Gesucht: Haushälter

Ich hoffe, Sie stehen nicht Kopf, wenn ich Ihnen das heutige Beispiel mit dem Tagesmotto Substantiven in Verben präsentiere. Ich breche mal wieder eine Lanze und die Bahn für Neuerungen. Geübte Leser dieses kleinen, feinen Tagebuchs merken sofort, dass ich am frühen Morgen mal wieder Dummsätze produzieren musste, um mich und Sie bei Laune zu halten.

Schauen wir uns meinen ersten Satz da oben an. Der ist richtig. Das Verb kopfstehen gibt es. Und wenn wir dieses Verb konjugieren, kann so etwas herauskommen wie: Ja, er stand Kopf. Mit großem Kopf.

Eine Lanze brechen ist eine stinknormale Konstruktion und hat mit einem Substantiv in einem Verb nichts zu tun.

Das Verb bahnbrechen habe ich soeben in Anlehnung an das Adjektiv bahnbrechend frisch erfunden. Man muss es hier deshalb auch nicht weiter erwähnen.

Im Bildchen aber finden Sie das Verb haushalten. Und das ist durchaus interessant und Aufhänger für den heutigen Tag.

Sie sehen einen Ausschnitt aus einem Buch, das zu bearbeiten ich gerade die Freude habe. Darin lesen wir …

Wenn sie gut Haus hielten, würde es noch ein paar Tage reichen.

Im Buch, so viel sei verraten, geht es um Wasser. Und nun die Frage: Ist das richtig? Schreibt man das so?

Ich machte das, was ich sehr, sehr oft in solchen Fällen tue – leider manchmal auch nicht, zu meinem Leidwesen und zur Freude von Lesern, die mir vollkommen zu Recht Fehler nachweisen: Ich bilde mir eine Meinung und schaue dann nach. Meine Meinung: Irgendwie in Anlehnung an Ich stand Kopf wird das schon stimmen. Wobei mich das Bild nachhaltig verwirrte, in dem ich mich ein Haus halten sehe.

Der Blick in den Duden klärte mich auf. Ich lag falsch. Was Sie oben sehen, ist falsch. Ich darf den Duden zitieren: sparsam wirtschaften; mit etwas sparsam, haushälterisch umgehen: mit dem Wirtschaftsgeld, den Vorräten haushalten; er kann nicht haushalten; mit ihren Kräften hat sie nicht gehaushaltet.

Das ist ja nicht zum Aushalten(!), was diese Sprache einem zumutet, nicht wahr?

2 Kommentare zu "Gesucht: Haushälter"

  1. Leif-Ove Murayama | 2. Oktober 2020 um 6:22 | Antworten

    Von Zumutung würde ich hier nicht unbedingt sprechen. Eigentlich ist die deutsche Sprache in diesem Fall seit 2006 recht konsequent, schreibt man doch „kopf“ in „er stand kopf“ ebenfalls klein. Das ehemalige Canoonet (in diesem Jahr von leo.org übernommen) auf https://dict.leo.org/grammatik/deutsch/Rechtschreibung/Regeln/Getrennt-zusammen/Verb.html#id=Anchor-Verben-14210, korrekturen.de (www.korrekturen.de/wortliste/kopfstehen.shtml) sowie der Duden (www.duden.de/rechtschreibung/kopfstehen) sprechen sich unisono für Kleinschreibung aus. Folgt man Dr. Bopps Erläuterungen zu „leidtun“ auf https://blog.leo.org/2010/04/10/es-tut-mir-leid/, schrieb man „er stand Kopf“ in Analogie zu „Es tut mir Leid“ nur bis 2006 groß.
    Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber nein, es macht mir keine Freude, Fehler nachzuweisen. Es macht mir Freude, wenn andere aus Wissen, das ich vermitteln konnte, einen Nutzen ziehen. Außerdem halte ich Fehler nicht per se für etwas Schlechtes. Gerade die eigenen Fehler sind die besten Lehrmeister, die man haben kann. Jeder Mensch darf Fehler machen, das ist Teil des Menschseins. Wichtig ist allerdings, sie nicht zu wiederholen.

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