Nasse Nacht

Da ist man als Autorin so richtig im Schwung, man hat das Gefühl, jetzt genau bei der Figur zu sein, sie genau zu beobachten, sehr präzise zu schreiben, mit ganz viel Herzblut, mit ganz viel Emotion. Und dann kommt irgend so ein hergelaufener Blogger daher und sagt: Es reicht! Sie übertouren! Fahren Sie mal zurück!

Hätte ich gern gesagt, aber dieses Buch habe ich nicht lektoriert. Wenn ich es lektoriert hätte, stünde es da so nicht.

.… das Bettlaken war feucht von seinem Schweiß, das Kopfkissen durchtränkt mit trüben Gedanken

Mal ehrlich, liebe Leserinnnen, lieber Leser, gefällt Ihnen dieses Wortspiel mit dem Befeuchteln des Bettzeugs, erst des Lakens, dann des Kissens mit Gedanken?

Okay, Sie wollen wissen, um was für ein Buch es sich handelt. Ich nenne keinen Autor und keinen Titel, ich sage nur: Es spielt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Nürnberg, und es geht in der Tat um Leben und Tod. Da ist nichts lustig. Da gibt es auch überhaupt kein Grund, mit irgendeinem Sprachwitz aufzuwarten.

Und gerade vor diesem Hintergrund, dem historischen, finde ich diesen ersten Satz noch viel unpassender.

2 Kommentare zu "Nasse Nacht"

  1. Also, ich kann mich mit dem durchtränkten Kopfkissen durchaus anfreunden. Wenn der Autor solch metaphernreiche Sprache mag, würde ich ihm das zugestehen; die Metapher erzeugt bei mir ein stimmiges Bild.

    Schlimmer finde ich die Beschreibung der Stationen vom dichten Nebel hin zum eisigen Fluss. Das sind vier ziemlich gedankenlos hingerotzte Klischees.

    Der Nebel geht ja noch, obwohl nicht einzusehen ist, warum Nebel immer dicht sein muss. Den Dornenwald gibt es nur im Weihnachtslied, das ja im Morgenland spielt, und dort wachsen tatsächlich Bäume mit Dornen. In Mitteleuropa haben nur die Schlehe und die Robinie Dornen, aber die sind beide kaum jemals in Wäldern zu finden. Ist Isaak also in Palästina auf der Suche nach der heiligen Jungfrau Maria? Das würde den Sand erklären, aber nun wird es bizarr, denn haben Sie schon mal Sand glühen sehen? Sicher ist glühendheißer Sand gemeint. Und natürlich, so wie die Suche immer fieberhaft und der Nebel immer dicht sein muss, ist ein Fluss entweder reißend oder eisig. Nach der Lektüre dieses Absatzes habe ich den Eindruck, in einem billigen Fantasy-Roman gelandet zu sein.

    Überhaupt sollte man sich als Autor mit Traumbeschreibungen zurückhalten. In einen Traum lässt sich alles reinpacken, und gerade deshalb empfinde ich es ein wenig als Mogelei. Ich möchte, dass die Helden ihre Träume für sich behalten und die Autoren es schaffen, Verwirrung und ähnliche Stimmungen anhand realer Vorgänge auszudrücken.

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