Das neu-reiche Eszett

Das Eszett, das arme, das arme Eszett führt ein Leben am Rande seiner Kollegen, es ist ausgegrenzt, es ist – sagen wir es offen – nur halb. Dringend bedarf es einer Schutzgruppe aus Enthusiasten, die sich öffentlich gegen die Diskriminierung stemmen. Wir werden in das Wort Lichterkette demnächst ein Eszett einbringen, dass diese Sauerei öffentlich wird, aus Lichterkette wird dann Lißtzerkeße, bitte.

So träumte es mich heute Nacht, denn das Eszett gibt es nur als Kleinbuchstaben. Ideen, daraus auch ein GROSZES Eszett zu machen sind erstens häßlich(!) und stehen zweitens unter Nazizeit-Verdacht. Geht gar nicht.

Dann wachte ich auf und blickte auf den Brot- Knäckebrotaufstrich. Reich an EIWEIß stand da. Himmel, die Schuppen fielen mir aus Haar und Auge, das geht ja jetzt, das fluppt, richtig, das darf man ja, seit irgendwann im letzten Jahr. Das ω Eszett es ist gerettet.

Sie denken, ich läge voll daneben. Dann lesen Sie bitte mal dies, kopiert von der Duden-Seite des Internet.

Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun – in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 – ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine* wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.

Ätsch, geht also, Herr SCHMIß, kein SCHIß(!), sondern ein KOMPROMIß(!). Und Exquisa, die besonders cremig gerührte Marke mit dem Mmmh und der Balance, macht es uns vor. Danke dafür!

Das Eszett wird nicht mehr diskriminiert. Es steht neu-reich und gut da. Ich bin erleichtert.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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Warum schreibt der Duden da nach dem Doppelpunkt klein weiter? Sehr einfach. Nach einem Doppelpunkt wird etwas klein geschrieben, wenn kein ganzer Satz mit Subjekt, Prädikat und Objekt folgt. Das gilt vor allem natürlich für Aufzählungen und kurze Angaben. Wir wollen vor allem eines: so nicht weiter. – Oder: Sie kam vom Markt und hatte alles dabei: einen neuen Mann, Autoreifen und Exquisa. Eine Wendung auch mit sechzehn Wörter – und dem Gefühl, einen ganzen Satz zu lesen – an den Doppelpunkt zu hängen, ist gewiss richtig, gesehen habe ich so etwas indes bewusst noch nicht. Wieder was gelernt.

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