Mach das Foto wech!

Sie erinnern sich gewiss noch, es war um die Zeit der Regierungsbildung Deutschland, der jüngsten. Herr Seehofers Mannen (hier: im Sinne von Seehofer-Apparat, Weiblein und Männlein) zeigten das Bild von Seehofers Mannen (hier: ungegendert) und die Republik tobte: nur Mannen, typisch Macho, wo bliebe das Weibliche im Innenministerium? Einige dachten, na, und – passt doch! Andere dachten, der Bayer hat den Schuss nicht gehört. Und ich dachte: rituelles Aufheulen nach Ansage. Na, ja.

Heute einerlei, und längst wehte der Kohl’sche Mantel der Geschichte über der Geschichte, wäre da nicht Klaus H., der mir diesen kleinen Ausriss aus web.de hat zukommen lassen.

Das Ministerium hat, so sagt es selbst, das Bild …

… nach kurzzeitiger Veröffentlichung wieder depubliziert.

Holla! Hört, hört! Das Ministerium kreiert ein neues Wort. De-publizieren, ent-veröffentlichen, die Veröffentlichung rückgängig machen. Die freundliche Umschreibung (auch Euphemismus genannt) für: Da haben wir uns aber so was von vergaloppiert in der Öffentlichkeit, folglich reden wir nicht über den Fehler (einige sagen: die Instinktlosigkeit angesichts Frauenstimmung 3.0), sondern einfach nur ein zu früher Termin. Sperrfrist nicht beachtet, so nennt man das im Presse-Deutsch.

Fein dann auch der letzte Satz, den ich drei Mal lesen musste:

Ursächlich sei gewesen … (ML: hier wiehert der Amtsschimmel zum ersten Mal)

… dass die Veröffentlichung … (ML: jetzt muss folgen – von was?)

… der zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfolgten Kabinettsverfassung mit den Personalien … (ML: die Tatsache, dass das Kabinett sich mit den Personalien noch nicht befasst hat, Amtsdeutsch-Pferdchen, ganz ruhig, Brauner!) …

… vorgreifen könnte. (ML: Ne, wenn schon, dann: vorgegriffen hat. Sprich: Das Kabinett und die Dame ganz oben haben dem Männerbund noch nicht vollends die Lederhosen strammgezogen.)

Dennoch: Wir begrüßen ein neues Wort, depublizieren, willkommen im Bund der wunderbaren Verben.

Gut, ich gebe zu, so ganz neu ist das Wort nicht. Wenn die Mediatheken die Pflicht haben, nach geraumer Zeit, Filmchen A wieder aus dem Programm zu nehmen, reden die auch auch von Depublikation. Aber als Korrektur einer Zu-sehr-in-Eile-Meldung mit Peinlichkeitsfaktor lese ich es zum ersten Mal.

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