Das mit dem Sack Reis in China

Ich weiß es nicht, und ich erhoffe mir von Ihnen an diesem Wochenende ein gültige, gerichtsverwertbare, also wirklich belastbare Antwort: Hat Til Schweiger gestern morgen seinen grünen Müll an die Straße gestellt? Sie finden das irrelevant?

Ich nicht. Denn ich habe in der vergangenen Woche in Spiegel Online, dem geschätzten Blatt, zwei Meldungen hintereinander gefunden, deren Brisanz zumindest die Redaktion (nein, ich setze das Wort nicht in Tüddelchen) sehr hoch einschätzt – und damit ich auch; ich bin mit dem Spiegel groß geworden und habe die gedruckte Ausgabe immer noch im Abonnement.

Da haben wir also als Erstes die Frage nach der Müllentsorgung bei Herrn Schweiger … ähh, nein, das war ja meine Frage. Also, als Erstes die Frage, ob Will Smith, ein amerikanischer Schauspieler, wirklich so hüftschwingig ist, dass er Salsa lernt, mit neunundvierzig. Herrschaftszeiten, was für eine Meldung, ihr Spiegler! Mit neunundvierzig lag ich schon im Streckbett, versorgt von drei Krankenschwestern der Güteklasse A, Paris Hilton und Co., ich nenn sie Paris 1, Paris 2, Paris 3.

Falsch, ich bin verwirrt, das liegt an den Dreifach-Paris-Hiltons hier im Spital. Aber eine Paris kam erst in der nächsten Spiegel-Meldung. In der, die der Will-Smith-Meldung direkt folgte …

Die Gute hat ihren Verlobungsring verloren. Zwei Millionen Dollar! Wir leiden mit, wir tun das, was Meldungen auch erzeugen können: Wir reagieren voller Empathie. (Gerade wollte ich Apathie schreiben, aber das habe ich ausradiert, eine von den Paris‘ hier auf der Station für hüftkranke, salsageschädigte Sechziger hat mir einen Ratzefummel geliehen.)

Warum kommt mir jetzt der Satz mit dem Sack Reis in China in den Sinn? Ach ja, Paris 2, danke, weil es irrelevant ist. Vollkommen irrelevant.

Paris 2 lacht und zeigt auf einen Artikel im Economist. China und die USA im Handelskrieg. Gut, dann hat das mit dem Sack Reis im Reich der Mitte doch eine Bedeutung. Und so gesehen … haben die Sack-Reis-Meldungen, ihr Spiegler, einen tieferen Sinn. Alles ist wichtig in Zeiten testosterongesteuerter Herrscher.

Wie war das noch mal mit der Mülltrennung bei Til Schweiger? Hat sich unser Regierungssprecher heute Morgen die Fingernägelchen frisch poliert?

Sie haben das Wochenende, das ein schönes zu werden verspricht (ich gehe mit Paris 3 – die hat nicht nur Gewicht, sondern auch ihren Ehering, 59 Euro, verloren – Salsa tanzen), Zeit, mir die Antworten zu geben*. Und noch etwas: Am Montag geht es mit den Sack-Reis-Meldungen unter neuen Betrachtung weiter. Freuen Sie sich auf eine tragbare Kaffeemaschine im Mittelpunkt des Weltinteresses.

* Diesen Satz würde ich jedem Volontär und jeder Autorin um die Ohren hauen: Bring da mal Struktur rein! – Aber der Satz ist doch korrekt, mit allen Kommata und Klammern und so. – Stimmt, aber er ist vollkommen panne! Ich hatte keine Zeit, den Satz neu zu friemeln. Musste mit Paris 1 unterm Bett nach dem Verlobungsring suchen …

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