Was kostet die Frau?

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Zu den dümmsten Wörtern, gegen die der gemeine Anglizismus-Gegner sich rituell wehrt, gehört ohne Zweifel das Wort Sale. Das habe ich im Sale gekauft, war echt billig! – Schau doch mal bei denen im Sale nach, das ist immer gut!

Sprechen wir aber erst einmal dem Duden ein Lob aus, der dieses Wörtchen – es steht für Aus- oder Schlussverkauf – nicht führt. Er führt dafür Säle, den Plural von Saal.

Und weichen wir ein kleines Stück von unserer harten Position ab: Die Wörter Ausverkauf und Schlussverkauf sind natürlich für jeden Plakat- oder Werbemittelgestalter ein Graus – 10 oder 14 Buchstaben stehen gegen schlanke vier. Ohne Frage, Sale hat was!

Aber damit hat es sich schon. Sale ist ein Unwort. Sale steht für den Hang des Deutschen, sich des Englischen zu bedienen. Sale steht beinahe wie ein Fanal da, wenn Anglizismus-Gegner auf -Befürworter treffen. Besonders ärgerlich wird es natürlich, wenn seriöse Medien sich dieses Wortes bedienen, wie Sie es hier sehen.

Und so wundert es uns nicht, dass sich ein eigentlich seriöser Damen- und Herrenausstatter des Wörtchens ebenfalls annimmt: Walbusch nennt seine Kleidung ja auch Outfits, wie Sie der kleinen Zeile entnehmen können – da ist Sale nicht weit.

Und, siehe da!, modische Blusen im Sale, nur 25 Euro. Nein, doch nicht. Die Damen sind im Sale, nein, nicht in den Sälen, sie sind im Ausverkauf: Damen-Sale. Was kostet die Dame in der Bluse?

Oder lesen Sie es anders?

Sie denken an Johann Nepomuk Nestroys Einen Jux will er sich machen zu Wochenbeginn? Auch. Aber es fällt mir einfach schwer, dieses Damen-Sale anders zu verstehen denn als Anpreisung der Dame zu Erwerbszwecken.

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