Groß(!)-Schreibung

Liebe LeserDoppelpunktinnen, rund neun Jahre habe ich gesucht, um Ihnen ein einziges Mal etwas zu präsentieren, das ich Ihnen schon seit neuneinhalb Jahren präsentieren wollte. Sie ahnen gar nicht, wie groß meine Freude ist.

Schon oft habe ich versucht, Ihnen die Groß- und Klein-, die Getrennt- und Zusammen-Schreibung von Verben nahezubringen. Herrlich schon dieses letzte Wort: nahebringen, zusammen bitte! Schröbe man es auseinander, läse man: Er hat etwas nahe neben sie gestellt, einen Duden etwa.

Anderes Beispiel und immer wieder gerne genommen: der Unterschied zwischen krankschreiben und krank schreiben.

Ersteres grammatikalisch korrekt genommen, wenn einem nach dem Arztbesuch der Kopf noch schlimmer hämmert als vor dem Besuch, aber papierne Gewissheit im Aktenköfferchen schleppt, dass der Arzt das genau so gesehen hat und einen von der aerosolen U-Bahn-Fahrt ins Büro hat abhalten können. Man // frau ist krankgeschrieben.

Zweiteres grammatikalisch gern genommen, wenn man im maladen Zustand auch noch meint, etwas schreiben zu müssen: Er kann das nicht gesund geschrieben haben, er muss es krank geschrieben haben, so krank wie das ist, was wir hier lesen.

Und wir merken uns wiederholt die Regel des alten Faust, der schon zu Marthe Schwertlein schmierte: Zusammen schreibt man gern, wenn ein übergeordneter Sinn entsteht, getrennt, wenn beide Teile, Adverb und Verb, in der Wörter engster Bedeutung aufgefasst werden.

Ist nicht immer einfach. Ich behaupte weiterhin, dass dieses Phänomen zu den drei fehlerträchtigsten im Deutschen gehört. Ich selbst schaue nichts so oft nach wie genau dies.

Ich hatte immer ein Beispiel gesucht für das Verb großschreiben.  Auch weil die andere Seite davon, groß schreiben, so gar nichts mit der Faustregel zu tun hat. Bis ich eine Weinkritik im Weinportal Vivino fand. Und die lese ich Ihnen jetzt vor.

Was soll man zu einem Wein, der … gewählt wurde, groß schreiben?

Wir übersehen mal das falsche Beste im Text und widmen uns diesem Satz. Da hat das Adverb groß nichts, aber auch gar nichts mit Größe zu tun, mit Umfang, mit Macht. Der Duden führt es unter Punkt 6c) der Bedeutungen von groß als umgangssprachlich: in besonderer Weise, mit viel Aufwand verbunden: mal groß ausgehen …

Jetzt suche ich nur noch ein feines Beispiel für die Zusammenschreibung von großschreiben. Ja, da hab ich es. Im wunderbaren Beispielsatz mit dem Wein sehen wir das erste Wort, das Fragewort was. Wir müssen es großschreiben, weil es am Satzanfang steht.

Jetzt hammas!

2 Kommentare zu "Groß(!)-Schreibung"

  1. Ein tolles Beispiel! Und ich hadere, ob „Bester Rotwein“ nicht als Eigenname durchgehen kann. Aber was weiß ich als Weißweintrinker schon?

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