Was bezieht sich worauf?

140723_KongruenzHabe ich Ihnen eigentlich, in all den Jahren der deutschmeisterei, etwas über Kongruenz erzählt? Sicher habe ich das, ganz sicher. Sie wollen es nur nicht zugeben, dass Sie Teile Ihres Wissen schon wieder vergessen haben, weil ein gewisser Mario Götze am 13. Juli in der 113. Minute im Stadion Maracana … Also, aufgemerkt, Kongruenz, Auffrischungskurs. (Und in diesem Satz kann man über die vier Kommata streiten, aber so falsch sind sie nicht).

Satzteile müssen in einer Beziehung zueinander stehen, und zwar in Geschlecht, Zahl und im Fall. Der Silberstreif jenes Monsters, dessen Strahlekraft sie wahrnahmen … Schön irrsinnig, dieser Satz, aber er besticht durch drei Genitive: Der Silberstreif (Subjekt) jenes (Gen) Monsters (Gen), dessen (Gen) Strahlekraft (Akkusativ) sie (Subjekt des Nebensatzes) wahrnahmen (Verb des Nebensatzes) … Um es kurz zu machen: Diese drei Genitive stehen im Kongruenz zueinander. Die bedingen sich. Und mehr noch: Am Plural des Verbs wahrnahmen erkennen Sie, dass das sie in dem Satz nicht etwa ein Singular (der aus er – sie – es) sein kann, sondern auch als Plural (mehrere Menschen) zu verstehen ist. Alles kongruent. Alles hängt voneinander ab; die Kongruenz macht deutlich, was gemeint ist.

Bis hierher war es noch einfach. Aber nun gehen wir mal in den Beispielsatz, den ich Ihnen oben hingeklemmt habe, ein Auszug aus dem Manuskript eines Autors, den zu bearbeiten ich die Freude habe. Zu wem gehört das kalte Licht,* wie geht die Kongruenz? Die (weiblich) Sichel sendet das Licht aus, auch wenn sie zu dem (männlich) Mond gehört. Folglich muss sich das Pronomen des Satzes (ihr und sein stehen zur Auswahl) auf die Sichel (weiblich) beziehen.

Und wer schreit danach? Die Kongruenz.* Und Sie sehen schon, blass ist jede Theorie; die Praxis ist oft kompliziert. Auch ich mache solche Fehler, auch wenn ich den eigenen Text 30 Mal gelesen habe.

Nun habe ich diesen Text 31 Mal gelesen, und ich bitte Sie, sich diesen Satz noch einmal zu Gemüte zu führen, dritter Absatz: … Ihnen oben hingeklemmt habe, ein Auszug aus dem Manuskript eines Autors, den zu bearbeiten ich die Freude habe. Heißa, was für ein Lapsus, ein Kongruenz-Lapsus! Wen oder was bearbeite ich? Den Autor oder das Manuskript?

Viel schöner ist der Satz so: … Ihnen oben hingeklemmt habe, ein Auszug aus dem Manuskript eines Autors, das(!) zu bearbeiten ich die Freude habe.

Na, bitte, geht doch!
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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An zwei Stellen dieses Textes habe ich durch * kenntlich gemacht, dass das Satzzeichen nach einer Fettung im Text ebenfalls fett gedruckt werden muss. Darauf aufmerksam machte mich der überaus kundige Leser Georg M. aus Darmstadt.

Er schrieb dies: Satzzeichen, die unmittelbar an ein Wort in Auszeichnungsschrift – (Michael Lohmann: eben nicht in der Grund- oder Brotschrift) – anschließen, werden ebenfalls in der betreffenden Auszeichnungsschrift (hier fett) gesetzt. Ausnahme: Öffnende oder schließende Klammern, die am Anfang beziehungsweise Ende eines Satzes direkt an ein Auszeichnungsschrift-Wort anschließen, werden in Grundschrift gesetzt. Beispiel: (Heute sind die Außentemperaturen wieder sehr hoch.) Punkt für Satzschluss fett, Klammer normal. (Ist zugegeben ein reichlich doofer Satz, mir fällt aber auf Kommando nichts Besseres ein!)

Michael Lohmann: Herr M., in Sachen Beispielsatz-Findung spielen wir – siehe oben, Strahlekraft! – in einer Liga. Vielen Dank für diesen Hinweis.

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