada ist kein Auto, sondern die Leiter. Sollte irgendein Wort noch Schwierigkeiten bereiten, einfach fragen.

    Blonder Engel – Håsd dei Glåmpfn eh dabei?

    Neilich woar i eiglådn, bei am Fesd von am Bekånndn
    Ana Feia von am Freind, ana Party vo Vawåndtn
    I foahr hi, die Dia gehd auf. „Hereinspazierd, dridd ei!
    Ålle gfrein si scho, dass d’ då bisd. Håsd dei Glåmpfn eh dabei?

    Na wei i håb die Leid dazöhd vo dia und vo deim glassn Sound
    Håb di globd in höchsdn Dönen und jetzd san s’ scho fuachdboa gspånnd
    Du, mågsd uns ned an aufspün, a, zwa Liadln oda drei?
    Oda åchde, zehne, zwöfe? Håsd dei Glåmpfn eh dabei?“

    Des head ma ofd ois Musikand und ma duad’s a meisdns gean
    Wei schliaßlich lebd ma jå davon, dass an die Leid gean hean
    Åba hia und da, da dad i hoid gean afåch moi wo sei
    Ohne dass mi glei wea frågd: Håsd dei Glåmpfn eh dabei?

    Und drum schmeiß i jetzd a Fesdl und i drah die Gschichd doad um
    He, i låd ålle meine Freind ei, und a jeda sågd: „I kumm.“
    Und dånn steh i in da Dia, reib ma die Händ, schau, es wiad Zeid
    Jå des wiar i jetzd afoahn, då kumman scho die easchdn Leid

    Da Easchde woa da Andi, vo Beruf Inschdalladäa
    Jå, du, den schigg i glei aufs Heisl, wei die Spülung gehd ned mehr
    Und im Gschiaspüla stehd’s Wåssa, und des soid doch so ned sei
    „Kånnsd du des moi åschaun, håsd dei Rohrzång eh dabei?“

    Da Nächste woa da Ernstl, und i såg: „Endlich bisd då
    Wei im Schlåfzimma håd’s gfeichdld, da Vabutz, er bladdld å
    Doch a Målamasda, so wie du, der håd des sicha glei
    Håb da d’Lada eh scho aufgstöd. Håsd dei Spåchdl eh dabei?“

    Zu meim Buchhoida, ’m Koarl, såg i: „’s Büro, es is då hind
    He, geh schau ma gach, ob se ned doch nu wås zum Åschreibn find!“
    Und sei Frau, de is a Äaztin, und mia foahd da Schmeaz gråd ei
    Die fråg i, ob s’ mi infiltriern kånn: „Håsd dei Jauggal eh dabei?“

    Wiaglich ålle håb i eiteid, a ’n Erich, mein Frisäa
    I woa scho ewig nimma Hoaschneidn. „Geh schau hea, då håsd a Schea!“
    Nur fian Sepp is ma nix eigfoin, der is nämlich CEO
    Då woaß kana rechd, wås duad a, åba drotzdem woar a då.

    Es woar a glasses Fesdl. Na, ned amoi håd si’s zahd
    Ålle håbm si wås zum Doan gwussd, bis auf an, dem woa scho fad
    Und der ane woar i söba, bin då gsessn, gånz alla
    Drum bin i gånga in mei Zimma und då håb i gspüd Gita

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