Wollen wir mal nicht auf das Wetter einteufeln …

160812_EinteufelnIch habe neulich auf Facebook einen Test gemacht, der ermitteln sollte, wie groß mein Wortschatz ist. Nein, ich glaube solchen Tests nicht, nein, nein. Ich kam auf 27.000 Wörter, völlig wuppe –  dass der Kollege K. auf 28.500 Wörter kam, ärgert mich dennoch. Ich werde mir Mühe geben, an die Zahl von 5,4 Millionen Wörtern im Deutschen (neulich gelesen) zu kommen.

Lustig war, dass die Tester mir dann sagten, nur 0,18 Prozent der Deutschen hätten einen vergleichbaren Wortschatz (glaube ich auch nicht, allerdings, der Kollege K. …), und dann sagten sie noch, ich sei so gut, dass ich Wörter erfinden könnte. Darum geht es mir heute.

Also gut, ich erfinde heute in der Königsdisziplin Verben das Wort schnupsnäseln, was so viel bedeutet wie „unter Schnupfen nur noch durch die Nase sprechen können“. Bring mir mal die Tabletten, schnupsnäselte sie. Und wenn sie dann noch eine süße Stupsnase haben sollte, darf es auch gern stupsschnupsnäseln heißen, …. stupsschnupsnäselte sie.

Geht doch, oder?

Im Ernst, das war nur die leichte Einleitung zum Wetter (novembrig-schnupfrig) und zu einem, der wirklich mit Sprache umgehen kann: Frank Goosen. Leser Klaus H. hat mich auf diese Stelle aus Goosens Förster, mein Förster aufmerksam gemacht. Danke.

Lesen Sie bitte diesen mehr als 70 Wörter langen Satz, der am Ende der vierten Zeile mit Es sei denn … beginnt. Er endet mit … in so ein albernes Ärzte-Bashing zu verfallen, was ja mindestens so peinlich war wie das rituelle Einteufeln auf Lehrer oder die Bahn oder das Wetter. Holla, die Waldfee, sage ich da mal als Sohn eines Hobby-Försters.

Erstens stimmt der Satz, zweitens kann man ihn auch mit 70 Wörtern so stehen lassen – und drittens, dieses Einteufeln … ein wunderbares Wort. Goosen nimmt hier eben nicht das Duden-Wort verteufeln, sondern fügt der Bedeutung von verteufeln noch eine Komponente bei, das Einprügeln.

Googele ich das Wort also, komme zum Wörterbuchnetz und damit zu … Tusch! Tusch! … Johann Wolfgang von Goethe: Einteufeln, heißt es da, in der Bedeutung: „dem Teufel ähnlich geworden“ – [Mephisto zu Faust:] Du bist doch sonst so ziemlich eingeteufelt, | Nichts Abgeschmackters find’ ich auf der Welt, | Als einen Teufel der verzweifelt …

Gut, das Wort haben wir also schon, wenn auch verschüttet, wenn auch in einer völlig anderen Bedeutung, also dem Teufel ähnlich geworden, lies: sich dem Teuflischen in allem annähern. Ella zu Norbert: Ich finde dich in letzter Zeit so richtig eingeteufelt. Norbert zu Ella: Und ich dich heftig eingedrachelt. Die beiden lieben sich ….

Goosen schafft also kein neues Wort, sondern gibt einem verschütteten Wort eine neue Bedeutung. Das Wort versteht jeder mit einem Wortschatz von sagen wir mal siebentausend Wörtern sofort. In meinen Augen großes Kino, Goosen-Kino, Goosen-Goethe-Kino.

Und das erwarte ich auch von Ihrem Wochenende: großes Kino, bitte!

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