Aus den eigenen und mit fremden Federn

Es ist, ehrlich gesagt, durchaus angenehm, wenn Leser Anteil nehmen am Schreiber dieser Zeilen. Kaum erscheint dieses Blog für ein paar Tage nicht, erreichen mich Brieflein elektronischer Art: Was denn los sei? Ob dies ein Blaumachen vom täglichen Schreiben sei? Und dass es schade sei, wenn sich etwas ändere. Danke dafür. Ich bin wieder da, und jener Zeck – übrigens: die Zecke und der Zeck, beides dudentauglich – ist hoffentlich in den ewigen Jagdgründen. Mit den Folgen seines Bisses habe ich weiterhin zu kämpfen. Antibiotika sei dank! Ich bin aus den eigenen Federn wieder auferstanden.

140827_Legendo01Aber nun zu fremden Federn und dem Thema des Tages: Das Bildchen habe ich der Netzseite einer Gruppe entnommen, die sich das Lektorieren und Korrigieren fremder Texte auf die Fahnen geschrieben hat. Ich habe den Namen der Gruppe herausgestrichen – aus Gründen, die nachvollziehbar sind, denke ich.

Nun, wir fragen nicht, ob Fachtexte Pep erfordern. Ich lektoriere gerade eine wissenschaftliche Arbeit im Ingenieurswesen – da ist kein Pep drin, und der Autor weigerte sich gewiss, meine Rechnung zu zahlen, wenn ich schriebe: Da haben wir also den ollen Kran, und nun wollen wir doch mal schauen, ob wir dem nicht digital ein wenig mehr Power verschaffen können. Jessesmariaundjosef! Selbst in engmaschigster(!) Absprache – ist eine Absprache nicht immer eng, enger, warum ist sie dann engmaschig? – wäre der Auftraggeber zu Recht erzürnt.

Ich stoße mich vielmehr an diesen Satz: … Pep, kürzen oder verändern den Stil ihres Textes. Manno, dass der Lektor kürzt – geschenkt. Aber steht da nicht auch: Wir verkürzen den Stil Ihres Textes? Und selbst wenn man meine Lesart auch lesen kann, sollten Profi-Schreiber nicht in der Lage sein, sich so auszudrücken, dass eine zweite Lesart gar nicht erst denkbar ist?

140827_Legendo02Alles nicht dramatisch, denken Sie? Dann lesen wir doch einmal weiter: Lektoren seien – so das Klischee – verrückt nach allem, was man(n oder Frau) lesen kann. Hier stellen wir also quer durch alle Genren Bücher ... auaaaaaaaa!, liebe Kollegen, aua!

Ich habe beim Lesen selbst gestutzt und mich sofort bei Herrn Duden rückversichert: Gibt es vielleicht eine vorderasiatische Schreibweise des Plurals von Genre, eine südkorsische, eine aus den französischen Kolonien? Pustekuchen! Herr Duden schreibt: Gen|re [‚‹:r], das; -s, -s [franzšösisch genre < lateinisch genus, Genus]. Punkt. Da beißt die Maus keine Fäden ab.

Und über das Komma vor dem oder in der vorletzten Zeile möchte ich gern streiten. Gilt dieselbe Regel, nach der ich Und-Sätze bekomma-e oder nicht, ist es falsch: Ich setze dann ein Komma vor einem Aufzählungs-Und, wenn (1) der Handelnde wechselt – er wechselt im Oder-Beispiel nicht, Handelnder beider Sätze ist wir – und zusätzlich (2) der folgende Satz noch einen Nebensatz trägt oder eine Ergänzung. Ist hier nicht.

Wollen wir streiten? Aber Achtung, ich kenne mich mit Zecken-Töten aus …

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