Nun komma raus, Pegida!

150119_PegidaGestern Abend hat wohl einen Dame von Pegida bei Herrn Jauch vorgesprochen – und natürlich wissen alle Zeitungen, wie es gewesen ist. Ich weiß es nicht, aber ich werde es mir ansehen; aufgenommen habe ich es.

Mich reizt eher das, was die Kollegen von Handelsblatt in der Ankündigung ihres Berichts über Jauchs Pegida schreiben. Sie schreiben: Erstmals seit Beginn der Demonstrationen der Pegida nahm eine Vertreterin … Nein, das schreiben sie nicht. Ich bitte Sie, meine Fehlleistung zu entschuldigen.

Das Handelsblatt schreibt: Erstmals seit Beginn der Demonstrationen der Pegida, (KOMMA) nahm eine Vertreterin … Klar, da muss ein Komma hin. Das hatte ich vergessen. Erstmals seit Beginn der Demonstrationen der Pegida, nahm eine Vertreterin …

Das Komma steht da, weil ein neuer Satz … nein … weil ein Nebensatz … ups, auch nicht … weil das zweite Komma eine Klammerkonstruktion schließt … nein … achso, natürlich, Aufzählung. Ich suche sie mal für Sie, die Aufzählung. Nein, ist keine.

Jetzt wird es klar. Das Komma muss da stehen, weil längere Sätze irgendwann ein Komma benötigen. Damit der Leser Atem holen … Sie wissen schon. Das ist Regel Nummer … warten Sie, ich schaue kurz nach …

Passt auch nicht. Sie ahnen es schon: Das Komma hat da eine in Richtung null gehende Daseinsberechtigung. Es ist falsch. Schlicht falsch. Ich schreibe das, weil ich bei meinen Lektorats- und Korrektoratsaufträgen derlei Fehler öfter sehe.

Und nun knicke ich etwas ein: Denn der Satz, an dem das Handelsblatt scheitert, hat leichte Anklänge an eine Konstruktion, bei der ein Komma gesetzt werden darf – und ich setze es dort immer: Frisch zuhause angekommen schlüpfte sie aus dem Mantel. Schreib auch: Frisch zuhause angekommen, (KOMMA) schlüpfte sie aus dem Mantel. Diese Partizipialkonstruktion, so sagen es die Deutsch-Besserwisser, trägt ja ein Verb – mit Verlaub, Partizipien werden von Verben gebildet –, und so darf man auch annehmen, dass hier ein ganzer Satz steht, ein Nebensatz, der da lautet: Nachdem sie zuhause angekommen war (Ende des Nebensatz. Komma.), und der einen Hauptsatz folgen lässt (Beginn des Hauptsatzes) schlüpfte sie aus dem Mantel.

So, und nun machen Sie sich doch mal auf die Suche nach dem Verb in Erstmals seit Beginn der Demonstrationen der Pegida …

Ist aber auch schwer, gottsverdammi!

2 Kommentare zu "Nun komma raus, Pegida!"

  1. Können die 4 fehlenden s bei „Erstmal“ wohl nur Tippfehler sein? Trotz Ihrer Duden-Recherche gefällt mir das Komma nicht. E.H.

  2. Ja, Tippfehler. Ich liebe meine Leserschaft. Ich habe die Fehlers(!) bei ERSTMALS rot korrigiert. Danke für den Hinweis.

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