Da liest man so einen Satz und denkt: Das kann doch nicht sein, nicht die FAZ, die ehrenwerte, und schon gar nicht im Feuilleton des Blattes! Nein, das geht nicht! Um was geht es? Darum: Jetzt sehen wir ihn als einen Getriebenen mit flackerndem Blick, dessen eigenes Handeln sich gegen ihn richtet, bis er weidwund ist vor Schmerz. So heißt der Satz. und die Verwunderung strahlt vom Wörtchen weidwund ab.
Ehrlich gesagt, war ich der Ansicht, dass sich alles, was mit der Jagd zu tun hat und mit waid angeht beim Sprechen, auch waid geschrieben werden müsse.
Gefehlt! Ich war selbst überrascht. Weidwund, das schöne Adjektiv hat auch mit dem Weidmann zu tun, aber der schießt in die Eingeweide. Holla! Waidwund ist fast falsch, weidwund ist richtig! Da beißt der Duden keinen Faden … oder so ähnlich!
Zweifel? Hier der zweifelsfreie Duden, das Zitat: weid|wund, (besonders fachsprachlich:) waid|wund <Adjektiv> [eigentlich wohl = an den Eingeweiden verwundet, ursprünglich vom Menschen gebraucht] (Jägersprache): in die Eingeweide geschossen und daher todwund: ein weidwundes Tier; ein Reh weidwund schießen.
Schaute dann sofort nach, ob sich auch der Waidmann, denn ich nie und nimmer Weidmann schreiben würde … ob sich also auch der Waidmann das A ausgeweidet(!) hat. Nun, bevor ich es lange erkläre, zitiere ich den Duden noch einmal: Schreibung: Das Substantiv wird ebenso wie die entsprechenden Komposita (Weidmannsheil, Weidwerk, Weidsack, Weidspruch usw.) im Allgemeinen mit ei geschrieben. Die Form mit ai ist jedoch ebenfalls korrekt. Die ai-Schreibung wird fachsprachlich, also in der Sprache der Jäger, sogar bevorzugt, obwohl sie sprachgeschichtlich nicht begründet ist. Sie erklärt sich vermutlich daraus, dass die Schreibweise mit ai in einigen alten bayerischen und österreichischen Quellen vorkommt.
Nun, ich schreibe von nun an vom weidwunden Waidmann, so komisch sich das liest. Und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, vielleicht im Wald und auf in der Haide.