Nicht zum Ausholden

In Nürnberg zu leben, heißt, den Widernissen des Voralpinen täglich ins Auge zu blicken. Wir Franken sind umtost von Schneestürmen, auf unebenen Wegen unterwegs, auf Schotterpisten um den Hauptbahnhof. Immer wieder stehe ich vor vor der Aufgabe, beim Anstieg zum Edeka oder zum Espresso sturmgeknickte Bäume zu umfahren. So beschoss ich, mir endlich einen Stadtgeländewagen zuzulegen, einen SUV. Meine Wahl fiel auf einen Defender, Range Rover Defender, die haben jetzt einen neuen.

Las also Autobild, neben Autor Motor Sport die Hohe Bibel meiner Gesinnungsklasse, die überschrieben ist mit: je mehr PS, desto krachbums, desto irrer, desto angesehener. Und was entdeckte ich zum neuen Defender bei Autobild?

Wird der dritte Vordersitz nicht gebraucht, dient er umgeklappt als Armstütze mit Cupholder – pfiffig.

Als was?

Als Cupholder.

Sagen wir ja immer so. Die Damen tragen einen Büstenholder, ich werde der Holder des Fahrzeugs sein, und wenn einer mit dicken Daumen an der Straße steht, ist er ein Anholder. Im Badezimmer habe ich einen Zahnputzbecherholder. Rein fußballtechnisch ist Klopps FC Liverpool der aktuell Cup(!)holder. Und morgen Abend muss ich zu einer Sitzung der Hundeholder hier im Viertel, die lassen ihre Waldis so frei laufen, dass wir SUV-Holder immer wieder die Hundehaufen umfahren müssen, um die Superbreitfettreifen nicht zu beschmutzen. Ich hoffe, ich kann da an mich holden, sagte ich zu meiner Holden.

Herrschaftszeiten, ihr Pappnasen, ihr dumpfbackigen After-Plapperer, ihr Nichtsholdenkönner, das heißt Becherhalter!

Becherhalter!

Deutscher Alltag! Ohne Not wieder!

Mein ω Ceterum censeo, meine Dauerklage, der nie was geschenkt wird? Gehör!

Ohne Not einfach so den englischen Begriff einfügen. Und keiner meckert. Nur einer. Ich bin es manchmal leid. Das ist ja nicht zum ausholden.
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Nachtrag in Dudens Sache
Der Duden Verlag hat eine neue Seite im Internet, auf der jeder seine Texte auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen kann. Ich habe mit dem Duden vereinbart, hin und wieder meine Texte gegen diese Seite laufen zu lassen. Sie hört übrigens auf den Namen ω Duden.Mentor.

Nichts Dramatisches, kann man lassen.
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Nachtrag in eigener Sache
Von heute Abend an gehe ich wieder mal in eine Tag- und Nacht-Lektoratswoche. Sie werden erst am kommenden Montag wieder etwas von mir lesen. Bis dahin erwarte ich von Ihnen, sich mit den Beiträgen September 2015 meiner deutschmeisterei.de zu befassen. Auf dass Sie alles beholden; ich werde Sie abfragen.

 

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