Was vom Brief bleibt

1604020_BriefRedigiertDies ist ein sehr unterhaltsames Stück Text, also nicht mein Stück, das ich hier schreibe, sondern das Stück, das Sie sich anschauen sollten und sicherlich verstehen, wenn Sie etwas Englisch können. Suzanne bedankt sich bei ihrer Tante Bee für den beautiful new angora sweater zum birthday. Der Sweater ist blue, Suzannes Lieblingsfarbe.

Sie bedankt sich überschwänglich, ja, mit Ä, und wird immer an Tante Bee denken, wenn sie ihn trägt. Das ist der Text, kurz angerissen.

Und nun kommt der Lektor, dieses fiese Wesen. Der Lektor nimmt sich dieses Briefleins an, als sei es ein literarischer Text. Was passiert?  Nichts bleibt, nichts. Der Lektor merkt an: überflüssiges Wort – redundant – zu detailliert – Satz zu lang – Vermeide das Futur – Vermeide Wortzusammenziehungen – Letzter Satz hat keinen Sinn – Überflüssig, Tante Bee weiß, wer du bist.

Ich gebe zu, da hat jemand meinen Berufsstand treffend klassifiziert und abgewatscht. Das ist richtig gut. Zu verdanken habe ich dieses Beispiel dem verehrten Julian von Heyl (Link zu seiner erstklassigen Seite korrekturen.de); Julian hat dies auf Facebook eingestellt.

Oben steht, dass nichts vom Text bleibt. Stimmt nicht ganz. Es bleibt eine Aufzählung mit Spiegelstrichen wie bei einer Powerpoint-Präsentation: Anrede – Dank –Eigenschaften des Kleidungsstücks – An Tante denken – Erinnerung an die Freundlichkeit – Abgang.

Herrlich. Klasse. Danke!

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