Anti-Quatsch-Gerät

Auf der Suche nach Beton für mein Fünfzig-Meter-Becken im Garten (ja, so was baue ich gern selbst) stieß ich im Obi, dem Markt meines Vertrauens, auf Werbung für einen Handy-Sealer. Frisch geknipst, von unten, der Handy-Sealer macht es einem zwar einfach, denke ich, aber nicht leicht beim Knipsen. Und er gilt wohl nicht gerade als Mitnahme-Ware.

Stutzen Sie? Was ist ein Handy-Sealer?

Da kann ich Ihnen doch als Sprachexperte einerseits und überzeugter Doitjurselver sofort helfen.

Erstens wissen wir, dass das Wort Handy ein deutsches Wort ist. Das Mobiltelefon heißt nur im Deutschen so, weil es so handlich in der Hand liegt. Im Angelsächsischen heißt handy als Adjektiv so was wie bequem, handlich, leicht, praktisch.

Und zweitens nutzt der Engländer das Verb to seal, wenn er etwas versiegeln will,  auch einschweißen. Hätten wir das also auch geklärt.

Beide Bestandteile des Worts Handy-Sealer tauchen hier als Nomen auf, das Handy und der Versiegler. Also ist der Handy-Sealer ein Gerät zum Verschweißen von Handys.

Praktisch, nicht wahr, um nicht zu sagen: It’s handy, isn’t it? Ihre Kinder nerven auf der Fahrt in den Urlaub durch dauerndes Gequatsche? Der Gatte schaut nur auf die App von kicker.de? Nehmen Sie die Mobiltelefone und versiegeln Sie sie! Endlich!

Und mal ehrlich, bei einem Preis von 8,79 Euro, liebe Bundesbahn, wie wäre es mit der flächen- und waggondeckenden Versorgung mit solchen Geräten? Dann ist Ruhe bei der Fahrt, endlich!

Ach so, Sie haben recht, da ist noch ein Fehler auf dem Schildchen. Obi versucht, Handy-Sealer mit Hand-Schweißgerät zu übersetzen. Ist natürlich Blödsinn, die haben da ein Y vergessen. Meine Interpretation ist korrekt.

Gestützt wird diese These durch die Suche nach anderen Übersetzungen, Suchort: Internets Übersetzer-Seiten. Fehlanzeige. Indes finde ich massenhaft Hinweise auf die rein deutsche Variante vieler Baumärkte, als Hand(!)gerät zum Schweißen. Fein, wie diese Weltsprache in verhunzter Form bei uns willkommen geheißen wird. Eine kulturelle Meisterleistung!

Ich habe mich nach dem Von-unten-Knips zur Abteilung Beton aufgemacht, zwengs dem Garten-Schwimmbecken, fünfzig Meter, siehe oben. Und dort tatsächlich gefunden: Handy-Pool. Erst wollte ich das Ding sofort mitnehmen. Dann sah ich, was es war: ein Handwaschbecken.

Nachtrag: Sollte es sich tatsächlich um ein Heißsiegelgerät handeln, schlägt der handwerklich gebildete Übersetzer vor: a handy electric heat sealing apparatus. Himmel, hilf! Hat der Angelsachse das nicht kürzer?

1 Kommentar zu "Anti-Quatsch-Gerät"

  1. Kürzer? Nicht wirklich!
    Wobei der angelsächsische do-it-yourselfer (mit „f“; auch im Plural: do-it-yourselfers) in seiner muttersprachlichen Gerätebeschreibung das „handy“ in diesem Fall dann doch durch „manual“ ersetzen würde.

    Handy-Pool für Handwaschbecken find ich gelungen. Eine in ähnlicher Weise vorgenommene Übersetzung von „Handstreich“ in Handy-Attack würde dem gemeinen Angelsachsen vermutlich erhebliche Verständnisprobleme bereiten.

    Allerdings gibt es tatsächlich die Begriffe „handiwork“ bzw. „handicraft“ für Handarbeit!
    (Quelle: dict.cc)

    Grüße aus BaWü!

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