Mal anders herum, ARD

Liebe ARD, ihr müsst jetzt ganz genau zuhören. Aber sehr genau. Denn ich befasse mich nicht zum ersten Mal mit euch, mit der Art, wie ihr Sendungen betitelt und mit der Sprache umgeht. Es geht, ich habe es in Rot angemarkert, um die Frage, wie man andere schreibt. Und Herrschaftszeiten, das ist gar nicht so einfach.

Erstens schreiben wir es in der Regel (99,5 Prozent der Fälle) klein. Ja, Heinz-Gustav, gut aufgepasst, am Satzanfang schreiben wir es groß. Setzen, Karl-Gustav!

Jemand anders – etwas anderes – mit anderer Begleitung – alles andere – keine andere – nichts anderes – (zum einen,) zum anderen – unter anderem. Setzen Sie die Reihe fort!

Warum klein? Das Wörtchen ist ein unbestimmtes Zahlwort und ein Indefinitpronomen – und die schreiben wir alle klein. Auch wenn andere was anderes sagen. So  ist es richtig und nicht anders.

Zweitens. Ja, Karl-Gustav, wenn wir alles in Großbuchstaben SCHREIBEN, DANN NATÜRLICH auch, auch mitten im Satz, wie in der Überschrift, da hast du recht. (Darf man Kinder eigentlich hauen, wenn sie wunderfitzig und vorlaut und altklug sind?)

Drittens, Sie ahnen es, gibt es jene nullkommafünfprozent der Schreibsituationen, in denen wir die Hochstelltaste unten links bemühen. Nämlich genau dann, wenn anders, andere nicht als Zahlwort eingesetzt wird, sondern als Benennung von etwas Gegensätzlichem. Kommt Ihnen also morgen mittag an der Bushaltestelle Münster-Tierpark ein Wesen mit Hinkebein und Sense aus einem Raumschiff entgegen, dürften Sie ruhig schreiben: Dies ist nun mal etwas total Anderes, ein total Anderer … aber nur dann.

Der Duden beispielt: die Suche nach dem Anderen (= nach einer neuen Welt), der Dialog mit dem Anderen (= dem GegenŸüber). Ich beispiele angesichts meines eher spießigen Nachbarn (Versicherungsvertreter), der mich gestern zu einer Poolparty mit Koks und Kokotten nach Budapest eingeladen hat: Ergo, er ist ein total Anderer jetzt. Gutes Beispiel: der Film ω Das Leben der Anderen, das Plakat sehen Sie recht.

Und nun zur ARD, zu Das Lachen der Anderen – ein neues Wir. Ich denke, ohne das Werk, die Comedy im Grenzbereich, gesehen zu haben, dass ihr alles richtig gemacht habt – und damit mal anders(!) als sonst. Der musste sein, Entschuldigung!

4 Kommentare zu "Mal anders herum, ARD"

  1. Dazu schreibt man dem bekannten Filmkomiker W. C. Fields (aus den 20er und 30er Jahren), dem leidenschaftlichen Hunde-, Kinder-, Vermieter- und Weihnachtenhasser folgenden Kommentar zu:
    „Wer Hunde tritt und kleine Kinder schlägt, kann kein von Grund auf schlechter Mensch sein.“

    Aber der war ja auch selten nüchtern! 🙂

  2. Da hat das System mir die Referenz zu meiner Auslassung geklaut: Darf man Kinder eigentlich hauen (…)?

    • Herr Heyne, Contenance!;) Hier lesen Menschen mit, die das ernst nehmen, die Eingaben machen, sofort, oder solche, um die es (Achtung, Spoiler!) morgen geht, einen Tag vor dem Weltfrauentag …

  3. Bin gespannt – wie immer!

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