Leicht bescheuert

Schauen Sie mal, was ich gestern in einem Nürnberger Krankenhaus gesehen habe. Wieso ich im Krankenhaus war? Nun, das hat direkt mit diesem Bildchen zu tun. Ich habe den Sprachfreund Dr. Redebrecht Dudenleb besucht. Redebrecht, seines Zeichens Ordinarius für Deutsch, Mittelhochdeutsch und Ganzaltdeutsch an einer hiesigen Privatuniversität, hatte seine Mutter besucht, die dort mit einem Herrn Ischias lag.

Auf dem Weg in ihr Zimmer wurde Redebrecht dieses Bildchens angesichtig. Und kippte um. Was die Krankenschwester Krystina Powloskinsky als Letztes von ihm vernahm, klang wie: So viele Fehler, auf einem Bild. Der Gottseibeiuns!

In seinem Zimmer – ich traf ihn nicht an, er war zur Beobachtung in die Psychiatrie verlegt worden – fand ich einen Zettel, in Sütterlin geschrieben, seiner bevorzugten Schreibweise. Darauf stand …

Falsches Genitiv-S, wie oft soll ich es noch lehren?

Darunter …

Wie oft soll ich es noch lehren, alles wird immer kleingeschrieben. Nur nicht am Satzanfang.

Und dann …

Die Verben putzt und reinigt halte ich dringlichst für eine Aufzählung – wieso steht da kein Komma?

Nun, recht hat der Gute. Heute.

Ich tippe mal, dieses Plakat der Firma Henkel stammt aus den Zwanziger. So schrieb man damals. Und also rief ich Redebrecht durch die geöffnete Tür der Geschlossenen zu: Na, und …?

Wer ein Engelchen mit einem Pulver den Mond scheuern lässt, scheut nicht, ein solch herrliches Plakat zu gestalten und es zeitgemäß naiv zu texten. Bescheuert sind da andere. Das sagt ich nicht; ich wollte Redebrechts Gesundung nicht gefährden.

6 Kommentare zu "Leicht bescheuert"

  1. Leif-Ove Murayama | 3. April 2018 um 22:17 | Antworten

    Der arme Engel. Braucht 29 Tage und ein paar zerquetschte Stunden, um den Mond in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Und dann hält die Ata-Wirkung nur eine Nacht. Tja, hätte er mal General Bergfrühling oder Meister Proper um Rat gefragt.
    Bei der Ata-Werbung verstand ich immer „Ata macht die Küche lebensecht und sauber“ und fragte mich: Was soll das? Wieso lebensecht? Gibt’s ohne Ata nur unecht aussehende Küchen? Und: Ist die Küche denn nicht lebensecht, wenn sie vor Dreck steht? Erst viel später erfuhr ich, dass „lebensmittelsauber“, dieses leicht missverständliche Allerweltswort, gesungen wurde. Wie ging der Text eigentlich weiter? Ähnlich sinnentleert? Mir fällt nur noch die Melodie dieses Werbeliedes ein.

  2. So, das Zwischennetz liefert nach langem Suchen folgende Ergebnisse – allerdings keine „Video-Beweise“, sondern mehr oder weniger sentimentale Erinnerungen von Alt-Bloggern:

    1. ATA macht die Küche lebensmittelsauber, macht die ganze Küche lebensmittelsauber. ATA ist wirklich jedem zu empfehlen, denn ATA darf in keiner Küche fehlen!
    http://www.hoeflichepaparazzi.de/forum/printthread.php?t=2246&pp=1000 Beitrag vom 02.06.2001, 21:32

    2. ATA macht die Küche lebensmittelsauber. Ata ist nicht ohne, denn Ata hat die Frischkraft der Zitrone.

    3. ATA lebensmittelsauber mit der kraftvollen Frische der Zitrone. (Aufdruck auf der ATA-Dose)

    4. ATA – Reinigt appetitlich sauber, lebensmittelsauber.
    https://www.zitate.eu/author/werbeslogans-claims-und-marken/zitate/228726

    Hier gibt es ganz viele Werbeplakate aus vergangenen Tagen: http://www.wirtschaftswundermuseum.de

    • Oh, Herr Heyne, das ist klasse. Das sieht ja aus wie eine Abschlussarbeit an der Alma Ata 😉

    • Leif-Ove Murayama | 7. April 2018 um 10:34 | Antworten

      Vielen Dank für Ihre Mühe, Herr Heyne. Der im Forum auf hoeflichepaparazzi.de angegebene Text passt genau zum Takt. Zwar hatte ich zuvor auch gesucht, allerdings stieß ich nur auf ältere Ata-Werbungen, u. a. eine dreiminütige (!) aus der Zwischenkriegszeit.
      Etwas jüngeren Datums ist eine meiner Lieblingswerbungen: NO MORE 映画泥棒 (No more eigadorobô). Sie erklärt sich auch ohne Japanischkenntnisse praktisch von selbst. Nur so viel: Dieser lustige Schwachsinn wurde im Kino vor den Filmen gezeigt, eiga heißt „Film“, und dorobô ist der „Dieb“. Viel Spaß (ab 0:33): https://www.youtube.com/watch?v=9HdCXYia-Yw.

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