Sparchsnöden, Folge X: in keinster Weise

Schreiber und Sprecher machen Fehler, und wer hier welche findet, darf sie behalten. Es gibt indes Fehler, die immer wieder vorkommen. Auf diese dicken Hunde geht diese Serie ein, in loser Reihenfolge, also: immer, wenn mir danach ist, mal wieder den Herrn Besserwiss zu geben, den vermeintlich unfehlbaren.

Keiner war zu sehen. In diesem Satz ist keiner ein Zahlwort, Numerale genannt, ein Indefinitpronomen, das man beugen kann. Keine war zu sehen. Keines (der Kinder) war zu sehen. Keine Angst!  Keine Ursache! Keiner von beiden.

Kein kann also gebeugt werden – es richtet sich nach seinem grammatikalischem Umfeld.

Aber das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, kein in die Komparation zu setzen, in die Vergleichsform. Kein ist nun mal kein – ein Nichts, es ist nichts. Sie haben kein Recht … also nix Recht, nullkommanix. Und weil das eben schon nichts ist, ist kein nicht steigerbar! Weniger als nichts? Mehr als nichts? Einfach mal nachdenken, liebe In-keinster-Weise-Sager!

Keinster wäre die zweite Steigerungsform, der Superlativ, von kein. Keinster gibt es nicht. Kein ist, ich wiederhole mich gerne, unsteigerbar, mehr noch: In keinster Weise ist in keiner Weise ein deutscher Ausdruck! Jeder Satz mit keinster ist Unsinn – falsch – ein Offenbarungseid!

Genug geschimpft und nachgeschaut, was Dudens Das große Wörterbuch der Deutschen Sprache dazu sagt, ich darf zitieren: das ist in keiner Weise gerechtfertigt; – sehen Sie, kein gebeugt, aber nicht gesteigert. Aber nun schlägt es doch dem Fass den Sprengel aus der Fassung, oh Duden, noch einmal der Duden: Da kann ich dir in keinster Weise (umgangssprachlich scherzhaft; üŸberhaupt nicht) zustimmen. Umgangssprachlich? Ich schnappatme hörbar.

Nein, falsch!

Dudens Universallexikon verzapft denselben Mist. Seit wann darf man Falsches damit per Aufnahme in die Lexika ehren, weil man es als umgangssprachlich-scherzhaft bezeichnet?  Keinerseits, keinesfalls, keineswegs, keinerlei, keinmal – alles vertretbar bis schön, aber nicht …

Wahrig hilf! Wahrigs Deutsches Wörterbuch, das schwerste Stück Lexikon in meiner Sammlung, treibt mich zum Wahnsinn. Auf Seite 826 derselbe Kokolores wie im Duden: Umgangssprachlicher Superlativ, heißt es dort. Gute Nacht! Dann kann ich in jedster Weise gut schlafen. Und in allster(!) Weise meine Echauffage (umgangssprachlich-scherzhaft für Aufgebrachtsein) dämpfen.

Zurück zum Beispielblatt dort oben: Er wollte ihr nicht wehtun, in keinster Weise? Geschmeidiger macht er sie, wenn er sagte: Ich wollte Dir überhaupt nicht wehtun. Wenn Sie eine Form von Steigerung in so einem Satz wünschen, umschiffen Sie in keinster Weise geschickt.

Noch nicht fertig. Ich hole meine Geheimwaffe heraus, den Duden von 1929. Nix keinst! Danke dafür …

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Dies ist Folge X der Liste der Sprachsünden. Die ersten neun finden Sie hier:
Das und dass X Das pur X Seit und seid X die Alternative X derselbe/dasgleiche X Extremst X Auf und zu X wieder und wider X Public Viewing

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